Amokläufer: Facharbeit über Bluttat schreiben

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Der Angeklagte Georg R. vor Gericht.

Ansbach - Im Prozess um den Amoklauf von Ansbach schildern Zeugen die blutige Axt-Attacke. Der Amokläufer sagte aus, er habe schon länger überlegt, eine Facharbeit über Amokläufe zu schreiben.

Seine Gedanken kreisten schon länger um das Thema Amoklauf, sogar eine Facharbeit wollte er darüber schreiben: Schüler und Lehrer des Ansbacher Gymnasiums Carolinum haben am Dienstag vor Gericht den blutigen Amoklauf des damaligen Abiturienten Georg R. aus ihrer Sicht geschildert. Georgs Klassenleiter berichtete zudem von einer früheren Diskussion mit einer Kollegin. Der Schüler hatte im Fach Deutsch eine Facharbeit über Amokläufe schreiben wollen. Gemeinsam seien die beiden Lehrer aber zu dem Schluss gekommen, dass dies kein geeignetes Thema sei, berichtete Justizsprecherin Ilonka Mehl am zweiten Prozesstag aus der nicht-öffentlichen Verhandlung vor der Jugendkammer des Landgerichts Ansbach.

Unter den Zeugen war auch die Schülerin, die der damals 18-Jährige mit Beilhieben lebensgefährlich am Kopf verletzt hatte. Ein Sachverständiger sagte aus, dass mindestens acht Gewalteinwirkungen zu dem offenen Schädelhirntrauma geführt hatten. Die Jugendliche habe “Riesenglück“ gehabt. Die Schülerin plagen selbst nach mehreren Operationen noch starke Kopfschmerzen, zudem ist sie schreckhaft. Auch einige Lehrer berichteten vor Gericht, dass sie selbst jetzt noch unter Folgen wie etwa Angstattacken litten. Die dritte Etage gelte in der Schule als “absoluter Horrorstock“.

Er hätte die Schule niederbrennen können

Georg R. war im September 2009 mit Brandsätzen und einem Beil bewaffnet in den dritten Stock seiner Schule gestürmt. Bei dem Amoklauf wurden 15 Menschen teils schwer verletzt. Polizisten stoppten den Amokläufer mit drei Schüssen. Die Molotowcocktails hatte er aus Bierflaschen, Lösungsmitteln und Waschbenzin selbst gebaut. Ein Sachverständiger des Landeskriminalamtes erklärte vor Gericht, dass Georg R. mit ihnen die Schule hätte niederbrennen können. Nur weil die Flaschen nicht zersplitterten, sei Schlimmeres verhindert worden.

Die Lehrkräfte schilderten bei ihren Zeugenaussagen übereinstimmend, dass sie am Tattag zunächst nicht von einem Amoklauf ausgegangen seien. Ein Lehrer der mit Brandsätzen beworfenen 10. Klasse hatte gerade Lateinunterricht gegeben, als plötzlich eine Gestalt etwas in das Zimmer warf. Im ersten Moment habe er an einen Scherz gedacht, gab die Justizsprecherin die Aussage des Mannes wieder. Erst als er gesehen habe, wie der Angeklagte mit der scharfen Seite eines Beils auf den Kopf einer Schülerin einschlug, habe er verstanden, dass das Ganze blutiger Ernst sei.

Der unter einer Persönlichkeitsstörung leidende 19-Jährige muss sich unter anderem wegen versuchten Mordes in 47 Fällen vor Gericht verantworten. Am ersten Verhandlungstag hatte der Angeklagte die Tat umfassend gestanden. Mitleid mit seinen Opfern könne er trotz Therapie noch keines empfinden. Als Motiv für seinen Amoklauf hatte Georg R. in einem Dokument, das Ermittler auf seinem Laptop fanden, Hass auf die Institution Schule und die Gesellschaft genannt. Der Prozess soll am Mittwoch fortgesetzt werden. Als Zeugen werden dann unter anderem die Eltern des Amokläufers und ein psychiatrischer Gutachter erwartet. Das Urteil soll an diesem Donnerstag verkündet werden.

dpa

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