Abschied vom Jahrhundertmenschen Wagner

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An der Wand des Festspielhauses hing ein Bild des langjährigen Leiters der Bayreuther Festspiele.

Bayreuth - Mit einer bewegenden Trauerfeier verabschiedeten sich Freunde und Wegbegleiter von Wolfgang Wagner. Viele von ihnen fanden bewegende Worte und würdigten den Verstorbenen als "Jahrhundertmenschen".

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Trauerfeier für Wolfgang Wagner

Ein überlebensgroßes Bild von Wolfgang Wagner prägt den Hintergrund der gewaltigen Bühne des Festspielhauses. Neben dem Festspielorchester zieren nur zwei riesige Sträuße mit lachsfarbenen Rosen, den Lieblingsblumen des langjährigen Festspielleiters, die Kulisse der schlichten Trauerfeier für Wolfgang Wagner, der am 21. März im Alter von 90 Jahren gestorben ist.

In bewegenden Worten zeichnen Bayreuths Oberbürgermeister Michael Hohl, Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (beide CSU), Hausdirigent Christian Thielemann und Leibarzt Joachim Thiery das Lebenswerk Wagners nach. Er war ein Jahrhundertmensch, eine Ausnahmeerscheinung, ein streitbarer Alleskönner, der letzte Theaterprinzipal.

Bilder von der Trauerfeier

Trauerfeier zum Tode von Wolfgang Wagner

Wagner hat sein ganzes Leben, seine ganze Kraft dem Werk seines Großvaters Richard Wagner verschrieben und den Festspielen zu Weltgeltung verholfen. “Wir stehen heute vor dem Ende eines Lebens, in dem sich Geschichte personifiziert“, erklärt Hohl. In seiner typisch fränkischen Hemdsärmlichkeit verkörperte Wagner eine einzigartige Mischung aus Bodenständigkeit und Weltkultur.

Sein Freund und Leibarzt Thiery erinnert die rund 1000 Trauergäste an die Kriegsverletzung Wagners, die dessen Träume, Dirigent zu werden, schon in frühen Jahren platzen ließen. Stattdessen verschrieb er sich nach dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte, dem Zweiten Weltkrieg, mit Leib und Seele den Festspielen.

Große theaterhistorische Verdiensten des Verstorbenen

Im Gegensatz zu seinem bereits 1966 verstorbenen Bruder Wieland galt Wolfgang Wagner nie als der große Regisseur. Dennoch hat er selbst während seiner 57-jährigen Amtszeit zwölfmal Werke seines Großvaters auf die Bühne des Festspielhauses gebracht, für Hohl Zeugnisse “einer überragenden Lebensleistung“. Mit der Inszenierung seines Lieblingswerkes, “Die Meistersinger von Nürnberg“, nahm Wagner im August 2002 Abschied vom aktiven Bühnenschaffen. Die begeisterten Ovationen waren für das Stadtoberhaupt besonders bewegende Momente in der nicht gerade emotionsarmen Festspielgeschichte.

Zu den großen theaterhistorischen Verdiensten des Verstorbenen zählt 1969 die Öffnung der Festspiele für externe Regisseure. Götz Friedrich, Harry Kupfer und Christoph Schlingensief haben mit ihren Interpretationen für kontroverse Diskussionen gesorgt. Höhepunkt war die Neuinszenierung des “Ring des Nibelungen“ zur 100-Jahrfeier der Festspiele durch Patrice Chereau. Sie sorgte im Jahr 1976 für einen regelrechten Skandal, wurde aber vier Jahre später mit dem Rekordbeifall von fast 90 Minuten verabschiedet.

Die Trotzigkeit des “Herrn Wolfgang“

Thielemann, seit zehn Jahren Hausdirigent am “Grünen Hügel“ würdigt die einzigartige Arbeitsatmosphäre im Festspielhaus. “Wagner hat seinen unermessliche Erfahrungsschatz gerne mit jedem geteilt“, betont der Chefdirigent der Münchner Philharmoniker. “Seine Ratschläge, seine Impulse, seine positive Kritik, all das hat unsere Wagner-Interpretation beeinflusst“, beschreibt er den Patriarchen.

“Wagner war alles andere als der Gralshüter der Werkstatt Bayreuth, er wollte immer das Neue, das Nichtvorhersehbare auf der Bühne“, erinnert Thiery an das selbstlose Wirken seines Freundes. Zur Trotzigkeit des “Herrn Wolfgang“, wie ihn die Bayreuther nannten, und zu seinem langanhaltenden Widerstand, sein Lebenswerk in jüngere Hände zu übergeben, sagte der Arzt: “In Fürsorge für die Festspiele wollte er sich gar nicht an sein biologisches Alter halten und das war gut so.“

dpa

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