TV-Legende wird 70

Talk-Ikone Letterman im Ruhestand: „Kann nicht aufhören zu reden“

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Letterman hat sie alle getroffen - auch den ehemaligen US-Präsident Barack Obama. Das Foto ist aus dem Jahr 2009.

New York - Vor zwei Jahren verabschiedete sich der Talk-König in den Ruhestand. Jetzt wird er 70, hat sich einen langen Bart wachsen lassen - und zeigt sich nur noch selten.

Wie er mit US-Präsident Donald Trump umgehen würde, weiß David Letterman genau. „Wenn ich noch eine Show hätte“, sagte er jüngst dem New York-Magazin, „dann würden mich die Menschen von der Bühne heruntertragen müssen: „Dave, das reicht jetzt mit Trump, wir haben kein Tape mehr.“ Es wäre alles, worüber ich reden würde. Ich wäre erschöpft.“ Aber Letterman hat keine Show mehr, seit er vor rund zwei Jahren unter dem großen Bedauern des amerikanischen Publikums in den Ruhestand ging.

In der Öffentlichkeit macht sich die Late-Night-Ikone, die am kommenden Mittwoch (12. April) 70 Jahre alt wird, seitdem extrem rar - eine Klimawandel-Serie für National Geographic hier, ein Interview mit Kollegin Tina Fey für den Hollywood Reporter da, und zuletzt ein großes Interview samt Titelfoto für das New York-Magazin. „Meistens aber sitze ich auf dem Bettrand und starre auf den Boden.“

In den seltenen Interviews zeigt sich aber: Wenn Letterman einmal loslegt, ist er inzwischen kaum mehr zu bremsen. „Seit ich keine Show mehr habe, kann ich nicht mehr aufhören zu reden“, sagt der Ex-Moderator. „Ich sorge mich, dass da etwas mit meinen Hormonen passiert ist.“

Donald Trump heißt bei Letterman nur noch „Trumpy“

Besonders Trump, den er in seiner Zeit als Late-Night-Talker oft interviewt hat, lässt ihn nicht los. „Ich habe immer gedacht, wenn man New York hat, muss man einen Donald Trump haben. Er war der Witz eines reichen Typen. Wir haben ihn nicht ernst genommen. Er hat sich hingesetzt und wir haben angefangen, uns über ihn lustig zu machen. Er konnte nie was dagegen ausrichten. Er war groß und teigig, und man konnte auf ihn draufhauen. Er schien es zu genießen, die Zuschauer auch, und das war Donald Trump.“

Gemeinsam mit seinem 13-jährigen Sohn Harry nennt Letterman den Präsidenten ausschließlich „Trumpy“ - aber er hält ihn auch für gefährlich. „Ich bin es leid, dass die Menschen verwundert sind von allem, was er sagt. Wir müssen damit aufhören und uns anstelle dessen überlegen, wie wir uns vor ihm schützen können. Wir wissen, dass er verrückt ist.“ Unter anderem Comedy sei ein Mittel zum Schutz, sagt Letterman - aber selber machen oder zuschauen will er nicht mehr. Nachfolger Stephen Colbert feiert auch dank Trump-Satire gerade Quoten-Höhenflüge, aber Letterman schaltet dafür nicht ein: „Ich schaue das alles nicht. Die Wahrheit ist, dass ich so lange nicht aufbleiben kann.“

Prominente schließen sich Streeps Trump-Kritik an

„Ich bin jetzt alt und liebe Kinder“

Letterman hat in der Branche sowieso längst alles erreicht: Nach kleineren Jobs bei Radio, Fernsehen und als Comedian war er mehr als 30 Jahre lang Moderator einer Late-Night-Show, seit 1993 der „Late Show With David Letterman“ bei CBS. Er hatte alle Stars zu Gast, erfand Dutzende von heute allgegenwärtigen Show-Rubriken, gewann zahlreiche Auszeichnungen und prägte den späten Fernsehabend in den USA wie kein anderer. Auch die Oscars und die Emmys moderierte Letterman und galt immer als einer der originellsten und kreativsten Köpfe der Branche. Sein Abschied war auch ein Generationenwechsel.

Inzwischen dreht sich der Alltag des 1947 im US-Bundesstaat Indiana geborenen Letterman vor allem um seine zweite Frau und den gemeinsamen Sohn Harry. „Ich bin jetzt alt und liebe Kinder. Früher haben sie mir Angst gemacht“, sagte er dem Hollywood Reporter. „Ich wollte sie nicht, weil ich dachte, dass ich mich auf diese lächerliche Karriere konzentrieren muss, und da würden sie stören. Und jetzt sehe ich, dass das ein großer Fehler war.“

Aber auch die Schwierigkeiten des Elterndaseins sind ihm nicht verborgen geblieben. „Letztens habe ich gesagt: „Harry, manchmal habe ich das Gefühl, dass du nicht gerne mit mir irgendwo hin gehst.“ Und er hat gesagt: „Naja, deine Fähigkeiten mit Menschen umzugehen, sind schlecht. Sei einfach normal.““

dpa

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