Tegan und Sara suchen lesbische Liebe

+
Tegan Rain Quin (l.) und Sara Kiersten Quin von der der kanadischen Indie-Rockgruppe "Tegan and Sara" gaben im Mousonturm in Frankfurt/Main ihr einziges Deutschland-Konzert.

Frankfurt/Main - Deutschland hat Bill und Tom Kaulitz, Kanada Tegan and Sara: Berühmte Zwillinge. Die Indie-Schwestern sind offen lesbisch und plauderten beim Deutschland-Konzert über die Liebe.

Das Thema Homosexualität finden die Singer-Songwriter-Zwillingsschwestern inzwischen langweilig. Beim einzigen Deutschlandkonzert plauderten sie über attraktive Fans und peinliche Vorbilder.

“Bis ans Ende aller Tage“ wollen Tegan und Sara Quin nach der Liebe suchen. Und noch als Greisinnen werden die Zwillinge Liebe exzessiv diskutieren, wie sie meinen. Noch sind sie erst 29 und lassen praktisch jedes Lied ihrer nun mehr sechs Alben von Liebe handeln. Mal im weitesten Sinne, häufig über die quälenden Seiten. Und meistens sehr klug.

Die schönsten Frauen der Welt

Die schönsten Frauen der Welt

“Call It Off“ ist so ein Lied, das Tegan am Montagabend (21. Juni) beim einzigen Deutschlandkonzert der Indie-Band dem Frankfurter Publikum geradezu entgegenschreit. Sie verfasste es, als sie sich dabei ertappte, wie sie einer Verflossenen bei MySpace hinterherstalkte.

Unverkrampft

"Tegan and Sara" (so der Bandname) sind Lesben. Das sind sie zwar gern - sie hatten auch schon einen Gastauftritt in der TV-Serie “The L Word“ (eine Art “Sex And The City“ mit Lesben), wollen aber in keiner Schublade landen. “Es ist sehr von Gestern, zu glauben, dass etwas, das von Homosexuellen geschrieben wurde, nur Homosexuelle verstehen“, sagt Sara der Nachrichtenagentur dpa. Aber nach zwölf Jahren Karriere und großen Erfolgen - vor allem in Nordamerika und Australien - gebe es auch in der Berichterstattung inzwischen eine “Balance“. Sie werden nicht mehr reduziert darauf, die lesbischen Zwillinge zu sein. Sara: “Wir hatten das Gefühl, dass unsere Arbeit als Musikerinnen früher entwertet wurde.“

Zierliches, tätowiertes Doppelpack

Sara ist die acht Minuten Jüngere der beiden, sie lebt in Montréal, ihre Schwester in Vancouver, knapp 4600 Kilometer entfernt. Beide betonen zwar, dass sie auch gemeinsame Interessen haben (Bücher lesen, Vampire, Schiffe, Haare, Schuhe, Hotdogs, Yoga sowie mit älteren Leuten sprechen und mit ihnen Beziehungen eingehen), aber ansonsten - Eineiigkeit hin oder her - Individuen sind.

Sara ist die etwas weiblichere, ruhigere und sentimentalere der beiden. Ihre kurzen Haare sind etwas glatter als Tegans, und ihre Tattoos schwarz. Tegans Tattoos sind bunt und reichen bis zu den Unterarmen herunter. Wenn die beiden kleinen Frauen auf der Bühne stehen, dann wirkt Sara noch zarter und ihre Gitarre etwas zu groß. Tegan hat ein Kinn-Piercing, ihr Haar ist noch ein bisschen asymmetrischer und wilder.

Stil-Ikonen und ihr Publikum

Unter den rund 900 Fans in der seit Wochen ausverkauften Frankfurter Spielstätte Mousonturm tummeln sich am Montagabend zig stylishe, junge Lesben, die als Look-alikes (Doppelgänger) ihrer Idole daherkommen. Die Zwei sind Stil-Ikonen bei vielen Lesben. Tegan meint: “Ich denke, wir haben ein sehr attraktives Publikum, jeder sieht sehr cool aus, ich gucke manchmal und denke: So eine Jacke will ich auch. Wir beeinflussen unser Publikum, aber unser Publikum beeinflusst auch uns.“

Ihre Anhänger hegen und pflegen die beiden, die seit dem Jahr 2000 fast ununterbrochen touren und nie eine Radio-Band waren, vor allem über das Internet: Sie schreiben zum Beispiel Tour-Blogs, sind auf Facebook, MySpace und bei Twitter aktiv. In den Tagen vor der Station in Frankfurt holte Tegan via Twitter zunächst Ausgeh-Tipps ein. Nach dem Konzert schrieb sie: “Danke Frankfurt! You were amazing tonight! The cheering, the clapping, the singing! WE HAD SO MUCH FUN!!!!!“

Entdeckt von Neil Young

Entdeckt wurden Tegan and Sara, die beide singen, Keyboard und Gitarre spielen, von keinem Geringeren als Neil Young und seinem Manager. Ihr Musikstil ist ein Mix aus Indie, Pop, Rock, Alternative und Electronic. Die frühen Werke klingen oft akustisch, fast folkig. Die letzten Alben “The Con“ und nun “Saithood“ sind härter und elektronischer. Die Keyboard-Einflüsse haben sie sich bei Vorbildern wie David Bowie oder den Smashing Pumpkins abgeguckt, wie Sara sagt.

Eine Glatze wie Phil Collins

Den Charme ihrer Auftritte macht auch aus, dass sie minutenlang einfach nur irgendetwas daherreden - meist sehr unterhaltsam. Sara berichtete am Montagabend, dass sie als Kind nie eine politische Sängerin werden wollte und auch nicht so coole Vorbilder wie David Bowie gehabt habe: “Ich wollte ein Popstar sein: Ich wollte Phil Collins sein. Ich wollte so tanzen wie er und so eine Glatze wie er.“

Von Inga Radel, dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare