Prinz schleicht durch den Gefangeneneingang

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Ernst August Prinz von Hannover (li.) steht mit seinem Frankfurter Anwalt Hans Wolfgang Euler im Verhandlungssaal des Landgerichts in Hildesheim.

Hildesheim - Ja, er hatte einem Diskobesitzer eine Ohrfeige verpasst. Das räumte Prinz Ernst August vor Gericht ein. Einen Schlagring habe er aber nicht benutzt. Gleichzeitig ging der Chef des Welfenhauses (verbal) auf seinen ehemaligen Verteidiger los.

Die Meute lauert. Vor dem Landgericht Hildesheim drängeln sich am Montag Journalisten, Fotografen und Kameraleute, sie warten auf die Ankunft von Ernst August Prinz von Hannover. Stattdessen kommt zuerst ein Doppelgänger des Prinzen, gibt Interviews und sorgt für ein wenig Aufregung. Der echte Adlige betritt das Gericht durch den Gefangeneneingang 15 Minuten vor Sitzungsbeginn. Im dunkelblauen Anzug mit gemustertem Seidentuch in der Brusttasche lässt der Chef des Welfenhauses das enorme Blitzlichtgewitter der Fotografen höflich über sich ergehen.

Prinz Ernst August von Hannover hat in der Neuauflage seines Körperverletzungsprozesses schwere Vorwürfe gegen seinen ehemaligen Verteidiger erhoben. Der Chef des Welfenhauses gab am Montag vor dem Landgericht Hildesheim zwar zu, im Januar 2000 in Kenia einem Diskobesitzer “links und rechts eine symbolische Ohrfeige gegeben“ zu haben.

Seine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung führte er aber auf ein gegen seinen Willen abgegebenes Geständnis zurück, das sein Anwalt erfunden habe. “Tatsächlich bin ich von meinem früheren Verteidiger regelrecht hintergangen worden“, ließ der Prinz über seinen heutigen Anwalt zu dem Geständnis erklären, das sein früherer Verteidiger vor dem Landgericht Hannover abgegeben hatte.

Der 55-jährige Adelige erschien erstmals persönlich als Angeklagter vor Gericht. Ein falsches Geständnis sei für ihn nie infrage gekommen, betonte der Prinz. Dessen damaliger Verteidiger Jochen Heidemeier hatte 2004 vor dem Landgericht Hannover erklärt, Ernst August habe alkoholisiert und erregt auf den Diskobesitzer eingeschlagen und ihm sei dabei möglicherweise ein Gegenstand in die Hand gedrückt worden. Wegen des zugegebenen Angriffs mit einem Gegenstand hatte das Landgericht Hannover den Adeligen 2004 zu einer Geldstrafe von 445.000 Euro verurteilt. Dieser setzte die Wiederaufnahme des Verfahrens durch.

Kein Schlagring und kein Gegenstand

In der Neuauflage des Prozesses in Hildesheim betonte Ernst August nun, dass er bei den Ohrfeigen für den Diskobesitzer und Hotelier Josef Brunlehner “weder einen Schlagring noch einen anderen Gegenstand in der Hand“ gehabt habe. Auch einen Ring trage er nicht. Mit Blick auf die Belästigung, die die Disko für die Umgebung bedeutet habe, habe er bei den symbolischen Ohrfeigen “One for the music and one for the light“ gerufen.

Ernst August hatte bereits am 25. Januar 2000 in ganzseitigen Anzeigen in der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und zwei kenianischen Zeitungen erklärten lasse: “Wenn der Prinz in eine Auseinandersetzung mit einem seiner Landsleute auf Lamu verwickelt war, dass ist es unrichtig, dass er von Verbrechern begleitet wurde und dass er auf irgendeine Weise bewaffnet war.“

Die fast einstündige Einlassung des Prinzen zu dem Vorfall im Januar 2000 auf der kenianischen Ferieninsel Lamu wurde von dessen heutigem Anwalt Hans Wolfgang Euler vorgetragen. Ernst August von Hannover bestätigte die Erklärung, beantwortete selbst aber keine Fragen des Gerichts.

Die Neuauflage des Prozesses hatte der 55-jährige Adelige mit einem Wiederaufnahmeverfahren durchgesetzt, in dem das vorherige Urteil des Landgerichts Hannover aufgehoben wurde.

Der Angeklagte muss in dem Prozess erneut nicht persönlich vor Gericht erscheinen, weil das gesamte Strafverfahren ursprünglich mit Widersprüchen gegen Strafbefehle begonnen hatte. Auch an dem auf insgesamt elf Tage angesetzten Prozess vor dem Landgericht Hildesheim will er nach Angaben von Anwalt Euler an den weiteren Tagen nicht teilnehmen.

AP

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