Abschied vom "größten Star auf Erden"

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“Michael war der größte Star auf Erden“, sagte Hip-Hop-Diva Queen Latifah.

Los Angeles - Millionen Fans rund um den Globus haben von Popstar Michael Jackson Abschied genommen.

Bei einer bewegenden Trauerfeier, die von Fernsehsendern weltweit übertragen wurde, verneigten sich Weltstars am Dienstag in Los Angeles in Achtung , Liebe und Respekt vor dem “King of Pop“ - ungeachtet aller Spekulationen, die sich um das Leben und den Tod der Pop-Legende ranken. Die Familie hatte zuvor in aller Stille dem Sänger ein letztes Goodbye gesagt. Die Zeremonie galt schon vorab als eines der größten Ereignisse der Fernsehgeschichte.

“Michael war der größte Star auf Erden“, sagte Hip-Hop-Diva Queen Latifah unter lautem Jubel im Staples Center . Der über und über mit roten Rosen bedeckte Goldsarg stand während der mehrstündigen Feier vor der in blaues Licht getauchten Bühne, umrahmt von einem Blumenmeer.

Zum Abschluss der zweieinhalbstündigen Veranstaltung kamen in einem ergreifenden Augenblick auch Jacksons Kinder Prince (12), Paris (11) und Blanket (7) auf die Bühne, die er zeitlebens vom Scheinwerferlicht ferngehalten hatte. “Daddy war der beste Vater, den man sich vorstellen kann. Ich wollte nur sagen, dass ich ihn so sehr liebe“, sagte die kleine Paris, brach in lautes Schluchzen aus und flüchtete sich in die Arme ihrer Tante Janet Jackson. Wo der legendäre Sänger beerdigt wird, war am Dienstag noch nicht klar.

Für die rund 20 000 Gäste war die Trauerfeier eine Achterbahn der Gefühle. Die Redner erinnerten mit ebenso lustigen wie anrührenden Geschichten an ihre gemeinsame Vergangenheit mit dem “King of Pop“. Mariah Carey und ihr Kollege Trey Lorenz sangen den Hit “I'll Be There“, mit dem Jackson gemeinsam mit seinen Brüdern als Jackson Five seine beispiellose Karriere begonnen hatte. Sein Bruder Jermaine widmete ihm sichtbar bewegt Charlie Chaplins Trostlied “Smile“. Der blinde Sänger und Jackson-Freund Stevie Wonder sagte: “Das ist ein Augenblick, von dem ich mir gewünscht hätte, dass er nie kommt.“

Als Oscarpreisträgerin Jennifer Hudson den Michael-Jackson-Song “Will You Be There“ vortrug und am Schluss Original-Teile des Lieds mit Jacksons Stimme eingespielt wurden, kämpften zahlreiche Zuschauer um Fassung. Den Tränen nahe war auch US-Schauspielerin Brooke Shields. Michael Jackson habe sie in ihrer langjährigen Freundschaft immer wieder an die Geschichte vom Kleinen Prinzen erinnert, sagte Shields.

Zum Auftakt der Veranstaltung hatte US-Sänger Smokey Robinson Abschiedsgrüße von Soul-Diva Diana Ross und dem südafrikanischen Anti-Apartheidkämpfer und ehemaligem Präsidenten Nelson Mandela verlesen. “Michael war ein Gigant und eine Legende im Musikgeschäft“, ließ Mandela übermitteln, “meine Frau und ich trauern mit Millionen Menschen in der Welt.“ Von Diana Ross hieß es: “Michael war meine Liebe - ein wunderbarer Teil meines Lebens.“

Die Ränge im Staples Center hatten sich schon lange vor Beginn der Veranstaltung gefüllt. Jacksons Familie und Freunde saßen in den ersten Reihen. Über der Bühne prangte zeitweise ein Bild des “King of Pop“ mit der Aufschrift “In Loving Memory“ (In liebevollem Gedenken). Weitere Gäste waren Basketballstar Kobe Bryant, Motown-Gründer Berry Gordy sowie Martin Luther King III , der Sohn des ermordeten gleichnamigen US-Bürgerrechtlers.

Elizabeth Taylor nahm nicht an der Trauerfeier teil

Jacksons langjährige Vertraute Elizabeth Taylor nahm an der Veranstaltung nicht teil. “Ich bin gebeten worden, im Staples Center zu sprechen. Ich kann nicht Teil dieses öffentlichen Traras sein“, schrieb sie im Kurzmitteilungsdienst Twitter. “Ich liebe ihn zu sehr.“

Die Sender rechneten mit mehreren hundert Millionen Zuschauern. Auch einige deutsche Fernsehsender hatten für den “King of Pop“ ihr Programm umgestellt, weltweit wurde die Trauerfeier zudem live im Internet übertragen. Dutzende Kinos in den USA luden zu einem Public Viewing ein. In Deutschland konnten Fans unter anderem in der Berliner Arena O2 World das Ereignis verfolgen.

An der privaten Trauerfeier auf einem Prominentenfriedhof in den Hügeln Hollywoods zwei Stunden vor der großen Feier hatten nur die engsten Angehörigen und geladene Gäste teilgenommen. Medien waren nicht zugelassen. Auf dem Forest Lawn Friedhof ist neben vielen Hollywood-Größen auch Jacksons Großmutter beerdigt.

Im Anschluss wurde der Sarg in einem Leichenwagen zur etwa 15 Kilometer entfernten Veranstaltungsarena im Zentrum von Los Angeles gebracht. Der Konvoi wurde von einer Sonderkommission der Polizei begleitet und von Hubschraubern aus der Luft verfolgt. Die Stadtautobahn war für den Transport komplett gesperrt - erstmals in der Stadtgeschichte, wie es hieß.

Zur offiziellen Trauerfeier waren nur 17 500 Fans zugelassen, die ihre Tickets per Lotterie bekommen hatten. 11 000 durften in das Staples Center, die anderen 6500 sollten die Feier auf Video-Leinwänden in einem gegenüberliegenden Theater verfolgen. 9000 Karten hatte die Jackson-Familie für geladene Gäste reserviert. In Berlin versammelten sich mehrere tausend Menschen in der Halle O2 World, um der Trauerfeier zu folgen. Auch andernorts fanden öffentlich aufgebaute Leinwände großen Zuspruch.

In Los Angeles sperrte die Polizei das Gelände um die beiden Veranstaltungsorte seit Mitternacht großräumig ab. Damit sollten Fans ohne Eintrittskarten ferngehalten werden. Die Rechnung ging offenbar auf: Statt des befürchteten Ansturms von bis zu einer Million Besuchern fanden sich nach Angaben des TV-Senders Fox nur etwa 50 000 Fans rund um die Absperrungen ein. Das Hotel- und Gaststättengewerbe erwartete ein Einnahmeplus von mindestens vier Millionen Dollar.

Unzählige Fans machten die Stadt schon am Vorabend zur großen Abschiedsbühne für ihr Idol, viele waren noch bis zur letzten Sekunde verzweifelt auf der Suche nach Karten. Laut “New York Post“ wurden die Tickets auf dem Schwarzmarkt für bis zu 25 000 Dollar (17 800 Euro) angeboten. Dennoch berichteten Augenzeugen von einer “heiteren und positiven Stimmung“.

Die Kosten von zwei bis vier Millionen Dollar für den Sicherheits- und Organisationsaufwand rund um das Mammutspektakel muss aller Voraussicht nach die ohnedies mit der Wirtschaftskrise kämpfende Stadt Los Angeles tragen. Die Stadtspitze bat im Internet die Fans um finanzielle Unterstützung. Jacksons Familie hat sich nach Angaben der amtierenden Bürgermeisterin Jan Perry bisher nicht beteiligt.

dpa

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