Astronaut Matthias Maurer

Er ist unser neuer Mann im All

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ESA-Astronaut Matthias Maurer.

Darmstadt - Im aktiven Astronautenteam der europäischen Raumfahrtagentur Esa gibt es neben Alexander Gerst nun einen zweiten Deutschen. Der muss auf seinen Trip ins All aber noch etwas warten.

Geduldig beantwortet Matthias Maurer zwei Stunden lang Frage um Frage, doch die entscheidende bleibt unbeantwortet: Wann fliegt Deutschlands neuer Astronaut ins All? Im Kontrollzentrum der Europäischen Weltraumagentur ESA in Darmstadt stellt sich der 46-Jährige am Donnerstag erstmals der Öffentlichkeit vor. Seine Ausbildung läuft bereits, aber eine konkrete Mission für ihn steht noch längst nicht fest.

"Es ist ein unglaubliches Gefühl", beschreibt Maurer seine Berufung zum ESA-Astronauten, die in Darmstadt mit viel Prominenz gefeiert wird. Zur Präsentation kommen unter anderem Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) und ESA-Generaldirektor Jan Wörner. Zypries wünscht Maurer dabei schon einmal, dass er "gesund wieder auf die Erde" komme, wenn es ins All fliege.

Maurer muss sich noch gedulden

Doch wann es soweit ist und wo es hingeht, ist noch völlig unklar. Momentan bereitet Maurer sich intensiv im europäischen Astronautenzentrum in Köln auf einen Einsatz vor. Dort schließt er in diesem Jahr seine Grundausbildung ab. Auf Fragen zu seiner Zukunft danach äußert er sich zurückhaltend.

Einen Flug zur Internationalen Raumstation ISS bezeichnet Maurer als "realistisches Ziel", verweist aber auch darauf, dass bis 2019 alle Flüge besetzt seien. Doch Maurer macht auch keinen Hehl aus seinen Träumen: "Für den Mond könnte ich mich wirklich sehr begeistern", sagt er.

ESA-Generaldirektor Wörner hält sich ebenfalls bedeckt. Er hoffe, dass auf den "Status" des Astronauten auch bald ein Start folge. Wörner nutzt seinen Auftritt zugleich zu einem Plädoyer für europäische Zusammenarbeit: Maurer sei "ein europäischer Astronaut mit deutschem Akzent", die ESA erzeuge "europäischen Geist". Der neue ESA-Astronaut selbst lobt die Weltraumagentur als Beispiel dafür, welche Erfolge in Europa möglich seien, "wenn wir zusammenarbeiten".

Aus dem Saarland ins All

Sein Interesse für den Weltraum stamme schon aus der Kindheit, erzählte Maurer. „Der Traum, Astronaut zu werden, ist für mich aber ein Traum als Erwachsener.“ Ihn würden Wissenschaft und Technologie sowie „die Arbeit in einem internationalen Team“ faszinieren. Die europäische Raumfahrtagentur sei dafür ein gutes Modell. „Die Esa ist ein Vorzeigebeispiel, was wir in Europa erzielen können, wenn wir zusammenarbeiten. Mir ist der europäische Gedanke ganz wichtig.“

Aus seiner saarländischen Heimat zog es Maurer schon früh in die Welt. Er studierte zwar im Saarland Materialwissenschaft und Werkstofftechnik, aber auch in Großbritannien, Frankreich und Spanien. Nach seiner Promotion in Aachen schob er zunächst eine Weltreise ein, bevor er als Projektingenieur in einem medizintechnischen Unternehmen begann.

Im Jahr 2008 bewarb er sich schließlich für das ESA-Astronautenprogramm. Das Weltall habe ihn zwar schon als Kind fasziniert, aber der Wunsch, Astronaut zu werden, sei ein "Erwachsenentraum", erzählt Maurer in Darmstadt. Bei seiner Bewerbung damals habe er schließlich gewusst, dass dies genau das sei, was er wolle: "Wissenschaft, Technologie, internationale Teamarbeit und eine ordentliche Prise Abenteuer."

8000 Bewerber ausgeboten

Mehr als 8000 Bewerber konkurrierten 2008 um die Aufnahme in das Astronautenprogramm. Maurer schaffte es unter die zehn Besten, die alle Auswahlprüfungen bestanden. Doch im Astronautenkorps gab es zunächst keinen Platz für ihn. Dennoch heuerte Maurer 2010 bei der ESA an. Er bekleidete verschiedene Positionen und hofft nun, bald seinen großen Traum verwirklichen zu können.

Für die Bundesregierung koordiniert die neue Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) die Luft- und Raumfahrt. In Deutschland spiele die Raumfahrt eine wichtige Rolle, mit etwa 8500 Beschäftigten und rund 2,5 Milliarden Euro Umsatz im Jahr, sagte sie. Die Bundesregierung gebe 2017 fast 1,5 Milliarden Euro für diesen Sektor aus.

„Als Teil des europäischen Astronautenteams wird Matthias Maurer die Wissenschaft und Forschung weiter voranbringen“, teilte Zypries mit. „Er kann mit seiner Arbeit junge Menschen für hochkomplexe Technik begeistern. Denn Raumfahrttechnologien bilden oft die Basis für ganz konkrete Anwendungen in unserem Alltag.“ Zypries bedauerte, dass im Astronauten-Korps der Esa keine Frau aus Deutschland ist. Eine deutsche Astronautin war bislang noch nicht im Weltraum.

Auf den Spuren von Gerst

Zuletzt sorgte in Deutschland der Astronaut Alexander Gerst mit seinem Einsatz auf der ISS für viel Aufsehen. Im kommenden Jahr soll er erneut zur ISS fliegen und dabei zeitweise als erster Deutscher Kommandant der Station werden.

Gersts öffentliche Auftritte oder seine Nachrichten im Kurzbotschaftendienst Twitter machten den Astronauten in Deutschland extrem populär, zum anerkannten Botschafter für die Raumfahrt. Auf Twitter folgen @Astro_Alex fast eine halbe Million Menschen, Maurer unter dem Namen @Explornaut momentan erst rund 1500.

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afp/dpa/Video: snacktv

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