"Ich war ein Tiger" - Roy Horn wird 65

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Siegfried und Roy

New York - Dass Roy Horn überhaupt noch einen Geburtstag feiern kann, ist schlichtweg ein Wunder: Vor sechs Jahren hatte das Herz des deutschen Magiers schon aufgehört zu schlagen.

Sein weißer Tiger Montecore hatte ihn während der Show von “Siegfried & Roy“ auf offener Bühne lebensgefährlich verletzt. Roy Horn wurde durch eine Notoperation gerettet, kurz darauf aber durch einen Schlaganfall teilweise gelähmt. Heute kann er wieder gehen - wenn auch schleppend und auf einen Stock gestützt. Am Samstag (3. Oktober) feiert er seinen 65. Geburtstag.

Montecore hätte seinen Besitzer beinahe getötet, der riesige Königstiger lebt jedoch weiterhin im Zoogehege “Secret Garden“ des Las Vegas-Hotels Mirage. Horn besucht ihn dort regelmäßig - ebenso wie die anderen gefährlichen Raubkatzen, mit denen das Duo jahrzehntelang ein Millionenpublikum in Atem hielt. Viele davon hat Roy aufgezogen, fühlt sich ihnen auf eine fast mystische Weise verbunden: “In meinem früheren Leben war ich ein Tiger. Die Tiger halten mich für einen Artgenossen. Ich sehe bloß ein bisschen seltsam aus“, hat er einmal gesagt. Oft verständigte er sich mit seinen Schützlingen durch Katzengeräusche.

Schon als Kind stand der 1944 in Nordenham bei Bremen geborene Uwe Ludwig Horn mit großen Augen an den Gitterkäfigen des Bremer Zoos. Aus zerrütteten Familienverhältnissen flüchtete er sich in eine Tier-Traumwelt. Sein bester Freund wurde ein Gepard namens “Chico“. Ihn schmuggelte er auf ein Kreuzfahrtschiff, wo er als Steward angeheuert hatte.

An Bord traf er den aus Rosenheim stammenden Schiffszauberer Siegfried Fischbacher. Ob er statt Kaninchen auch Geparden verschwinden lassen könne, fragte ihn Horn - und zeigt ihm in seiner Kajüte “Chico“. Fischbacher war von der Idee fasziniert. Am nächsten Abend zog er statt eines Langohren einen echte Raubkatze aus dem Hut. Er bekam eine Gehaltserhöhung und ernannte Roy zu seinem Assistenten.

Zusammen tingelten sie mit Zauber- und Tiertricks durch kleinere Theater, bis ihnen in den 60er Jahren in Monaco der internationale Durchbruch gelang. 1970 zogen sie nach Las Vegas, wo sie schnell Rekorde aufstellten. 1987 handelten sie mit dem Mirage-Hotel den bis dahin teuersten Millionen-Deal in der Geschichte des Showbusiness aus. Mit einem explosiven Mix aus Zauberei und exotischen Tieren, darunter seltene weiße Tiger, hielt das Duo von 1990 an jährlich über 700 000 Fans in Atmen. “Siegfried & Roy“ - lange Jahre auch privat ein Paar - wurden als “Meister des Unmöglichen“ gefeiert.

Auf der Bühne in Las Vegas wird Horn jedoch zusammen mit seinem langjährigen Partner Siegfried Fischbacher (70) wahrscheinlich nie wieder stehen. Ihre Abschiedsvorstellung hatten sie Ende Februar - zusammen mit Montecore für zehn Minuten. Das Hotel Mirage zeigt jetzt die Beatles-Show von Cirque du Soleil. Wenn es beide sentimental macht, lassen sie sich das nicht anmerken. Freiwillig hätten sie auf keinen Fall abtreten wollen. “Wir haben 45 wundervolle Jahre zusammen verbracht, 40 davon in Las Vegas und ich glaube nicht, dass wir jemals in Ruhestand gegangen wären“, sagte Fischbacher der “Las Vegas Sun“ und Horn fügt hinzu: “Wenn man einmal im Showbusiness ist, bleibt man für immer im Showbusiness.“

dpa

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