Blair-Memoiren: Verkaufshit vor Veröffentlichung

London - Der ehemalige britische Premierminister Tony Blair hat seine mit Spannung erwarteten Memoiren veröffentlicht. Er spricht darin über die Queen, Bush und seinen Nachfolger Brown.

In dem Werk verteidigt er noch einmal die wohl umstrittenste Entscheidung seiner Amtszeit, den Krieg im Irak: “Auf der Grundlage dessen, was wir jetzt wissen, glaube ich immer noch, dass es ein größeres Risiko für unsere Sicherheit gewesen wäre, Saddam (Hussein) an der Macht zu lassen, als ihn zu stürzen“, schreibt der frühere britische Regierungschef.

Zugleich drückt Blair sein tiefes Bedauern über den Tod zahlreicher Soldaten und Zivilpersonen aus. Er habe viele Tränen um die Toten vergossen. Die Entscheidung für den Krieg selbst könne er aber nicht bedauern.

Die deutsche Ausgabe von Tony Blairs Memoiren soll in einer Woche erscheinen.

Innenpolitisch reißt Blair in seinem Buch alte Wunden auf. Seinen innerparteilichen Rivalen und Nachfolger Gordon Brown bezeichnet er als schwierig und unerträglich. “Politisches Kalkül, ja. Politisches Gefühl, nein. Analytische Intelligenz, absolut. Emotionale Intelligenz, null.“ Blair trat im Juni 2007 zurück, seine zu Beginn seiner Amtszeit hohe Popularität war zu diesem Zeitpunkt auf einem Tiefpunkt angelangt. Sein Nachfolger Brown und die Labour-Partei verloren die Parlamentswahl im vergangenen Mai, und Blair lässt in seinen Memoiren kaum ein gutes Haar an Browns Amtsführung.

“Man kann jetzt leicht sagen, angesichts seiner Amtszeit, dass ich das hätte stoppen sollen, damals wäre das aber praktisch unmöglich gewesen.“ Über den früheren US-Präsidenten George W. Bush äußert sich Blair positiver. Er beschreibt ihn als intelligent, als “wahren Idealisten“ und als Mann von Integrität.

Auf persönlicher Ebene berichtet Blair von seinem Verhältnis zum Alkohol. Er habe “einen Whisky oder einen Gin-Tonic vor dem Abendessen“ getrunken, “dann ein oder zwei Gläser Wein“. Er habe zwar geglaubt, er habe die Kontrolle über seinen Alkoholkonsum, aber ihm sei auch klargewesen, dass die Drinks dabei seien, ihm eine Stütze zu werden. Über die Zeit nach dem Unfalltod von Prinzessin Diana schreibt Blair, er habe Königin Elizabeth II. damals gedrängt, eine öffentliche Erklärung abzugeben. Und er habe befürchtet, dass sie ihn deswegen für anmaßend halte. Er selbst habe sie für “etwas hochmütig“ gehalten.

Schon vor Verkaufsstart ein Bestseller

Bereits vor dem Verkaufsstart der Autobiografie “A Journey“ (“Mein Weg“) verzeichneten die Händler ein enormes Interesse: Auf der britischen Seite des Online-Versandhauses Amazon rangiert das vom Verlag Random House als offene Beschreibung des Lebens an der Spitze der Macht angekündigte Buch schon seit Tagen unter den Top Ten. Blair selbst, der sich am Tag der Veröffentlichung in seiner Rolle als internationaler Nahost-Vermittler zu den Friedensgesprächen in Washington aufhielt, hat erklärt, er wolle die menschlichen ebenso wie die politischen Dimensionen des Lebens als Regierungschef beschreiben.

Für das Buch erhielt der 57-Jährige dem Vernehmen nach ein Honorar in Höhe von 4,6 Millionen Pfund (5,6 Millionen Euro). Die Einnahmen will er einer Wohltätigkeitsorganisation spenden, die sich um verwundete Kriegsveteranen kümmert. “A Journey“ soll in zwölf Ländern erscheinen, die deutsche Ausgabe kommt am 8. September in den Handel. Neben der gedruckten Version wird ein E-Book sowie ein von Blair selbst gesprochenes Hörbuch verkauft.

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