Schäfer Achim Roloff aus Sandbeiendorf setzt auf Herdenschutzhunde: „Seit dem ist Ruhe“

Angst vor Wölfen: „Zäune schützen die Herden nicht“

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Achim Roloff mit einem geliehenen Herdenschutzhund. Der Hund stammt wurde ursprünglich in den französischen Pyrenäen gezüchtet. Er schützt mit seinem lauten und tiefen Bellen die Schafsherden vor Wolfsangriffen. Viele Lämmchen werden derzeit geboren.

Sandbeiendorf. Über 20 Schafe hat Schäfer Achim Roloff an Isegrim schon verloren. Ersetzt bekommt er nur rund 150 Euro, den Zeitwert eines Mutterschafes plus 20 Euro für einen ungeborenen Embryo.

Die finanziellen Ausfälle, die er durch den Tod des Tieres zukünftig verliert, werden nicht übernommen. „Ich muss jetzt einen Antrag auf Entschädigung stellen. Dafür brauche ich das Gerichtsgutachten und die Rechnungen vom Tierarzt und vom Abdecker“, erklärt Vater Joachim Roloff, der seinen Sohn Achim in allem tatkräftig unterstützt.

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Um seine fünf Herden vor den Wölfen, die aus der Colbitz-Letztlinger-Heide auf der Suche nach Beute in das Tangergebiet kommen, zu schützen, hat Roloff durch den Schäferkollegen Frank Neumann aus der Lausitz drei Pyrenäenberghunde, ein Alttier und zwei fünf Monate alte Welpen, als Notversorgung gestellt bekommen. Die schützen eine Herde. Eine andere Herde mit Muttertieren und rund 60 Lämmern werden wieder von einem Alttier und zwei neun Monate alte Welpen geschützt. „Die habe ich gestern Abend von einem Schäfer aus Jüterbog geholt“, erklärt Roloff Junior. Noch sind die Hunde von den Schafen durch einen Zaun getrennt, damit sich die Tiere aneinander gewöhnen, danach werden Hunde und Schafe gemeinsam auf der Weide sein. Somit werden zwei seiner Herden durch die Pyrenäenberghunde geschützt. Die anderen Drei sind noch ungeschützt und genau auf einer dieser ungeschützten Weiden, kam es vor wenigen Tagen wieder zu einem Wolfsangriff, dem vier Schafe zum Opfer fielen (AZ berichtete).

„Die Welpen brauchen knapp anderthalb Jahre bis sie eine Schafherde vollends vor einem Wolfsangriff schützen können“, erklärt Achim Roloff. Ein ausgewachsener und ausgebildeter Herdenschutzhund, der Tag und Nacht bei der Herde bleibt und diese dann als sein Rudel ansieht, würde ihn 4  600 Euro kosten. Welpen geben Züchter ab 1  200 Euro ab.

Die variablen Netzzäune, die zwar schnell auf- und abgebaut werden können und immer unter Strom stehen, sind nicht sicher. „Weder die 90 Zentimeter noch die 1,45 Meter hohen Zäune nützen etwas, wenn die Wölfe sie überspringen“, sagt Joachim Roloff wütend.

Das Umweltministerium Sachsen-Anhalt lenkt langsam ein. Detlef Thiel vom Umweltministerium sagte in einem Fernseh-Interview, dass Schäfer wie Achim Roloff eine Förderung von 2000 Euro pro Hund bekommen könnten. Während die Anschaffung von Herdenschutzhunden in Sachsen, Thüringen, Brandenburg und Niedersachsen schon gefördert wird, könnte es hier noch bis zu einem Jahr dauern, bis entsprechende Förderrichtlinien auf den Weg gebracht sind. Den Roloffs dauert das alles zu lange, denn sie bräuchten, da die Bedrohung durch die Wölfe jetzt akut ist, zwei Hunde pro Herde. Ohne diese Herdenschutzhunde ist für sie eine Haltung von Schafen fast nicht mehr möglich, denn die verbellen die Wölfe. „Seit dem die Hunde da sind haben wir jetzt erst einmal Ruhe“, sagt Joachim Roloff. Derzeit fahren Vater und Sohn drei bis viermal am Tag ihre Herden ab und schauen, ob auch alles in Ordnung ist.

Von Maren Maatz

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