Prozessauftakt nach Tankstellen- und Discounterüberfall in Tangermünde

19-Jähriger in Stendal vor Gericht: „Will nicht noch mal auf diesen Pfad“

Rechtsanwalt Hartmut Pawlitzki spricht mit seinem Mandanten G., der von Mitarbeitern der Justiz in den Gerichtssaal geführt wurde.
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Rechtsanwalt Hartmut Pawlitzki spricht mit seinem Mandanten G., der von Mitarbeitern der Justiz in den Gerichtssaal geführt wurde.
  • Stefan Hartmann
    vonStefan Hartmann
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Unter anderem wegen Schweren Raubes muss sich der erst 19-jährige G. aus Tangermünde vor der Jugendkammer des Stendaler Landgerichts verantworten.

Stendal / Tangermünde – Er wird beschuldigt, am 8. Juli zunächst eine Tankstelle und kurz darauf einen Discounter überfallen zu haben. Dabei soll er jeweils ähnlich vorgegangen sein: Mit einer Machete und einer Softairwaffe soll er Verkäufer beziehungsweise Kassierer bedroht und so die Herausgabe von Bargeld erzwungen haben.

In der Tankstelle wurde außerdem eine größere Menge Zigaretten erbeutet. Während er in der Tankstelle mit der Softairwaffe auf die Verkäuferin zielte, soll er der Kassiererin im Discounter die Machete an den Hals gehalten haben.

Die Zahl der Anschuldigungen und Anklagen, die am Montag vor der Jugendkammer geäußert wurden, war damit noch nicht vorbei. Am 5. Mai soll er eine Mitarbeiterin eines anderen Discounters beleidigt und ins Gesicht geschlagen haben. Bereits vor einigen Jahren habe er außerdem gemeinsam mit seiner damaligen Freundin im Laufe eines Tages mehrere Kleindiebstähle unter anderem in einer örtlichen Drogerie und einem Baumarkt verübt haben.

Angeklagter geht mit Machete und Softairwaffe auf Raubzug

Nach der verlesenen Erklärung seines Verteidigers Rechtsanwalt Hartmut Pawlitzki habe der Beschuldigte G. sich nicht anders zu helfen gewusst: Er hat rund 7000 Euro Schulden, unter anderem bei seiner Großmutter, deren EC-Karte er unbefugt benutzt hat. Seit einiger Zeit besteht eine Vereinbarung, um seine Schulden zurückzahlen zu können. Da er jedoch vom Jobcenter sanktioniert ist, habe ihm Geld gefehlt, um seinen Verpflichtungen nachzukommen. „Es war wie eine Kurzschlusshandlung“, berichtet G. zum 8. Juli. Er habe sich zunächst „kräftig berauscht“ und dann spontan die Machete und eine Softairwaffe eingepackt, um sich dann auf den Weg zu seinem Raubzug zu machen. Mit dem Geld habe er seine Schulden bezahlen wollen. Die Zigaretten habe er zum Weiterverkauf erbeutet.

Dass er jetzt vor Gericht steht und mit einer Bestrafung rechnen müsse, sehe der Beschuldigte auch als Chance: „Ich will nicht noch mal auf diesen Pfad kommen“, erklärte er vor Gericht. Seit er am Tag der Tat festgenommen wurde, sitzt er in Untersuchungshaft in der Jugendanstalt Raßnitz und hatte Zeit nachzudenken. Mit seinen Handlungen habe er die Menschen psychisch verletzt und könne sein Kind jetzt nicht mehr sehen. Selbst wenn er damals mit seinem Raub davongekommen wäre, säße er jetzt vermutlich, erneut ohne Geld, auf der Straße. Die Zeit in der Haftanstalt wolle er nutzen, um sich fortzubilden und gegebenenfalls auch einmal eine Ausbildung machen zu können.

Unklarheiten gab es unter anderem bei der Frage, wie der Beschuldigte kurz vor seiner Festnahme zu Fall gekommen war. Im Polizeibericht war zu lesen, dass der Funkwagen, bei dem Versuch dem auf dem Fahrrad Flüchtenden den Weg abzuschneiden, dessen Hinterrad touchiert habe. Dies korrigierten die beiden Polizisten, die mit diesem unterwegs waren. Sie hätten in eine Einfahrt einbiegen wollen, um sich vor dem Tatverdächtigen zu platzieren. In dieser Folge sei er mit dem vorderen rechten Kotflügel des Fahrzeugs zusammengestoßen und zu Fall gekommen. Er sei daraufhin kurz bewusstlos gewesen oder habe zumindest nicht auf sie reagiert. Eindeutig feststellen, ob die Bewusstlosigkeit nur vorgetäuscht war, konnten sie nicht. Die Mannschaft des angeforderten Rettungswagens habe jedoch keine schwerwiegenden Verletzungen festgestellt.

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