Erst der zweite Helfer holt Juliette Böhm auf dem Autowrack

Bei Unfall im Stich gelassen

+
Zu hohen Strafen kann es bei Unterlassener Hilfeleistung im Straßenverkehr kommen. In vielen Fällen fahren Menschen nach einem Unfall (Symbolbild) einfach weiter, ohne sich um mögliche Verletzte zu kümmern.

Weißewarte. Plötzlich war das Reh auf die Straße gelaufen. Juliette Böhm hatte das Steuer rumgerissen, morgens um 4. 55 Uhr zwischen Tangerhütte und Weißewarte.

Ihr kleiner Wagen geriet ihr außer Kontrolle, sie raste in den rechten Graben, das Auto kippte um, kam halb auf dem Dach zu liegen, die Fahrerseite im Dreck. Sie hing halb über Kopf im Gurt, im Auto hing Rauch der Airbags. Sie, die 28-jährige Birkholzerin, brauchte Hilfe, stand unter Schock. Und erst der zweite Mensch, der zur Unfallstelle kam, würde ihr helfen.

Schon vor Nick Hallmann war ein Mann vor Ort. Der hat sich aber nicht weiter um die junge Frau gekümmert.

Denn der erste zog wieder schnell von dannen. Wenige Minuten nach dem Unfall hörte sie den haltenden Wagen, dann eine Stimme: Hallo? Sie: Ja? Die Stimme: Alles okay? Sie, im Schock in völliger Untertreibung der Tatsachen: Ja! Und dann – nichts. Der Mann, anhand der Stimme schätzt sie ihn auf 40 bis 50, war wieder weitergefahren. Sie hing weiter im Gurt. Wieder Minuten später hielt jemand anders. Nick Hallmann, 18, aus Weißewarte. Er half ihr, packte zu, hob sie aus dem Autowrack, blieb bei ihr, bis sie in Sicherheit war.

Von Kai Hasse

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare