Geburtenschwache Jahrgänge greifen überall

Umdenken in Tangermünder Gastronomie: „Man muss das Herz dafür haben“

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Das Schlosshotel Tangermünde hat es in den Gault und Millau Restaurantführer geschafft. Geschäftsführerin Melanie Busse legt trotzdem mehr Wert auf Bewertungen von Gästen.

Tangermünde – Für gastronomische Einrichtungen, die es in den Gault und Millau Restaurantführer geschafft haben, ist dies eine Ehre. Neben dem Guide Michelin zählt das Büchlein zu den einflussreichsten Restaurantführern französischen Ursprungs.

Auch das Schlosshotel Tangermünde darf sich mit den Federn schmücken, es in die Ausgabe für 2019 geschafft zu haben.

Geschäftsführerin Melanie Busse freut sich zwar über die Auszeichnung für ihr Haus, so viel Wert lege sie jedoch gar nicht darauf. „Die Aussagen der Gäste sind uns das Wichtigste“, erklärt sie im AZ-Gespräch. Die Bewertungen auf Internet-Plattformen wie Holiday Check, welche von Gästen erstellt werden, seien ihr da schon wichtiger. „Das motiviert die Mitarbeiter mehr. “.

Vor allem in den Reihen der älteren Kollegen sei das Schlosshotel gut aufgestellt, berichtet die 47-Jährige. „Wir haben einen sehr festen Mitarbeiterstamm und werden hoffentlich zusammen alt.“ Die Schwierigkeiten lägen beim Nachwuchs. „Es ist schwer, junge Menschen zu motivieren.“ Nicht nur sei dies ein demografisches Problem, denn nun würden die geburtenschwachen Jahrgänge greifen. Auch beinhalte die Arbeit in der Gastronomie eben keine übliche Arbeitswoche von Montag bis Freitag. „Den Gast zu umsorgen ist das Wichtigste“, so die Schlosshotelleiterin. Eben jenes Umsorgen passiere aber an Wochenenden und Feiertagen. „Da möchte jeder essen gehen.“ Für die Jugend wenig attraktiv.

Eine Schwierigkeit sieht Busse auch in der Kinderbetreuung. „Wenn man nicht Oma und Opa in der Nähe hat, hat man ein Problem.“ Denn den Muttis immer Frühdienste einzuräumen, sei nur bedingt möglich.

Der Arbeitgeber sei oft gefragt Kompromisse zu schließen, familienfreundlich zu agieren. „Die Gastronomen müssen umdenken.“ Mehr Personal müsse eingestellt, Teildienste auch entsprechend der Wohnverhältnisse angepasst werden, um unnötige Fahrten zu vermeiden.

Vier Azubis seien derzeit im Schlosshotel angestellt. „Die haben aber schon zu Schulzeiten hier Praktika gemacht und wussten, was auf sie zukommt“, berichtet die 47-Jährige. Im Sommer stoßen noch zwei vietnamesische Auszubildende zum Team, welche in ihrem Heimatland bereits ein Jahr an der Hotelfachschule absolviert haben. Die Ausbildung in der Gastronomie sieht Busse als zukunftsfähig. „Man hat danach tolle Möglichkeiten und gute Fachkräfte werden gebraucht.“

Doch bei allem Entgegenkommen und Verständnis für die Angestellten weiß Busse, dass sich einiges in ihrer Branche niemals ändern wird. „Die Wochenenden und Feiertage werden immer bleiben in der Gastronomie“, spricht sie ganz direkt aus. Wer sich trotzdem für diesen Weg entscheidet, sollte demnach vor allem eines mitbringen: „Für Gastronomie muss man das Herz haben.“

VON LAURA KÜHN

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