Partnerstädte Lich und Minden unterstützen die Kaiserstadt nach der Wende / Treue auch beim Hochwasser

Tangermündes verlässliche Freunde

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Fast schon ein Kunstwerk: Hauptamtsleiter Jürgen Pyrdok präsentiert die gerahmte Partnerschaftsvereinbarung mit der italienischen Gemeinde Tavarnelle Val di Pesa.

Tangermünde. Freundschaften muss man pflegen. Deshalb werden sich auch in diesem Jahr wieder die Verwaltungen aus Tangermünde und seinen beiden deutschen Partnerstädten Lich und Minden gegenseitig zu ihren bedeutendsten Feierlichkeiten einladen.

So bietet sich von Sonnabend bis Sonntag, 17. bis 18. Mai, für eine Tangermünder Delegation die Gelegenheit, den historischen Markt in Lich und zwischen Donnerstag, 31. Juli, bis Sonntag, 3.  August, das Mindener Freischießen zu besuchen. Dabei können sie mit ihren Städtefreunden auf eine bewegte Vergangenheit zurückzublicken.

Beide Partnerschaften wurden nämlich „unmittelbar nach der Wende beschlossen“, wie Tangermündes Hauptamtsleiter Jürgen Pyrdok im AZ-Gespräch berichtet. Das im mittelhessischen Landkreis Gießen gelegene, rund 13 000 Einwohner zählende Lich schloss am 19. Mai 1990 eine Partnerschaftsvereinbarung mit der Kaiserstadt. Minden ist eine Kreisstadt des ostwestfälischen Kreises Minde-Lübbecke, hat rund 80 000 Einwohner und ist seit dem 2. August 1990 offizieller Freund der Stadt Tangermünde.

„Die ersten Kontakte gehen jedoch bis in die tiefste DDR-Zeit zurück“, erklärt Jürgen Pyrdok. Genehmigungen für angestrebte Partnerschaften wurden jedoch nicht erteilt. So lehnte zum Beispiel im Jahr 1988 der Rat des Bezirkes Magdeburg ein Ersuchen der Stadt Tangermünde für eine Freundschaft mit Lich ab. Nach der Wende war eine Genehmigung von einer übergeordneten Behörde nicht mehr notwendig, sodass sich die Städte ihren Wunsch selbst erfüllen konnten.

Dabei erwies sich die Freundschaft vor allem in den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung als fruchtbar. „In der Verwaltung mussten wir ganz neue Strukturen schaffen. Kommunale Selbstverwaltung gab es zu DDR-Zeiten nämlich noch nicht“, verweist Pyrdok auf die schwierige Aufgabe, vor der die Stadt Tangermünde stand.

Die neuen Partner brachten sich dabei von Anfang an mit ein und unterstützen durch ihr Fachwissen. Aber auch materielle Hilfe wurde von beiden Freunden gewährt. So stellten die Licher einen Feuerwehrwagen und die Mindener einen VW-Passat zur Verfügung. Beide Fahrzeuge waren jahrzehntelang in Tangermünde im Einsatz. Auch neue Büroausrüstung wie Diktiergeräte und Schreibmaschinen wurden gestiftet und für weitere Anschaffungen ein Gutschein über 10 000 Deutsche Mark von der Stadt Lich überreicht.

Für eine Verbesserung des Wohnungsmarktes machten sich die Mindener Verwaltungsmitarbeiter stark und vermittelten den Kontakt zur Genossenschaft für Siedlungsbau und Wohnen, GSW-Minden. Diese erwarb das Lorenzsche Feld und erschloss das Land baulich. Bis heute wurden gut 140 Wohneinheiten darauf errichtet. Des Weiteren half die Mindener Firma Steinbrecher und Partner bei der Entwicklung des Generalentwässerungsplanes. Dieser wurde im Jahr 1994 aufgestellt und seitdem mehrfach ergänzt.

„Aufgrund der unterschiedlichen Regelungen der jeweiligen Landesgesetze ist ein Erfahrungsaustausch unter den Verwaltungen jetzt nur noch eingeschränkt möglich“, begründet Pyrdok das Nachlassen der zuvor regen Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren.

Mit den ausländischen Partnerstädten sei dies noch viel schwieriger, weil die gesetzlichen Rahmen sich noch fremder seien. Seit dem Jahr 1991 existiert eine Partnerschaft mit der im französischem Elsass liegenden und rund 800 Einwohner zählenden Stadt Wissembourg. Seit Ende 1996 zu der in der Provinz Florenz gelegenen 8000-Einwohner-Gemeinde Tavarnelle Val di Pesa.

Aber auch, wenn der Kontakt nicht mehr ganz so intensiv wie nach der Wiedervereinigung ist, sind sich die Partner noch immer freundschaftlich verbunden. „Die Probleme waren damals eben wesentlich dringender, deshalb waren auch die Kontakte enger. Aber wie wir am Beispiel des Hochwassers gesehen haben, sind unsere Freunde für uns da, wenn wir sie brauchen“, verweist Pyrdok auf die 58 Feuerwehrmänner aus Minden.

Diese kamen nach Tangermünde, um ihre Kollegen beim Kampf gegen das Hochwasser zu unterstützen. Ein Engagement, für das sich Tangermündes Bürgermeister Dr. Rudolph Opitz bei einer Delegation bedankte, die mit dem stellvertretenden Bürgermeister Mindens, Egon Stellbrink (CDU) am vergangenen 26. Burgfest im September teilnahm.

Von Benjamin Heibutzki

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