„Man kann nur eine Flagge tragen“

Tangermünder Stadtchef sieht Altmarkliste der Bürgermeister kritisch

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Jürgen Pyrdok (parteilos) ist seit Juli 2015 Bürgermeister der Kaiserstadt Tangermünde.

Tangermünde – „An deren Stelle hätte ich mir lieber auf die Zunge gebissen.“ Jürgen Pyrdok, Bürgermeister in Tangermünde, geht das ganze Gerede über die parteiunabhängige „Wählergemeinschaft pro Altmark“ für die Urnengänge im Mai schon ein wenig auf den Zeiger.

Auch deshalb: Der Osterburger Amtskollege und CDU-Rebell Nico Schulz rührt schon einmal die Werbetrommel, und das ausgerechnet bei seinem Neujahrsempfang.

René Schernikau, Oberhaupt der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck und einst Mitglied der Piraten, heuert während seines Neujahrsempfangs bei Schulz an. Was Pyrdok beim Gespräch mit der AZ noch nicht wissen konnte: Auch Bernd Schulze, Bürgermeister in Werben, wird für Pro Altmark bei den Kommunalwahlen kandidieren.

Pyrdoks Kritik geht tiefer und meint nicht allein die CDU-Quertreiber und deren Mitstreiter. „Für mich gehören Bürgermeister genauso wenig in den Kreistag wie Landtags- und Bundestagsabgeordnete.“ Der 60-Jährige sieht Interessenkonflikte, die sich schlichtweg schwer oder gar nicht lösen ließen.

„Man kann nur eine Flagge tragen, die der Stadt oder die des Landkreises“, ist er überzeugt. Zudem führe das Anhäufen von Aufgaben und Ämtern zu mehr Politikverdrossenheit bei den Bürgern. „Wenn immer dieselben Leute an den Schaltstellen sitzen, kommen doch andere erst gar nicht auf die Idee, sich selbst zu bewerben.“

Der gebürtige Oberschlesier wünscht sich eine neue politische Kultur auf kommunaler Ebene. Gerade dort sollten Menschen ohne große Hürden über Themen reden und in Gremien einsteigen können. „Sollen doch auch all die anderen einmal über Gelbe Tonne, Eichenprozessionsspinner und Schulentwicklungsplan sprechen“, fordert Pyrdok, wohl wissend, dass es diese wirklich interessierten Bürger in der Masse heute noch nicht geben könnte. Wie die CDU mit Schulz und anderer hausgemachter Konkurrenz umgeht, sei deren Sache. „Alles andere darf und will ich sagen, denn ich bin parteilos.“

Den Tangermünder Bürgermeister zieht es nicht in den Kreistag. Auch deshalb erwarte sicherlich niemand, dass er sich Schulz’ Wählergemeinschaft anschließe, meint er im Gespräch mit der AZ verschmitzt.

Einem Neujahrsempfang, um dies möglichst wirksam bekannt geben zu können, gibt es in der Elbestadt übrigens sowieso nicht. „Einen Empfang zum Jahreswechsel kennen wir nicht. Das heißt nicht, dass ein solcher anderswo nicht wichtig ist.“ Die Tangermünder haben stattdessen den Kaiserempfang während des alljährlichen Burgfestes, an dem allerhand kommunale Repräsentanten teilnehmen.

VON MARCO HERTZFELD

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