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Tangermünde: Für Nahversorger bleibt noch Platz

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Von: Marco Hertzfeld

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Ein leerer Einkaufskorb steht auf einer Bank auf dem Marktplatz von Tangermünde.
Auf dem Zettel: Der Einkaufskorb muss in der Tangermünder Altstadt nicht leer bleiben. Und doch wünschen sich laut Rathaus so manche Einheimische und Touristen dort einen Mischwarenhandel von bestimmter Größe. © Marco Hertzfeld

Für einen Nahversorger in der Tangermünder Altstadt sieht Bürgermeister Jürgen Pyrdok noch Platz. Und ja, jedes leer stehende Gebäude in der altmärkischen Touristenstadt sei eines zu viel. Für seinen Nachfolger bleiben demnach Aufgaben.

Tangermünde – Einen Tante-Emma-Laden für das Zentrum hat der Tangermünder Bürgermeister immer noch auf dem Zettel. Spätestens vor fast auf den Monat genau drei Jahren hatte er gegenüber der AZ schon einmal darüber gesprochen. Entscheidendes passiert ist bislang nichts. Ob Jürgen Pyrdok (parteilos) bei dem, was er vor Augen hat, unbedingt von Tante Emma reden möchte, nun ja. Ein kleines Einzelhandelsgeschäft, das Lebensmittel und weitere Artikel des täglichen Bedarfs anbietet, solle es aber tatsächlich sein. Und der Volksmund kennt die Bezeichnung seit der Nachkriegszeit nun einmal. Einheimische und Touristen wünschten sich einen kleinen Mischwarenhandel nach wie vor, ist der 63-Jährige überzeugt. Politik und Verwaltung sollten noch einmal stärker darauf hinarbeiten.

Ein Fachwerkhaus an der Hünerdorfer Straße in Tangermünde hat seine besten Zeiten hinter sich.
Leerstand: Altes Fachwerk wie hier an der Hünerdorfer Straße in Tangermünde wartet noch auf eine Restaurierung. © Marco Hertzfeld

Angebote hier und da gebe es bereits. Pyrdok weiß das und schätzt sie. Doch spreche er eben von einem Nahversorger, komplexer und ein Stück größer. Riesig könne und sollte ein solcher Anlaufpunkt in der Altstadt aber auch wieder nicht sein. Die großen Unternehmen und Ketten haben dem Rathauschef zufolge bislang immer abgewinkt, weil sie eine gewisse Quadratmeterzahl brauchten, damit sich alles rechne. Und ja, kaum außerhalb des historischen Kerns der Kaiserstadt bietet bereits ein Discounter seine Produkte an. Auch das hat Pyrdok auf dem Schirm. Obgleich geeignete Objekte im Zentrum derzeit eher rar sein könnten, glaubt der Bürgermeister für die Zukunft an einen passenden Mischwarenhandel dort. „Wir dürfen dies nur nicht aus den Augen verlieren.“

Mischwarenhandel in passender Größe

Wer mit offenen Augen durch das historisch wertvolle Zentrum geht, sieht einige leer stehende Gebäude, vereinzelt auch an der Kirchstraße und der Langen Straße, den vielleicht wichtigsten Strecken. „Es ist ja nicht so, dass wir keine Probleme hätten“, meint der Bürgermeister. Und doch sieht er die Kaiserstadt an der Elbe ganz ordentlich im Lot. „Wir schauen regelmäßig hin, zählen und werten aus, ganz klar. Momentan dürfte der Leerstand im einstelligen Bereich liegen, also unter zehn Prozent.“ Ein Armutszeugnis sei das auf keinen Fall, eher im Gegenteil, wenngleich natürlich eine Ruine für eine Touristenstadt wie Tangermünde mindestens doppelt wiege. Pyrdok sieht Tangermünde weiter im Auf- und Umbruch. Und ja, die Privatleute zögen mit. „Das ist enorm wichtig.“

Maxime: Jede Ruine schon eine zu viel

An mancher Stelle scheint sich tatsächlich neuer Unternehmergeist zu entwickeln oder fortzusetzen, Corona hin, Corona her. „Es wird investiert. Das zeigt doch, dass die Leute hier an diesen Standort glauben und Vertrauen haben.“ Politik und Verwaltung schafften nun einmal allein die Rahmenbedingungen. Der Hansering, eine Vereinigung von Gewerbetreibenden und Kaufleute, sei ein wichtiger Partner. Womöglich könnte eine Organisation, in welcher Rechtsform auch immer, eine Art Scharnier bilden, die Initiative dafür solle bitte nicht nachlassen. Eine mögliche Fußgängerzone schafft es ebenfalls regelmäßig auf die Tagesordnung. „Ich verschließe mich einer solchen nicht, aber wir müssen alles bedenken.“ Autos ein Stück weit zu verbannen, könnte auch nach hinten losgehen.

Ein Haus an der Kirchstraße in Tangermünde ist eingerüstet.
Aufbruchstimmung herrscht an manchen Stellen, wie beispielsweise hier an der Kirchstraße. © Marco Hertzfeld

Wahl 2022: Pyrdok räumt im Juli Büro

Pyrdok wird im Juli sein Büro an der Langen Straße räumen. Aus Altersgründen tritt der Parteilose nach ersten sieben Jahren nicht mehr zur Wahl am 27. März an. Sein Nachfolger wird auf seiner Arbeit aufbauen können. Öffentlich bekannt sind bislang zwei Bewerber, Björn Malycha (SPD) und Steffen Schilm (parteilos). „Wir müssen die Innenstadt weiter lebenswert gestalten, sie ist nicht nur für Touristen da“, sagt Pyrdok, ohne sich irgendwie in das Wahlgeschehen einmischen zu wollen. In der Tat gebe es Herausforderungen wie den Leerstand, der aber vielerorts in der Republik die Verantwortlichen beschäftige. „Die Menschen kaufen nicht erst seit Corona stärker im Internet ein, diese Entwicklung lässt sich nicht aufhalten, aber vielleicht zumindest beeinflussen.“

Kommentar von AZ-Redakteur Marco Hertzfeld
Perle an der Elbe / Tourismus allein glänzt nicht:
Für manchen hat die Altmark zwei Perlen, Arendsee und Tangermünde. Welche touristisch schwerer wiegt, die am See oder jene am Fluss, sollen doch bitte andere entscheiden. Unstrittig scheint: Auch Städte wie diese sind kein Selbstläufer. In Tangermünde stehen Häuser in der Altstadt leer, einige auch schon länger. Und selbst in einer Kaiserstadt müssen die Geschäftsleute kämpfen. Die Stadt kann oder vielleicht auch muss sich an einigen Stellen neu ausrichten und finden, und dies nicht erst seit Corona. Dass ein Bürgermeister nicht müde wird, das und mehr zu betonen, kann nicht verkehrt sein. Allerdings darf da wie dort in der Altmark das Lied vom ewigen Kampf der Zentren nicht in der stetig gleichen Melodie gesungen werden. Womöglich hilft ein Blick über den Tellerrand, wohin auch immer, und gelenkt von einer neu gedachten Wirtschaftsförderung. Der Bürger darf gespannt sein und ja, natürlich auch kräftig mitmischen.

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