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Tangermünder Modell: Aus dem Hauptamt zum Bürgermeister gewählt

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Von: Marco Hertzfeld

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Die Stadtverwaltung von Tangermünde befindet sich an der Langen Straße.
Im Stadthaus an der Langen Straße in Tangermünde hat ab Juli ein anderer das Sagen. © Marco Hertzfeld

Der alte wie der neue Bürgermeister von Tangermünde haben ihre Karriere im Hauptamt begonnen. Und: Amtsinhaber Jürgen Pyrdok und sein Nachfolger Steffen Schilm haben es beide ohne Parteibuch an die Spitze geschafft. Ein Blick auf die Wahl vom 27. März 2022.

Tangermünde – Ihre Karrieren ähneln sich. Beide haben ohne ein Parteibuch den politischen Wettstreit in Tangermünde gesucht, beide sind zunächst Hauptamtsleiter und dann Bürgermeister. Jürgen Pyrdok, der Amtsinhaber bis in den Sommer, gehörte zu den ersten Gratulanten des Wahlabends. Dass Steffen Schilm am Sonntag auf Anhieb zu seinem Nachfolger avanciert, schien manchem Beobachter keineswegs sicher. Vor allem Björn Malycha, einer der zwei Mitbewerber, konnte sich im Vorfeld als starke Alternative präsentieren. Pyrdok hatte es 2015 überraschend deutlich auch schon im ersten Durchgang ins Rathaus geschafft. Er setzte sich damals mit gut 68 Prozent gegen gleich drei Konkurrenten durch.

Bürgermeister Jürgen Pyrdok gratuliert seinem Nachfolger zur Wahl.
Bürgermeister Jürgen Pyrdok (l.), einst selbst Hauptamtsleiter, gratuliert seinem Nachfolger Steffen Schilm. © Günther Krach

Knapp drei Prozent verhindern Stechen

Schilm fiel kurz nach 19.30 Uhr schon fast hörbar ein Stein vom Herzen. Offenbar hatte er mehr mit einer Stichwahl gegen Malycha gerechnet als mit dem glatten Durchmarsch. Zwischen beiden Kandidaten liegen satte 18 Prozentpunkte. Doch wichtiger sind die gut drei Punkte, die Schilm über der 50er-Marke liegt. Sie verhindern das Stechen, das womöglich auch ganz anders ausgegangen wäre, reine Spekulation. Malycha zeigte sich jedenfalls schon am späten Sonntagabend als fairer Verlierer. Genauso wie Pascal Dobberkau (parteilos), der Underdog, der es auf für ihn starke elf Prozent brachte. Im Juli endet Pyrdoks erste und letzte Amtsperiode, aus Altersgründen war er nicht mehr zur Wahl angetreten.

Schilm dominiert speziell das Umland

Ein Blick auf die Ergebnisse einzelner Wahllokale, von denen es insgesamt 13 gab, lohnt allemal. Die Zahlen aus dem Briefwahllokal spiegeln in etwa das Gesamtergebnis wider. Schilm kann knapp 53 Prozent verbuchen, Malycha 34 Prozent und Dobberkau zwölf. 905 Briefwahlumschläge waren eingegangen, einer wurde ungültig gewertet. Im Wahllokal Grete-Minde-Saal kam Malycha mit fast 40 Prozent Konkurrent Schilm, der an die 50 Prozent erreichte, recht nah. Noch enger ging es im Wahllokal Kita Farbenspiel zu, Schilm bekam dort etwas mehr als 46 Prozent, Malycha circa 44 Prozent.

Malycha kommt mitunter ganz nah

Die Ortschaften neben der Kernstadt waren in der Regel fest in Schilms Hand. In Langensalzwedel beispielsweise wurden fast 80 Prozent der Stimmen für Schilm verbucht und keine 14 Prozent für seinen größten Konkurrenten, Malycha. In Miltern kam Schilm auf mehr als 82 Prozent und Malycha auf knapp zwölf Prozent. Und: In Grobleben ging Malycha gänzlich leer aus. Schilm darf sich über satte 86,84 Prozent freuen. Dobberkau schaffte dort übrigens leicht mehr als 13 Prozent. Das politische Leichtgewicht unter den drei Kandidaten lag in Buch mit Malycha sogar gleichauf, beide kamen hier auf fast 26 Prozent. Schilm musste sich in Buch mit rund 49 Prozent zufriedengeben.

Dobberkau setzt in Buch Akzente

Und noch einmal ein kurzer Blick auf das große Ganze: 8946 Wahlberechtigte hatte es gegeben, 3577 beteiligten sich an der Bürgermeisterwahl 2022. Die Wahlbeteiligung betrug 39,98 Prozent. Zum Vergleich: In Stendal wurde am selben Tag ein Oberbürgermeister gesucht, die Wahlbeteiligung belief sich dort auf 37,85 Prozent. In der altmärkischen Kreisstadt ist ja eine Stichwahl notwendig. Der Rathauschef der Kaiser- und Hansestadt Tangermünde heißt ab Juli Schilm. Für ihn haben am 27. März insgesamt 1888 Menschen (53,08 Prozent) gestimmt. Malycha holte 1266 Stimmen (35,59 Prozent) und Dobberkau 403 (11,33 Prozent).

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