Kaiserstadt erlebt vierten Gedächtnismarsch für Grete Minde

Scheiterhaufen-Spektakel „war ganz heiß im Rücken“

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Als Grete Minde wurde Abiturientin Kim Schröder (M.) von zwei Nachtwächterinnen an den Scheiterhaufen in der Nähe des Fährdamms geführt. Streitäxte trugen für ihre Rolle die Stadtführerinnen Regine Schönberg (r.) und Christine Lehmann.

Tangermünde. Es war 1617, als zwei Drittel der Stadt Tangermünde durch ein Großfeuer in Schutt und Asche versanken, wofür später Grete Minde, eine unbescholtene Tangermünder Bürgerin verantwortlich gemacht und verbrannt wurde.

Jahre später stellte sich das als Justizirrtum heraus. Theodor Fontane nahm sich der Geschichte an und schrieb seine berühmte Novelle darüber.

Den Ereignissen von vor 400 Jahren ist in der Kaiserstadt nun zum vierten Mal gedacht worden. Wieder rief die Feuerwehr Tangermünde zum Gedächtnisumzug durch die Stadt auf und lud zur symbolischen „Verbrennung“ von Grete Minde auf dem Scheiterhaufen ein. Viele Tangermünder, vor allem Eltern mit ihren Kindern, die Laternen trugen, folgten dem Aufruf, um der unschuldigen Grete Minde zu gedenken. Am Grete-Minde-Haus formierte sich der Umzug, angeführt von „Grete Minde“, die von Kim Schröder, einer Abiturientin aus Tangermünde, dargestellt wurde. Sie wurde flankiert von zwei „Wachleuten“. In diese Rolle schlüpften die Stadtführerinnen Regine Schönberg und Christine Lehmann.

Über die Lange und die Kirchstraße hinter dem Feuerwehr-Einsatzfahrzeug und begleitet von mit Musik ging es auf dem Fährdamm an die Elbe, wo bereits der „Scheiterhaufen“ aufgeschichtet war. Nicht darauf, aber davor stand dann Grete Minde, immer noch flankiert von ihren beiden Wächterinnen. Auch die Flammen loderten schon. „Es war ganz schön heiß im Rücken“, berichtete die Grete-Minde-Darstellerin.

Alsbald hatte an diesem letzten Aprilabend fast wie verabredet Regen zur Abkühlung eingesetzt. Grete Minde und ihre Bewacher hatten da aber bereits ihre Aufgabe erfüllt. Die Gäste zog es zu Verpflegungsständen, wo sie sich mit Bratwurst und Getränken aufwärmten und Unterstand fanden. In den Gesprächen im Schein des Feuers spielte Tangermündes Heimatgeschichte aber nur eine untergeordnete Rolle.

Von Günther Krach

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