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Schilm neuer Bürgermeister in Tangermünde

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Von: Marco Hertzfeld

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Ein Schild weist am 27. März 2022 den Weg ins Wahllokal Grete-Minde-Haus in Tangermünde.
Die Wahllokale hatten zehn Stunden geöffnet. Die Beteiligung am Urnengang wie hier im Grete-Minde-Haus fiel eher gering aus. Nur etwas mehr als jeder Dritte gab seine Stimme für einen der Kandidaten ab. © Marco Hertzfeld

Steffen Schilm holt sich das Rathaus-Zepter in Tangermünde. Er übernimmt im Juli das Amt des Bürgermeisters. Durchgesetzt hat sich der aktuelle Hauptamtsleiter am 27. März 2022 im ersten Durchgang gegen zwei Mitbewerber.

Tangermünde – Das Zepter in der Kaiserstadt Tangermünde ist vergeben. Steffen Schilm wird neuer Bürgermeister. Ein Kandidat ohne Parteibuch, dafür unterstützt von CDU und AfD, hat sich gegen seine beiden Mitbewerber im ersten Durchgang mit mehr als der Hälfte an Stimmen durchsetzen können, eine Stichwahl ist nicht notwendig. Spannend ist der gestrige Urnengang allemal verlaufen. Auch wenn das erwartetet Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Schilm und Sozialdemokrat Björn Malycha ausblieb. Und Pascal Dobberkau (parteilos) konnte noch weniger eingreifen. Damit wird mit Schilm im Juli wieder ein Mann ohne eigene politische Hausmacht in das Rathaus einziehen. Der aktuelle Amtsinhaber Jürgen Pyrdok, ebenfalls parteilos, war aus Altersgründen nicht mehr zur Wahl angetreten.

Amtsinhaber Jürgen Pyrdok gratuliert dem neuen Tangermünder Bürgermeister Steffen Schilm.
Steffen Schilm (r.) wird neuer Bürgermeister von Tangermünde. Amtsinhaber Jürgen Pyrdok (ebenfalls parteilos) gehörte zu den ersten Gratulanten. © Günther Krach

Malycha deutlich auf Platz zwei

Schilm, derzeit Hauptamtsleiter in Tangermünde, durfte sich seines Sieges keineswegs sicher sein. Malycha, Referatsleiter im Sozialministerium, zeigte sich im Wahlkampf als echte Alternative. Am Ende lagen zwischen beiden fast 18 Punkte. Für Schilm stimmten 1888 Menschen, das macht 53,08 Prozent. Malycha konnte 1266 Bürger von sich überzeugen und kommt auf 35,59 Prozent. Auf Dobberkau, Warenannahmeleiter in einem Baumarkt, setzten 403 Leute. Unterm Strich sind das 11,33 Prozent, was ein Achtungserfolg für den politischen Frischling sein dürfte. Es gab insgesamt 8946 Wahlberechtigte, 3577 von ihnen beteiligten sich an der Wahl. Im Unterschied etwa zu einer Bundestagswahl durften auch schon 16-Jährige ihre Stimme abgeben. Doch eben bei Weitem nicht alle machten von ihrem demokratischen Recht Gebrauch, die Wahlbeteiligung lag bei 39,98 Prozent, ein recht magerer, aber für derartige Entscheidungen durchaus nicht ganz unüblicher Wert. Die Wahllokale waren von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Danach begann das Auszählen der Stimmen. Gegen 19.30 Uhr lag das vorläufige Endergebnis vor.

Dobberkau fährt Achtungserfolg ein

„Ich bin erleichtert, dass es keine Stichwahl gibt, damit habe ich nicht unbedingt gerechnet“, sagte Schilm gestern Abend der AZ. Den Innenstadthändlern Rückhalt zu geben, stehe auf einer ersten Liste weit oben. „Knapp an der Stichwahl vorbei“, nahm es Malycha sportlich. Es sei entschieden und ja, hinsichtlich der künftigen Zusammenarbeit mit dem neuen Bürgermeister im Stadtrat sehe er keine Probleme. Dobberkau zeigte sich mit seinem Ergebnis zufrieden, möchte der Lokalpolitik auf irgendeiner Weise verbunden bleiben. „Und natürlich wünsche ich Herrn Schild eine glückliche Hand für die nächsten sieben Jahre.“

Kommentar von AZ-Redakteur Marco Hertzfeld
Sacharbeit im Blick / Der richtige Ton muss sich finden:
Schilm schlägt Malycha bereits in Runde eins. Der Wettstreit gerade noch auf Augenhöhe ist entschieden. Dobberkaus Bewerbung zündete noch weniger. Inwieweit der Ton in Stadtrat und Rathaus ein anderer wird, muss sich zeigen. Dass sich der parteilose Schilm auch von der AfD im Wahlkampf hat unterstützen lassen, könnte ein Bumerang sein, muss es aber nicht. Aber natürlich, so mancher Politiker auf lokaler Ebene und höher wird einem Bürgermeister Schilm genau das aufs Brot schmieren wollen. Das Verhältnis zwischen einem sozialdemokratischen Ratsmann wie Malycha und einem Wahlsieger Schilm dürfte sich aber entwickeln können. Tangermünde steht vor größeren Herausforderungen, der Tourismus allein ist längst keine Erfolgsgarantie. Das Rathaus sollte sich im Sommer schnell neu ordnen.

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