Vertrag laut Käufer noch nicht rechtskräftig / Neues Leben an Arneburger Straße fraglich

Offene Fragen bei Pelletwerk-Verkauf

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Seit vielen Jahren steht das Holzpelletwerk in Tangermünde leer. Nun soll es laut Insolvenzverwalter Lucas Flöther verkauft worden sein – an einen Maschinenlieferanten, der auch schon beim Aufbau des Werkes involviert war.

Tangermünde. Ein wenig Hoffnung erhellt gestern die Stimmung des Tangermünder Bürgermeisters Jürgen Pyrdok. Knapp sechs Jahre hat er sich jetzt das Drama an der Arneburger Straße angucken müssen – das geschlossene Holzpelletwerk Tangermünde.

Lange als Hauptamtsleiter, jetzt als Bürgermeister, hat er darauf gehofft, dass dort wieder Arbeitsplätze für die Kaiserstadt entstehen. Knapp sechs Jahre mühte sich ein Insolvenzverwalter, das Werk zu verkaufen. Nun vermeldet er Erfolg. Ob das wirklich Arbeitsplätze bedeutet, bleibt aber noch abzuwarten.

Gerade einige Monate war das Werk im Betrieb. Dann stellte es die Arbeit ein, wegen technischer Probleme, wie es hieß. Der Maschinenhersteller verwies hingegen auf Holzmangel.

Der Insolvenzverwalter, Professor Dr. Lucas Flöther, hat einen guten Ruf. Schon bei der letzten Pleite der Region, der Eisenhütte Technoguss in Tangerhütte, hat er schnell einen neuen Käufer gefunden. Der neue von ihm vermittelte Besitzer des Holzpelletwerkes soll nun die Amandus Kahl GmbH & Co KG in Hamburg sein – das ist genau die Firma, die beim Bau des Holzpelletwerkes mitgewirkt hatte und Maschinen lieferte. Die GmbH übernimmt nun ein vor allem finanziell verkorkstes Geschäft: Der ehemalige Besitzer ist immer noch wegen Steuerhinterziehung, Subventionsbetrug und Insolvenzverschleppung angeklagt. 84 Straftaten stehen zu Buche, darunter etwa eine Forderung der Investitionsbank Sachsen-Anhalt.

Die hatte das Holzpelletwerk bei seiner Entstehung mit 1,3 Millionen Euro gefördert. Aber dann ließen am Bau beteiligte Firmen ihre Maschinen wieder abbauen, und die Landesbank wollte ihr Geld zurück. Noch laufen die Klagen gegen den Besitzer Michael K. am Landgericht Magdeburg, Aktenzeichen 24 KLS 3/15. Eine Eröffnung des Verfahrens vor Gericht steht demnächst an.

Pyrdok hofft nun, dass sich an der Arneburger Straße künftig wieder etwas tut. „Es war das Sorgenkind der Stadt. Viele Bürger und auch Besucher haben immer wieder nachgefragt“, sagt er, „wegen der Ruinen dort am Eingang der Stadt.“ Er hoffe, dass der neue Eigentümer über eine Wiederinbetriebnahme des Werkes nachdenke.

Möglicherweise haben Pyrdok und Tangermünde aber Pech. Denn die Amandus Kahl GmbH ist ein Unternehmen, das Maschinen und Produktionslinien verkauft – und sie nicht betreibt. „Uns gehören keine Produktionsanlagen“, sagt ein Sprecher. Er gibt sich sowieso vorsichtig. Denn der Kaufvertrag sei noch gar nicht rechtskräftig.

Dass das Unternehmen mit dem vom Insolvenzverwalter Flöther eingerichteten Verkauf quasi ihre „eigenen“ Maschinen aus dem Jahr 2009 zurückholt und selbst „nur“ Maschinen verkauft, lässt nicht den Schluss zu, dass wieder Arbeitsplätze an der Arneburger Straße entstehen. Das Unternehmen selbst wollte sich der AZ gegenüber nicht dazu äußern.

Über den Kaufpreis für das Werk haben Käufer und Insolvenzverwalter Stillschweigen vereinbart.

Von Kai Hasse

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