Weiteres Umspannwerk in Tangermünde / 15 Masten werden gesetzt

Für neue Stromautobahn gehts in luftige Höhe

Mit einem Kran wird die Mastkrone mit den beiden Auslegern in die Höhe gehievt und von vier Steigern an das Stahlgitterkonstrukt geschraubt. Fotos (3): Reuter

Bindfelde/Tangerhütte. Nun heißt es Warten in schwindelerregender Höhe. Die Beine um die Metallstreben gewunden, halten sich die vier Steiger am oberen Ende des Mastabschnitts fest und blicken in den Himmel.

Über ihnen schwebt ein Stahlgitterkoloss, der – mehr als eine Tonne schwer –das obere Drittel des Strommastes bildet. An seinen beiden Auslegern werden später die Stromkabel angehängt. Zentimeter für Zentimeter nähert sich das mit einem Kran in die Höhe gehievte Stahlkonstrukt langsam den vier Wartenden. Vom Boden aus korrigiert Ingo Kumbier über ein schweres Seil, das am Gebilde befestigt ist, die Position. Ganz behutsam, damit der Koloss nicht außer Kontrolle gerät und die Steiger nicht verletzt werden.

Die Männer können nun nach der Mastkrone greifen – ein kritischer Moment. Denn die vier Streben, die mit dem unteren Abschnitt verschraubt werden, müssen passgenau in die Verbindung eingeführt werden. Spezielle Werkzeuge helfen dabei. Jeweils zwei Führeisen, die an gebogene Schwerter erinnern, werden an allen vier Verbindungen angesetzt und die Stahlstreben der Mastkrone so in die Halterungen gedrückt. Wo es klemmt, wird mit den Eisen beherzt zugeschlagen, bis die Streben richtig sitzen. Die Schläge hallen über das Kornfeld bei Bindfelde. In 300-Meter- Abständen werden von Tangermünde kommend, wo ein neues Umspannwerk ans Netz angeschlossen wird, in Richtung Bindfelde derzeit 15 Masten errichtet. Sieben standen gestern bereits, die übrigen acht werden bis Morgen aufgestellt sein, ist Bauleiter Uwe Löwe überzeugt, der die Bauarbeiten vom Boden aus verfolgt. Seine Firma hat den Auftrag erhalten, die fünf Kilometer lange Stromtrasse zu bauen. Insgesamt 37 Kilometer Kabel werden ab Ende August über die Masten verlaufen. Der Energieversorger Eon-avacon schafft mit den neuen Leitungen und dem zusätzlichen Umspannwerk in Tangermünde einen neuen Transportweg für Strom aus regenerativen Quellen – wie Wind und Sonne.

Weder das Eine noch das Andere macht den vier Männern in 15 Meter Höhe zu schaffen. Mit großen Schraubenschlüsseln ziehen sie die Muttern an den Verbindungen fest – mit der Hand. Elektrische Ratschen, wie sie beim Aufziehen von Autoreifen benutzt werden, sind nicht mehr erlaubt, erklärt Uwe Löwe. „Die verzinkten Schrauben könnten durch Abrieb später rosten“, sagt der Bauleiter.

Als die Männer die letzten Muttern angezogen haben, steigen sie hinab. Zeit zum Ausruhen bleibt jedoch nur wenig. Als der Lkw-Kran seinen Ausleger wieder eingefahren hat, geht es zum nächsten Maststandort. Dort wurden für den Aufbau schon Fundamente gegossen.

Von Norman Reuter

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