30 Jahre Arbeit: Nabu-Kreisverband zeichnet Erfolgsgeschichte

Stendals Orchidee mühsam geschützt

Breitblättriges Knabenkraut steht auf einer Wiese in voller Blüte.
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Prachtexemplar auf altmärkischer Wiese. Das Breitblättrige Knabenkraut steht derzeit in voller Blüte. Stendals Nabu macht sich für Wiesenorchideen stark.
  • Marco Hertzfeld
    vonMarco Hertzfeld
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Sie sind in der freien Natur die edle Schönheit und Indikator für Artenvielfalt sowieso. Der Stendaler Nabu kümmert sich seit drei Jahrzehnten um Wiesenorchideen. Mit Erfolg, zumindest im Norden des Landes soll ihre Zahl wieder angewachsen sein.

Stendal/Buch – Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) rückt die vielfältige Wiesenorchidee ins Rampenlicht. Stendals Kreisvorsitzender Dr. Peter Neuhäuser zeigt Bilder des Breitblättrigen Knabenkrautes, das gegenwärtig nicht zuletzt in der Elblandschaft um Buch und Tangermünde blüht. Der Kreisverband hat in den vergangenen drei Jahrzehnten im Norden Sachsen-Anhalts die Wiesenorchideen an ausgewählten Stellen geschützt und gefördert, in den fünf Jahren zuletzt unterstützt durch Mittel aus dem europäischen Landwirtschaftsfonds ELER. „Heute blühen wieder über 20.000 Exemplare, vor 30 Jahren waren es nur 200“, sieht der Diplom-Biologe aus der Ostaltmark eine Erfolgsgeschichte.

Im Norden wieder 20.000 Exemplare

In den flussbegleitenden großen Wiesengebieten Sachsen-Anhalts habe es auf den anmoorigen Böden einst umfangreiche Vorkommen der Wiesenorchideen gegeben. Wer es nicht genau weiß: Bei einem Anmoor handelt es sich um einen Mineralboden, der wegen Wasserüberschusses und Sauerstoffarmut einen hohen Anteil an organischer Masse aufweist. Im Volksmund wurden und werden Wiesenorchideen auch als Knabenkräuter, Fingerwurzen oder Kuckucksblumen bezeichnet. „Bei vielen Knabenkrautarten ist jedoch seit Jahrzehnten ein dramatischer Rückgang zu beobachten“, konstatiert der Stendaler Nabu-Vorsitzende Ende Mai gegenüber der AZ.

Rückgang im Land bleibt dramatisch

Gründe für den Rückgang dieser Pflanzen seien das Trockenlegen von Sümpfen und Mooren sowie eine Intensivierung der Landwirtschaft, einhergehend mit der Düngung von Wiesen und Weiden und der mehrfachen Schnittnutzung. Auch fehlende Nutzung der Wiesen und nachfolgend Verbuschung und Beschattung führen Neuhäuser zufolge zum Rückgang der Knabenkräuter. „Daher sind Maßnahmen zur Renaturierung von Feuchtgebieten und zum Schutz der Wiesenorchideen unabdingbar für deren Fortbestand.“ Deutschland habe zudem eine internationale Verantwortung für das Breitblättrige Knabenkraut, welches dort seinen Verbreitungsschwerpunkt in Europa besitze.

Der lateinische Name des Breitblättrigen Knabenkrautes lautet Dactylorhiza majalis. Der zweite Teil des Namens weist übrigens auf den Blütemonat Mai hin. Die Pflanze erreicht eine Höhe zwischen 15 und 40 Zentimetern, kräftigere Exemplare schaffen auch einmal bis zu 60 Zentimeter. Die Blüten sind laut Fachliteratur meist purpurrot. Seltener sind sie hellrosa oder weiß. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich in Europa von den Pyrenäen bis zum Baltikum und an den Don und außerhalb des Kontinents bis Sibirien. Südlich der Alpen soll das Breitblättrige Knabenkraut nicht und in Südskandinavien selten vorkommen. In manchen Regionen sei es noch häufiger anzutreffen, sei aber als Orchidee geschützt.

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