Investoren schauen in die Röhre

Motor Altmark-Autobahn: Stadt sucht händeringend freie Flächen

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Schiffbauer und weitere Unternehmen haben sich nicht zuletzt entlang der Arneburger Straße angesiedelt. Foto: hertzfeld

Tangermünde – Der Bürgermeister wirkt einigermaßen ratlos, aber aufgeben wolle er natürlich nicht. „Wenn im Zuge des Autobahnbaus selbst nur ein größerer Mittelständler zu uns kommen wollte, wir wären als Stadt nicht in der Lage, ihm geeignete Fläche anzubieten.“

Jürgen Pyrdok geht in Gedanken die Arneburger Straße der Kernstadt entlang. Rechts und links ist der ganze industrielle Stolz der Elbestadt angesiedelt. „Da und dort gibt es noch freie Flächen, klar. Doch die Unternehmen sagen uns, die brauchen sie irgendwann selbst. Und dann muss dies für Politik und Stadtverwaltung eben auch eine gute Nachricht sein.“

Jürgen Pyrdok (parteilos), Bürgermeister in Tangermünde

Der Industriepark im Norden der Stadt scheint ordentlich gefüllt, genaue Zahlen hat das Stadtoberhaupt auf die Schnelle nicht parat. Das Gewerbegebiet im Westen macht Pyrdok (parteilos) auch keine großen Sorgen. Das Areal misst insgesamt 136. 000 Quadratmeter. 19. 000 davon seien noch unbelegt, heißt es auf der Stadtseite im Internet.

Das entspricht etwas mehr als zweieinhalb Fußballfeldern. „Seit 2017 suchen wir verstärkt nach freien Flächen, die Stadt selbst besitzt nur noch einige wenige Splitterflächen.“ Doch auch die Natur und Umwelt setzten Grenzen: „Tangermünde liegt nun einmal nah geschützter Gebiete.“

Verstecken müsse sich die Einheitsgemeinde auch derzeit nicht und die Kernstadt als touristische Perle der Altmark sowieso nicht. „Schiffsbau, Lebensmittelindustrie, Maschinenbau ...“ Tangermünde liege verkehrsgünstig, egal was andere sagen würden. Die Elbe, die Bundesstraßen 188 und 189, der Eisenbahnknoten Stendal und bald die Altmark-Autobahn, für den 60-Jährigen führen viele Wege hin und zurück.

Ein wichtiges Ziel bleibe, das Industriegebiet zu erweitern. „Die Untersuchungen, was machbar ist und was nicht, laufen weiter. Wir bleiben dran“, zeigt sich Pyrdok unternehmerisch.

Bislang hätten potenzielle Investoren den Tangermündern nicht gerade die Tür eingerannt. „Massenhafte Anfragen gibt es nicht, nein.“ Oftmals seien es Handelsketten, die am liebsten alles bereits erschlossen und geschenkt bekommen würden. Der Bürgermeister der Kaiser- und Hansestadt weiß natürlich auch um die Konkurrenz in der Nachbarschaft, die Kreisstadt Stendal und das wirtschaftlich prächtig aufgestellte Arneburg-Goldbeck sind nah.

Inwieweit die Kooperation im Städtedreieck mehr wert sein kann als das Papier, auf das sie vor fast zehn Jahren geschrieben wurde, muss sich erst noch zeigen.

VON MARCO HERTZFELD

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