Archäologen finden Tierskelette und einen alten Brunnen

Mittelalterliche Siedlung entdeckt

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Unter dem Kommando von Grabungsleiter Jörg Frase legen Archäologen in der Nähe von Tangermünde Überbleibsel einer mittelalterlichen Siedlung frei. Vorbehaltlich genauer Untersuchungen werden die Funde auf das 13. bis 14. Jahrhundert datiert.

Tangermünde. In der Nähe von Tangermünde sind bei Deicharbeiten Überbleibsel einer mittelalterlichen Siedlung gefunden worden. In verschiedenen Schichten legten die Archäologen Keramikstückchen frei, die auf eine mittelalterliche Siedlung hindeuten.

Das Team ist außerdem auf einen alten Brunnenschacht gestoßen. Dieser war von Felssteinen und Holz eingefasst. Alles wird langsam und in mehreren Schichten freigelegt. Grabungsleiter Jörg Frase vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt datiert die Funde derzeit vorbehaltlich genauerer wissenschaftlicher Untersuchungen auf das 13. bis 14. Jahrhundert. Eine vorsichtige Schätzung, betont er. Das wäre die Zeit der ersten urkundlichen Erwähnung der Stadt Tangermünde und des Einzugs des Kaisers Karl IV. in die Burg an der Elbe (1373).

Vier Gruben mit Tierskeletten, wovon zwei erwachsene Kühe und zwei erwachsene Pferde waren, werden vor Ort von den Mitarbeitern freigelegt. Sie fotografieren, vermessen, kartografieren, zeichnen die Grabungsschichten in einem Maßstab von 1 zu 20 auf Millimeterpapier und packen sie ein. Danach werden die Knochen getrocknet und im Landesamts-Depot gelagert.

Von einer „Tierniederlegung“ spricht Frase. Sie sei durchaus ungewöhnlich: „Die Tiere könnten durch Hochwasser oder Krankheiten umgekommen sein. Oder vielleicht sind sie auch an Altersschwäche gestorben.“ Von einem Tieropfer geht der Grabungsleiter nicht aus, da entsprechende Beigaben wie Ton- oder Keramikgefäße fehlen.

„Generell bei Erdarbeiten müssen alle Veränderungen des Bodens erst untersucht werden“, verrät der Grabungsleiter Jörg Frase.

Beim Besuch der AZ an der Grabungsstätte ist Garry Granzin gerade dabei, das Skelett des Pferdes freizulegen. Er geht dabei äußerst vorsichtig zu Werke. Schicht um Schicht hat er rund herum das Skelett freigelegt und die Knochen mit einem Pinsel gesäubert. Da bei dem Skelett die Rippenknochen beschädigt sind, geht Frase davon aus, dass diese durch die landwirtschaftliche Nutzung zu DDR-Zeiten durch einen Pflug beschädigt worden sein könnten.

Beim Brunnen soll nun noch geschaut werden, wie tief der Schacht ist. Dafür wird aber das umliegende Erdreich vorsichtig und auch wieder schichtweise mit einem Bagger abgetragen. Der Boden besteht an der archäologischen Grabungsstätte aus sehr feinem Sand. Eine Grabung per Hand wäre zu gefährlich, denn die Seiten könnten schnell einstürzen und Arbeiter unter sich begraben.

Alle Ergebnisse werden in einem Grabungsbericht genauestens festgehalten. Dies dauere laut Jörg Frase rund einen Monat, denn alle Fundstücke werden noch einmal genau untersucht.

Von Maren Maatz

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