Tangermünder Angler lehnen sich gegen mögliche verschärfte Schutzzonen auf

„Menschen nicht aussperren“

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Ewald Schulz, Hafenmeister des TWV, fährt mehr als 40 Jahre mit seinem Boot auf der Elbe. An schönen Sandstellen legt er an. Dass das nicht mehr möglich sein soll, kann er nicht verstehen, deshalb unterschreibt auch er die „Protestliste“.

Tangermünde. Die Angler der Kaiserstadt gehen auf die Barrikaden: Sie befürchten, dass künftig weite Gebiete entlang der Elbe nicht mehr für ihr Hobby genutzt werden können.

Der Grund dafür ist die geplante Schaffung eines besonderen Schutzgebietes für Vögel entlang der Elbe. Seit Wochen liegen nun Unterschriftenlisten in Tangermünde aus – organisiert vom örtlichen Anglerverein „Eisvogel“ um Dirk Schulz. Der befürchtet, dass die „besonderen Schutzzonen“, die eingerichtet werden sollen, auch Radfahrer, Spaziergänger, Hundebesitzer – und Elbdeichmarathonläufer – beeinflussen könnten.

Bereits am ersten Tag der Unterschriftenaktion verzeichnete Schulz 200 Signaturen an den verschiedenen Orten in der Kaiserstadt, an der man sich eintragen kann. Momentan könnten es, schätzt er, deutlich über 500 sein.

In Vogelschutzgebieten (blau) und FFH-Gebieten (rot) könnten sich die Regeln für Vogelschutz verschärfen. Angler Tangermündes und des Landesverbandes fordern, dass sie als Naturschützer in die Planungen eingebunden werden. 

Was geplant ist: Auf Grundlage von Vogelschutzgebieten und Flora-Fauna-Habitat(FFH-)-Gebieten sollen „Natura 2000“-Gebiete entstehen, in denen strenger auf den Schutz vor allem von Vögeln geachtet wird. In diesem Jahr soll es dazu Anhörungen geben, die Planung schreitet voran. Grund für die Einrichtung, die von der Europäischen Union vorangetrieben wird, ist ein aus Sicht von Naturschützern alarmierender Rückgang von Vogelpopulationen. Ein Schlaglicht dazu: Erst vor einer Woche stellte die Bundesregierung nach einer Anfrage der Grünen fest, dass in Deutschland die Population der Vögel seit 1980 um mehr als 50 Prozent eingebrochen ist – in landwirtschaftlich genutzten Regionen.

Im Bundesland Sachsen-Anhalt wäre eine Fläche von 230 000 Hektar in der Diskussion – über 11 Prozent des Landes, und weite Teile der Auenlandschaft rund um Tangermünde. Sachsen-Anhalt ist Angler-Land: 43 000 Mitglieder zählt der Landes-Anglerverband, der sich bereits jetzt gegen die Pläne auflehnt und eine stärkere Mitsprache bei den Planungen zu tatsächlichen besonderen Schutzzonen einfordert. Sie sind noch nicht beschlossen. Der Landesverband – und Schulz’ „Eisvögel“ in Tangermünde – wollen jetzt bereits Flagge zeigen: Nicht mit uns. „Wir befürchten, dass die Umsetzung den Zugang an Flüsse von uns Anglern zu stark einschränkt“, sagt Schulz, „wir wollen die verantwortlichen Planer daran erinnern, dass es auch Menschen gibt, die sie von der Natur nicht aussperren dürfen.“ Denn eine Verschärfung der Schutzgebiete könnte auch Läufer des Elbmarathons (in der Brutzeit) beeinflussen, oder Radfahrer entlang des Elberadweges. Viele Unterschriften, hat Schulz beobachtet, stammen übrigens auch tatsächlich von Touristen: Radlern, die weiterhin hier Urlaub machen wollen.

Von Kai Hasse

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