Verfahren nach Insolvenz in Tangermünde hat vor dem Magdeburger Landgericht begonnen

Mammutprozess um Holzpelletwerk

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Rund sieben Jahre liegen die Ereignisse um das Holzpelletwerk Tangermünde zurück.

Magdeburg/Tangermünde. Die Pleite des Tangermünder Holzpelletwerkes hat jetzt ein juristisches Nachspiel. Es wird ein Mammutprozess vor der Wirtschaftsstrafkammer des Magdeburger Landgerichts.

Bis Oktober sind bisher 24 Verhandlungstermine angesetzt – mit Option auf Verlängerung. Als letzter möglicher Sitzungstag für dieses Jahr ist der 22. Dezember vorgemerkt.

Den 52 und 53 Jahre alten Angeklagten werden insgesamt 84 Straftaten vorgeworfen, die sie von Mai 2007 bis November 2010 in Tangermünde, Seligenstadt, Magdeburg, Stendal, Hannover und anderen Orten begangen haben sollen. Am ersten Prozesstag, am 20. März, ist die 86 Seiten umfassende Anklageschrift verlesen worden. Der im Einzelnen in der Hauptverhandlung vorgetragene Sachverhalt, der den Angeklagten vorgeworfen wird, erstreckt sich über fast 30 Seiten. Die Angeklagten hätten sich vor der Kammer zu den Vorwürfen nicht geäußert, teilt Gerichtssprecher Thomas Kluge auf AZ-Anfrage mit.

Steuerstraftaten, Subventionsbetrug, Insolvenzverschleppung und das Vorenthalten von Sozialversicherungsbeiträgen werden den beiden Angeklagten vorgeworfen. Der 53-Jährige soll seit Juni 2004 Geschäftsführer des Holzpelletwerks in Tangermünde gewesen sein. Der mitangeklagte 52-Jährige soll alleiniger Gesellschafter der GmbH gewesen sein. Und er soll zudem im Tatzeitraum neben dem Mitangeklagten die Geschäfte der GmbH tatsächlich gelenkt haben, ohne aber im Handelsregister als Geschäftsführer eingetragen gewesen zu sein.

Das nagelneue Werk an der Arneburger Straße in Tangermünde steht seit rund sieben Jahren still. Mit einer Kapazität von 100 000 Tonnen Holzbrennstoff war es im Jahr 2009 errichtet und im Oktober des Jahres eröffnet worden.

Die frisch eingestellten 30 Mitarbeiter verloren ihren Job jedoch bereits nach wenigen Wochen wieder, bevor der Betrieb richtig angelaufen war. Im Februar 2010 kam der überraschende Produktionsstopp. Während der damalige Investor technische Probleme als Grund angab, ließen am Bau beteiligte Firmen Maschinen wegen nicht bezahlter Rechnungen wieder abbauen. Das Projekt war durch die Landes-Investitionsbank mit Fördermitteln in Höhe von rund 1,3 Millionen Euro bezuschusst worden.

Nächster Prozesstag ist am 9, April ab 10 Uhr im Landgericht Magdeburg.

Von Christian Wohlt

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