Tiere mit Falle umgesiedelt

„Das ist kein Biotop“: Nager nisten sich an Regenauffangbecken ein

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Der Zaun am Regenauffangbecken neben dem Wohngebiet „Grüne Kuhle“ ist defekt. Dort könnten die Tiere sich ihren Weg gebahnt haben.

Tangermünde – Nicht nur dem einen oder anderen Anwohner dürften sie aufgefallen sein, vor allem die Stadtwerke Tangermünde haben derzeit mit der Ansiedelung von Bisamratten am Regenauffangbecken neben dem Wohngebiet „Grüne Kuhle“ alle Hände voll zu tun.

Nutrias hingegen kommen häufiger vor. Sie stammen aus Südamerika und gelten hier als invasive Art.

„Wir haben Lebendfallen aufgestellt und siedeln die Tiere um“, erklärt Stadtwerke-Leiter Dietmar Schiess auf AZ-Anfrage. Das städtische Unternehmen versuche, eigene Anlagen auf diese Weise so weit es gehe zu schützen. „Das ist eine wasserwirtschaftliche Anlage, kein Biotop“, stellt der Verantwortliche klar. Denn die Tiere würden Löcher in die Böschung des Regenbeckens buddeln und dort Behausungen bauen. „Irgendwann bricht noch die Böschung ein“, begründet Schiess, weshalb die Stadtwerke selbst aktiv würden. Alle Tiere seien im Bereich der Elbe artgerecht umgesetzt worden.

Der Bisam ist hier im Landkreis eher selten.

Vertreiben ließ sich die invasive Art nicht so einfach. Auch die Jagd kommt aufgrund der Nähe zur Wohnsiedlung „Grüne Kuhle“ nicht in Betracht, wie der Landkreis Stendal auf AZ-Anfrage bestätigt. „Das Regenrückhaltebecken dürfte sich im besiedelten Bereich befinden. Damit gilt die Fläche als befriedeter Bezirk, der zu keinem Revier gehört und in dem die Jagd ruht“, erläutert die Jagdbehörde den Sachverhalt. Jedoch bestünde für schadensverursachende Tiere ein spezielles Notstandsrecht. Soweit Eigentümer befriedeter Flächen Schäden befürchten, dürfen die Tiere gefangen, getötet und sich angeeignet werden (Paragraf 8, Absatz 2 Landesjagdgesetz Sachsen-Anhalt). Eine Genehmigung der Jagdbehörde bedürfe es dafür nicht, informiert das Amt weiterhin. Eine Rücksprache etwa über das Aufstellen von Fallen sei aber empfehlenswert.

In der Umweltbehörde wird laut Beschreibung übrigens davon ausgegangen, dass es sich bei den Tieren um Nutrias handelt. Schwimmend im Wasser sei die Unterscheidung schwierig, räumt der Landkreis ein. Jedoch seien Bisamratten hier in der Region eher selten. Nutrias werden auch Biberratten genannt und stammen aus Südamerika. Die Bisamratte kommt hingegen aus Nordamerika, ist kleiner und hat einen seitlich abgeplatteten Schwanz. Auch was das Jagdrecht angeht, unterscheiden sich die Tierarten. Zwar würden beide Arten als invasive, gebietsfremde Arten geführt, jedoch unterliege der Bisam nicht dem Jagdrecht.

Aus naturschutzfachlicher Sicht bestünde am Regenauffangbecken unweit der „Grünen Kuhle“ allerdings kein Handlungsbedarf, kann die AZ in Erfahrung bringen. „Da hier keine naturschutzrechtlichen Schutzgüter betroffen sind oder beeinträchtigt werden“, sie die Umweltbehörde deutlich macht. Für die Stadtwerke Tangermünde heißt das, weitere Fallen aufstellen und weitere Tiere umsetzen. „Fünf Tiere haben wir schon gefangen“, berichtet der Betriebsleiter der AZ.

VON LAURA KÜHN

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