„Es führt eine Brücke zueinander“

875 Jahre Jerichow: Nachbar Tangermünde gestaltet Jubiläum mit

+
Jerichow zieht an: Im Klostergarten finden auch regelmäßig ausgesprochen mittelalterliche Feste statt.

Jerichow – „Die Elbe trennt uns nicht. Es führt ein Weg, eine Brücke zueinander“, weiß Ortsbürgermeister Andreas Dertz. Jerichow im gleichnamigen Landkreis feiert und der altmärkische Nachbar Tangermünde ist mittendrin.

Der Ort mit dem scheinbar urbiblischen Namen auf der anderen Seite des Flusses ist vor 875 Jahren erstmals urkundlich erwähnt worden, das Jubiläum wird am 22. Juni begangen.

Dertz, Mitorganisator und Koordinator des Stelldicheins, hofft auch auf zahlreiche Gäste aus der Altmark.

Die Kostüme für den historischen Umzug, den Höhepunkt des Tages, stammen überwiegend aus der Tangermünder Werkstatt von Sabine Pauke-Witte. Das Bild auf einem Plakat zum Fest hat Rieke Schmieder gemalt, sie wohnt in Jerichow und betreibt in der Kaiserstadt die Galerie am Tor. Und Dertz selbst ist Musiklehrer an der Sekundarschule „Hinrich Brunsberg“ in Tangermünde. Er pendelt regelmäßig hin und her. Beide Orte liegen nur wenige Kilometer Luftlinie voneinander entfernt.

Der Name Jerichow soll slawischen Ursprungs sein und so viel wie „Burg des Tapferen“ bedeuten. Anlass der Ersterwähnung war die Gründung des Klosters Jerichow durch den Prämonstratenser-Orden. Der Standort wechselte aus dem Zentrum, wenige Jahre später wurden Stiftskirche und Basilika errichtet. Die Gebäude gelten als wichtige Werke der Backsteinromanik. Der imposante Komplex ist bei gutem Wetter bis weit hinein in die Altmark sichtbar, beliebtes Ausflugsziel und sowieso wichtiger Teil der Straße der Romanik.

Das frühere Kloster, ein Besuchermagnet.

Und so startet der Festumzug an dem Sonnabend um 11 Uhr auch direkt vor dem früheren Kloster. 875 Jahre Geschichte, die auch einiges mit der Region nebenan zu tun haben dürfte, werden in Bildern dargestellt. Noch soll nicht alles verraten werden. Der Umzug endet am Festplatz zwischen dem ehemaligen Bahnhof, Poeges Hotel und der Feuerwehr. Die Jerichower versprechen ein abwechslungsreiches Kulturprogramm. Ortsansässige Vereine und Institutionen machten schon jetzt in ihren Veranstaltungen auf das Jubiläum aufmerksam.

Offiziell eröffnet wird das Fest um 13 Uhr auf der Bühne. Der Schützenkönig wird bei der Gelegenheit proklamiert. Kindertagesstätte und Grundschule gestalten am Nachmittag ein Programm. Eine Voltigiergruppe will für Unterhaltung sorgen, genauso wie das Genthiner Blasorchester, eine einheimische Tanzgruppe sowie das Jerichower Amateurtheater mit dem Stück über den Ritter im Wappen des Ortes. Ab 21 Uhr gehört die Bühne der altmärkischen Band Vehikel. Ein Feuerwerk steht für 23 Uhr im Programm.

Der Festumzug umfasst 15 Teile. Die Slawen dürfen nicht fehlen, auch die ersten Herren von Jerichow und der Orden nicht. An das Natursteinvorkommen, aus dem für das Kloster geschöpft wurde, und Jerichows Rolle als Handwerker- und Ackerbürgerstädtchen soll ebenfalls erinnert werden. Auch Reformation und Ritter Hans von Krusemark, erster weltlicher Verwalter, rücken ins Blickfeld. Dazu kommen Themen wie Dreißigjähriger Krieg, Seidenbau sowie Tabak- und Kartoffelanbau, Leben nach 1871 und 100 Jahre Kleinbahn in der Gegend.

VON MARCO HERTZFELD  

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare