Interessenten am 24. Juni eingeladen / Verkauf CJD Billberge noch offen

Investorengruppe plant „Öko-Dorf“ in Billberge

Seit 1991 existiert der CJD-Standort. Er liegt zwischen Arneburg und Tangermünde direkt an der Elbe.
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Christliches Jugendwerkdorf Billberge steht vor dem Verkauf.
  • Antje Mahrhold
    VonAntje Mahrhold
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Billberge/Stendal – Mit einem „optimalen Verkaufserlös“ für die derzeitigen Nutzer hat sich eine der AZ bekannte Investorengruppe in die Reihen der zuletzt drei Kaufinteressenten für das seit Monaten zum Verkauf stehende Christliche Jugenddorfwerk (CJD) Billberge gemischt.

Die Gruppe will das 13 Hektar große Gut zu einem „ökologischen Musterort internationaler Ausrichtung“ mit autarker Energieerzeugung entwickeln. Und sie will für das zu Tangermünde zählende Dorf, in dem es noch zwei Privathäuser gebe, laut der AZ vorliegendem „unverbindlichen Kaufangebot“ mehr als eine halbe Million Euro berappen. Bei den potenziellen Käufern handele es sich um „Bürger aus der Region“. Sie schätzen den Investitionsbedarf auf dem Areal aktuell auf mehr als 1,7 Millionen Euro ein.

Die letzte überbetriebliche Ausbildung in Billberge endete bereits vor drei Jahren. Am Standort betreibt das CJD derzeit lediglich Angebote der Jugendhilfe und begleiteten Elternschaft. Dieses Betätigungsfeld wird demnächst in ein angemietetes Objekt nach Genthin verlegt. CJD-Mitarbeiter werden ihren Arbeitsplatz künftig dort haben. Dem CJD waren im Lauf der Zeit wegen Bedarfsmangel die Lehrlinge abhandengekommen, obwohl das idyllische Gelände mit eigenem Elbstrand für edle Rösser für die Ausbildung von Pferdewirten namhaft bekannt gewesen ist. Bis 2011 hatte der Standort in 20 Jahren mehr als 1000 junge Frauen und Männer ausgebildet. Auch eine Tierklinik hatte es in der Anlage einst gegeben, ebenso eine Gaststätte, die nicht nur Fahrradtouristen erfrischte.

Die aktuellen Nutzer kauften das frühere Volkseigene Gut Arneburg (VEG) im Jahr 1991 für 30 Jahre vom Landkreis. Der Vertrag enthält ein Wiederkaufsrecht für den Landkreis, wonach das CJD den damaligen vergünstigten Kaufpreis für das Gelände mit Reithalle, Wohnhäusern, Werkstatt, Lager und Kirche inklusive maroder Gruft bei künftiger nicht gemeinnütziger Nutzung im Nachhinein aufstocken müsste.

Das Christliche Jugendwerkdorf Billberge steht vor dem Verkauf.

Bei einem Vor-Ort-Termin hatten sich die Mitglieder des Kreis-Finanz-, Haushalts- und Liegenschaftsausschusses Ende März von CJD-Regionalvorstand Samuel Breisacher durch das Billberger Domizil führen lassen. Der Verantwortliche hatte den Verkauf bei dem Treffen als „emotionales Thema“ bezeichnet. Der Standort ist bekanntlich auch Sitz des Reit- und Sportvereins „Ferdinand von Schill“ (RSV) Billberge, der 1966 gegründet wurde, aus dem Reitverein Sanne sowie der Betriebssportgemeinschaft des VEG Arneburg hervorging und über eine Motorsport-Abteilung verfügt.

Nachdem es geplant gewesen sei, dass sich der Kreistag aller Voraussicht zum Verkauf des CJD noch in der Sitzung in dieser Woche positioniere, sei die Investorengruppe des geplanten Billberger „Öko-Dorfs“ nun für den 24. Juni eingeladen worden, wie ein Mitglied der Gruppe, das anonym bleiben will, der AZ berichtet. Das Konzept liege inzwischen allen Kreistagsmitgliedern vor. Die Investoren planen im beschaulichen Elbdorf einen „Versuchs- und Lehrstandort“ für Ökokonzepte zur Wasser- und Abwasserbehandlung, die für Entwicklungsländer bedeutsam seien. Auch Sonnenenergie, kleine Windkraftanlagen und Wärmepumpen seien geplant.

Das Christliche Jugendwerkdorf Billberge steht vor dem Verkauf.

Erproben wollen die Investoren in Billberge auch Mobilitätskonzepte für den ländlichen Raum mit Carsharing und Elektrofahrzeugen. Auch ein Technologiezentrum als Domizil für Startup-Firmen, deren Geschäftszweck Ökotechnologien für Energie, Abfall und Ernährung seien, stehe auf der Liste. Bioproduktion sei geplant mit Schafherden, die die Deiche beweiden, und auch Ökolandbau für Mensch und Tier. Revitalisiert werden soll die einstige Billberger Tierklinik, die im Umkreis von 100 Kilometern keine Konkurrenz habe. In ihr könne in Sachen alternative Tiermedizin geforscht werden, wofür eine Zusammenarbeit mit Universitäten angestrebt werde.

Der Reitvereinsbetrieb werde erhalten, versichern die Investoren. Sie machen auch Arbeitsplatzversprechen: Für Verwaltung, Instandhaltung und Entwicklung würden sieben Festangestellte benötigt. 25 Mitarbeiter könnten in Einzelprojekten wirken.

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