Handwerk – zu anstrengend?

Tangermünder Traditionstischlerei beklagt mangelnde Bewerberzahlen

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Mit dem Namen „Golden Odyssey“ ist diese Yacht, deren Innenausstattung maßgeblich Tangermünder Tischler montierten, vor allem im arabischen Raum unterwegs.

Tangermünde. Früher war alles besser, heißt es. Alles vielleicht nicht. Wenn es jedoch darum geht, motivierten, fähigen und gebildeten Nachwuchs zu finden, war es früher deutlich einfacher für Betriebe.

Das kann auch Tino Berndt bestätigen, der in dritter Generation einen weltweit agierenden Tischlereibetrieb in Tangermünde leitet. „Mein Vater bekam noch Stapel an Bewerbungen auf den Tisch. “ Nun sind es allerdings nur noch drei bis vier Bewerbungen, die auch nicht immer von großen Ambitionen zeugten. So ist die Auswahl stark rückläufig, was in Zukunft einen weiteren Mangel an in der Altmark ausgebildeten Fachkräften bedeute. Und auch jene, die bereits gelernt haben, sind rar und von den Betrieben, aus der Erfahrung von Tino Berndt heraus, hart umworben. Aktuell sucht sein Unternehmen einen Projektleiter, zwei Arbeitsplätze sind in der Tischlerei frei. Und auch Azubis werden gern aufgenommen, „wenn sie nicht nach ein paar Monaten das Handtuch werfen, weil ihnen das Handwerk körperlich zu anstrengend ist. “ Dabei ist gerade das Handwerk begehrt.

Deutscher Qualitätsstandard „made in Tangermünde“ ist weltweit gefragt. Nicht ohne Grund sind aktuell acht Mitarbeiter der Tangermünder Traditionstischlerei Berndt in Japan aktiv. In Nagasaki sind die Handwerksexperten aus der Kaiserstadt als wichtiges Glied unter 3 000 Arbeitern involviert, die das Ozean-Ausflugsschiff „Aida Prima“ fertigstellen.

Dabei bleiben die Altmärker acht Wochen am Stück am Pazifik, um unter anderem Möbel und Decken im Innenausbau innerhalb eines Bordrestaurants zu montieren. Die insgesamt 50 Mitarbeiter sind nicht nur im Außendienst unterwegs. Auch wenn die Arbeit in verschiedenen Werften der Welt eine wichtige Säule des seit 1935 bestehenden Betriebes ist. So wurde zum Beispiel in jüngster Zeit eine Yacht fertiggestellt, die unter dem Namen „Golden Odyssey“ im arabischen Raum übers Wasser gleiten wird. 124 Meter lang ist die Yacht, deren edler Innenausbau aus altmärkischer Hand stammt.

In heimischen Gefilden sind die Tischler ebenfalls aktiv. Der ein oder andere Frisörbetrieb, aber auch Banken und andere Geschäfte profitierten von dem Fachwissen mit dem Werkstoff Holz. Auch Privatkunden nehmen oft die Dienste der Werkstatt und der Monteure in Anspruch. Ob Möbelstücke, Treppen oder Haustüren – alles, was mit Holz zu tun hat, können die Tangermünder in Form bringen und nach den Wünschen der Kunden gestalten. Ebenfalls im Angebot ist die Montage von Fenstern.

In dritter Generation führt Tino Berndt die Geschäfte zusammen mit Tischlermeister Gert Wiegleb, welcher auch als Prokurist der Holztec Innenausbau GmbH arbeitet. Tino Berndt übernahm von Vater Wolfgang die Leitung vor nunmehr anderthalb Jahren und war zuvor seit 1998 als Prokurist im Traditionsunternehmen tätig. Noch immer ist Wolfgang Berndt als beratende Kraft aktiv, führte den zu DDR-Zeiten als Nebengewerbe laufenden Betrieb nach der Wende in internationale Gewässer.

Von Alexander Postolache

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