1. az-online.de
  2. Altmark
  3. Tangermünde

Hafenschlamm in Tangermünde kann sich 2022 lösen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Marco Hertzfeld

Kommentare

Ein Schild am Tangermünder Hafenbecken weist auf Schlammgefahr hin.
Momentan führen Elbe und Tanger viel Wasser, das Hafenbecken ist gut gefüllt. Ein Schild auf der Schleusenbrücke lässt nicht vergessen, dass es bei Trockenheit anders aussieht. © Marco Hertzfeld

Das Hafenschlamm-Problem in Tangermünde soll sich 2022 endlich lösen. Bürgermeister Jürgen Pyrdok sieht positive Signale für den nötigen Landkauf. Der Schlick soll auf Elbwiesen gleich nebenan.

Tangermünde – Ein Foto von 2016 zeigt Siebtklässler, die trotz des Schlamms im Hafenbecken auf einen Fisch an der Angel hoffen. Die Jungs dürften inzwischen im Berufsleben stehen. Gut sechs Jahre sind vergangen. Die Herausforderung, das Hafenbecken von Sedimenten zu befreien, ist noch ein Stück älter. Tangermündes Bürgermeister Jürgen Pyrdok (parteilos) weiß das sehr wohl und redet erst gar nicht um den heißen Brei herum. Doch nun sieht der Rathauschef tatsächlich einen realistischen Weg, das Problem nicht zuletzt für Wassersportler, Freizeitkapitäne und Fahrgastschifffahrt aus der Welt zu schaffen. „Lebensraumtyp“ heißt das Zauberwort seit einigen Wochen. Läuft alles einigermaßen glatt, könnte das Projekt vielleicht sogar dieses Jahr schon umgesetzt sein.

Das Hafenbecken in Tangermünde fällt in warmen Sommern trocken.
In warmen und sonnenreichen Monaten sieht das Hafenbecken so aus. Mitunter breiten sich auf der Schlammschicht die Gräser auch kniehoch aus. © Günther Krach

Umweltbehörden müssen absegnen

„Ich bin natürlich Laie“, baut das Stadtoberhaupt lächelnd vor und erläutert das Vorhaben für die AZ dennoch gern einmal. Der Hafendeich ist an die 500 Meter lang. Auf den Flächen dahinter soll besagter Lebensraumtyp angelegt werden. Die Oberfläche werde abgenommen. Die Sedimente wechseln sozusagen die Seite, Arbeiter verfrachten sie aus dem Hafenbecken hinter den Deich. Eine Sandschicht spielt eine wichtige Rolle, genauso wie der Mutterboden obenauf. Und schließlich sollen seltene Pflanzen angesiedelt werden, eine Wiese kann entstehen, die es vielleicht so in der Umgebung noch nicht gibt oder nicht mehr in dem Maße. Die Flächen hinterm Deich gehören der Landgesellschaft Sachsen-Anhalt. Es gebe erste positive Signale für einen Verkauf, bestätigt Pyrdok.

Kosten bleiben in den Millionen

Der Weg scheint noch steinig und dennoch stehen Politik und Verwaltung der Kaiserstadt nicht mehr am Anfang. Eine Leistungsbeschreibung laufe derzeit. Ein entscheidender Antrag sei noch nicht gestellt. Natürlich solle alles auch ordentlich ausgeschrieben werden, Genehmigungen müssten her. Das Kreisumweltamt ist die zuständige Behörde, wird aber laut Pyrdok sicherlich auch Landesstellen an dem Verfahren beteiligen. Gespräche laufen. Finanziert werden soll das Hafenschlammprojekt möglichst umfassend durch das Land und die Investitionsbank, Fördermittel sind und bleiben wichtig. Auf eine konkrete Kostenzahl will sich der 63-Jährige nicht festnageln lassen. „Wir gehen in die Millionen rein, daran ändert sich nun einmal nichts.“

Pyrdok glaubt an „Lebensraumtyp“

Der Tanger mündet in Tangermünde in die Elbe. Auf den namensgebenden Fluss können die Verantwortlichen nicht groß sauer sein. Der Tanger trägt Sedimente ins Hafenbecken, die sich dort übermäßig ablagern. In trockenen Sommern tritt die Misere besonders zutage, mitunter reicht der Schlamm bis zum Anlegesteg der Wassersportler. Auch für Fahrgastschiffe dürfte es ohne das Projekt zunehmend eng werden. Und selbstredend: Wer über den Schlamm spricht, redet seit spätestens 2020 auch über die „Marina Tangermünde“. Ein Privatunternehmer aus Parey will zwischen Hafencity, Deich und Gelände des Wassersportvereins schwimmende Hotels schaffen. Ein neues Angebot in unmittelbarer Nähe zur Altstadt, es soll den Tourismusstandort stärken (die AZ berichtete).

Kommentar von AZ-Redakteur Marco Hertzfeld
Anti-Schlick-Projekt / Buddeln allein reicht nicht
Die Schiffswerft in der Nähe, die Wassersportler direkt am Platz, die Freizeitkapitäne, das Marina-Projekt – alle wollen und sollen einbezogen sein, irgendwie jedenfalls. Dass der Hafen der Kaiserstadt mit Schlamm zu kämpfen hat, müssen Politik und Verwaltung vielleicht seit gut zehn Jahren auf dem Schirm haben. Einiges soll beachtet werden, einfach drauflos und buddeln, funktioniert nun einmal nicht. Sonst haben etwa die Schiffsbauer schnell einmal Sand im Getriebe. Dass die Tangermünder an dem Punkt einander nicht groß mit Schmutz bewerfen, muss nicht von Nachteil sein.

Auch interessant

Kommentare