Ein Verein stellt sich vor: Tangermünder Karnevalisten begeistern ihr Publikum seit fast 35 Jahren / Neues Tanzmariechen

Zum 34. Mal ertönt Schlachtruf des TCV

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Derzeit trainieren die Tänzerinnen des TCV freitags und sonntags. Jeder Schritt der Choreografien muss sitzen. Der Spaß bleibt dabei aber auf jeden Fall nicht auf der Strecke.

Tangermünde. Sie praktizieren ihn noch, den klassischen Karneval. „Aber immer mit modernen Nummern, wir versuchen den Zeitgeist einzufangen“, erklärt Knut Oldenburg, Präsident des Tangermünder Carneval Vereins (TCV).

Büttenreden, Tanzeinlagen und Sketche bilden das Grundgerüst des bunten Programms, dass seit fast 35 Jahren zahlreiche Tangermünder erfreut. „Wir haben noch ein echtes mehrstündiges Programm mit 20 Nummern und nicht nur eine Tanzveranstaltung wie manch andere“, ergänzt Oldenburg, der bereits seit sechs Jahren als Präsident fungiert.

Der Schlachtruf „TCV Helau – Schlau Schlau“ lehnt an die Entstehung des Vereins an. Alles begann mit einem Schulfasching der Tangermünder Berufsschule im Jahre 1978. Dort entstand die Idee, einen Carnevalsverein zu gründen. Der Kommunale Carnevalvereins (KCV) war geboren. Damals traten die Akteure unter Präsident Klaus Nikoleit, damaliger Schuldirektor, vor Lehrlingen auf. Die erste öffentliche Veranstaltung ging im Jahr 1981 im Jugendclubhaus über die Bühne, allerdings als Berufsschul Carneval Verein (BCV). Die erste Großveranstaltung für die Tangermünder Narren folgte im Jahr 1982. Den Titel „Hervorragendes Volkskunstkollektiv der DDR“ erhielten die Jecken des BCV in den Jahren 1984, 1986 und 1988. Mitte der 1980er Jahre eröffneten die Vereinsmitglieder zum ersten Mal die Karnevalssaison auf dem Marktplatz der alten Kaiserstadt.

Auch die Wirren der Wendezeit überstanden die Jecken, perfektionierten ihr Programm und präsentierten es unter dem neuen Namen TCV. Die 1990er Jahre waren die Hochzeit für die Karnevalisten, seit der Jahrtausendwende hat der Zuspruch etwas abgenommen. Den Saal des ehemaligen Elbparks und den des Kulturhauses bekommen die Jecken dennoch voll. Die Tangermünder bleiben ihren Narren einfach treu.

Mehr Zulauf wünschen sich die Vereinsmitglieder für die Weiberfastnacht, dieses Jahr am Freitag, 8. Februar, ab 19.19 Uhr im Kulturhaus. Organisiert wird der Abend von den Frauen des Vereins. Die Männerballettgruppen befreundeter Vereine und die eigene Sportlergruppe treten dort auf. Eigene Männer sind an diesem Abend übrigens verboten, sie werden höchstens zum Arbeiten abbestellt. Weiß ein weibliches Wesen nicht so recht, wo es ihren Gatten den Abend über lassen soll, kann dieser im Männerruheraum abgegeben werden. Erst ab 22 Uhr darf das männliche Geschlecht mitfeiern. „Die Weiberfastnacht feiern wir untypisch freitags, damit es sich auch für alle Seiten lohnt“, sagt Oldenburg.

Besonders stolz sind die Jecken auf ihr Mitglied Marie-Theres Konschake, amtierende Landesmeisterin der Junioren. Ein zweites Tanzmariechen hat sich herauskristallisiert: Julia Jazyna. Ihr Trainingspensum hat sich somit deutlich erhöht.

Wie viel Vorbereitung und Aufwand in der Organisation des Vereinslebens stecken, wird beim Betrachten des zweiten Februarwochenendes deutlich. Nach der Weiberfastnacht am Freitagabend, geht es am Sonnabendvormittag zum großen Umzug nach Osterburg. Nachmittags wird der Umzugswagen für die Teilnahme in Köthen neu bestückt, am Abend geht die zweite Prunksitzung über die Bühne. Sonntags wird das Kulturhaus aufgeräumt. Am Montag fahren die Jecken um 6.30 Uhr nach Köthen, bauen den Wagen auf und starten um 11.11 Uhr mit beim Umzug. Die Schlüsselrückgabe an Tangermündes Bürgermeister ist für Aschermittwoch um 11.11 Uhr geplant. Dann ist die 34. Session des TCV offiziell beendet.

Doch auch außerhalb der Narrenzeit treffen sich die 80 Akteure. Auch in diesem Jahr soll es ein Sommerfest geben. Die Proben für die 35. Session, wieder ein Jubiläum, beginnen bereits im Spätsommer. Übrigens ist der Verein immer auf der Suche nach neuen Talenten, sei es für Gesang oder Tanz. „Jeder ist willkommen, ob Jung oder Alt“, lockt der Präsident.

Übrigens gibt es für alle Veranstaltungen der Tangermünder Jecken noch Karten in der Tintentanke zu erstehen.

Von Berit Wagner

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