Erste juristische Schritte

Anklage im Fall „Holzpelletwerk“: 84 Straftaten in der Prüfung

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An der Stichstraße „Zum Meyerschen Hafen“ ruht seit knapp fünf Jahren der Betrieb. Die Geschäftsführung wird sich nun wahrscheinlich bald verantworten müssen.

Tangermünde. Still ist es auf dem Betriebsgelände an der Stichstraße „Zum Meyerschen Hafen“ – und das seit knapp sechs Jahren. Nun kommt Bewegung in die Geschichte des Tangermünder Holzpelletwerkes, zumindest juristisch. 84 Straftaten sind in der Anklageschrift festgehalten.

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Die Staatsanwaltschaft hat das Dokument, welches Vergehen der Steuerhinterziehung, des Subventionsbetrugs, der Investitionsverschleppung sowie das Vorenthalten von Sozialversicherungsbeiträgen beinhaltet, am 28. Mai dieses Jahres an die Wirtschaftsstrafkammer der Landeshauptstadt Magdeburg übergeben. Zwei Männer müssen sich wahrscheinlich in nächster Zeit für das vor Gericht verantworten, was im Zeitraum vom Mai 2007 bis November 2010 geschah.

Das Wort „wahrscheinlich“ kommt in diesem Zusammenhang zur Anwendung, da das Landgericht Magdeburg erst einmal in einem gerichtlichen Zwischenverfahren seit Juni prüft, ob die Hauptverhandlung eröffnet wird. Dabei kann es immer noch zu Änderungen der Anklage kommen, oder dazu, dass diese aus Mangel an belastendem Material abgelehnt wird. Beschuldigt sind der Geschäftsführer sowie der alleinige Gesellschafter. Letzterer habe laut Landgerichtssprecher faktisch die Geschäftsführung inne.

Auf den Ausgang des Zwischenverfahrens und vor allem auf das Urteil einer möglichen Hauptverhandlung ist auch Tangermündes Bürgermeister Jürgen Pyrdok gespannt. „Wir haben als Stadt natürlich ein sehr starkes Interesse an einer lebendigen Industrie und sind an einer wirtschaftlichen Weiterentwicklung interessiert.“ 2008 wurde der Antrag für den Bau des Werks gestellt, resümiert das Stadtoberhaupt. Im September des Folgejahres wurde der Betrieb aufgenommen. Nach drei Monaten wurde dieser wieder eingestellt. Die Preise für das zu verarbeitende Holz seien damals als Grund vom alleinigen Gesellschafter Michael K. genannt worden.

Pyrdok hofft nun, dass es nach dem Urteil vielleicht weiter geht. Schließlich wurden „18 bis 20 Millionen Euro am Standort investiert, von denen rund 1,3 Millionen Euro vom Land Sachsen-Anhalt als Förderung kamen.“ Zudem bedauert er, dass immerhin 30 Arbeitsplätze direkt mit der Stilllegung des Betriebes in der Stadt Tangermünde verloren gingen.

Von Alexander Postolache

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