Expertenteam aus Templin in Tangerhütte

Tourismus: Erfolgsgeheimnis verraten

Eine Menschengruppe steht vor dem Eingang eines Rathauses.
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Ernst Volkhardt (Mitte), Geschäftsführer der Templiner Tourismus- und Marketinggesellschaft, besuchte mit einer Delegation Tangermünde. Begrüßt wurde er unter anderem von Kämmerin D. Hinz und Mitgliedern des Ausschusses für Wirtschaftsförderung und Tourismus.
  • VonGünther Krach
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Die altehrwürdige Hanse- und Kaiserstadt Tangermünde gilt unter vielen Touristen als die schönste Kleinstadt Deutschlands, weil sie neben alten Backstein-auch schöne Fachwerk-Bauten und mehr zu bieten hat. Das bringt Geld in die Stadt, was jetzt sogar noch ausgebaut werden soll, wofür es auch ein Konzept gibt (AZ berichtete).

Tangermünde – Auch wenn es den Tangermündern schwerfällt, das einzugestehen: Es gibt noch attraktivere Städte, auch wirtschaftlich gesehen. Eine davon ist die Stadt Templin in der Uckermark. Das blieb auch den Mitgliedern des Ausschusses für Wirtschaftsförderung und Tourismus sowie Verwaltungsmitarbei-tern der Stadt nicht verborgen, die sich jetzt mit der Vorbereitung der Errichtung eines Erlebnispunktes für Tagestouristen, Wassersportler, Städtereisende, Fahrrad-Touristen und erholungsuchende Naturfreunde beschäftigen, der im und am Tangermünder Hafen durch einen Investor entstehen soll.

Im Grete-Minde-Saal im Rathaus verriet Tourismus-Profi Ernst Volkhardt vor Stadträten, Geschäftsleuten und interessierten Bürgern das Geheimnis seines Erfolges.

Einen derartigen Erlebnispunkt, „Dein Lieblingsplatz“ genannt, hat dieser Investor schon in Parey, im Jerichower Land, seinem Wohnort, errichtet. Einen zweiten „Erlebnispunkt“, bestehend aus fünf schwimmenden Iglus, zu denen noch drei weitere kommen sollen, betreibt der Pareyer in Templin in der Uckermark, nördlich von Berlin. Er ist dort Bestandteil der Aktivitäten des Tourismus- und Marketing GmbH, ein Unternehmen, das touristische, kulturelle und sportliche Aktivitäten bündelt. Beim Besuch des Erlebnisdorfes in Parey Mitte Juni entstand die Idee, auch der Stadt Templin, eine Kleinstadt wie Tangermünde, einen Besuch abzustatten, um deren umfangreiche Angebote kennen zu lernen, die begeisterten, wie nach dem Besuch Ende Juni zu hören war. Dabei wurde auch ein Gegenbesuch des Geschäftsführers in Tangermünde vereinbart, der zu Wochenanfang stattfand.

Ernst Volkhardt, der Geschäftsführer der Tourismus- und Marketing Templin GmbH war nun für zwei Tage in Tangermünde, um über seine Arbeit zu berichten, die er dort seit dem Jahr 2015 mit vielen Partnern erfolgreich gestaltet. Mit einem Stadtrundgang, dem Besuch des „Altmärkischer Regional- und Tourismusverband“, einer Schiffsfahrt auf der Elbe und einem Abendessen mit Mitgliedern des Ausschusses für Wirtschaftsförderung und Tourismus am Montag begann sein Besuch in der Kaiserstadt, dem noch kurzfristig ein spätes Treffen mit Geschäftsleuten der Stadt angehängt wurde. Am Dienstagvormittag besichtigte Volkhardt einen Reiterhof in Buch und sprach am Nachmittag vor Interesszenten über seine Tätigkeit in Templin. „Templin hat 6000 Einwohner mehr als Tangermünde, war schon immer eine gut besuchte Region, weil es mitten in gesunder Natur liegt, ein Thermal-Soleheilbad besitzt, eine „Westernstadt“, eine Go-card-Bahn, einen Wohnmobilstellplatz, einen Sportboothafen mit Bootsverleih, ein tolles „Familien“-Hotel sowie viele Kultureinrichtungen mit dementsprechenden Angeboten. Alles wird, sozusagen aus einer Hand, von der GmbH miteinander verknüpft, was den Ort so anziehend für Touristen macht“, war die Quintessenz der Informationen die Volkhardt in seinen Treffen mit den Tangermündern vermittelte.

Seine GmbH, die aus 15 festen Mitarbeitern und drei Azubis und in der Therme noch einmal aus 60 Angestellten besteht, kann über 2000 Betten verfügen (Tangermünde über rund 500), womit er bis zu 380 000 Übernachtungen pro Jahr erreicht, was 40 Prozent der Übernachtungen in der gesamten Uckermark ausmacht. Und die Gäste bleiben im Schnitt bis zu 2,8 Tage, in Tangermünde sind es nur 1,6. Die GmbH erwirtschaftet pro Jahr eine Million Euro, die sie aber auch wieder investiert. Die Stadt gibt eine eigene Zeitschrift heraus und betreibt eine aktuelle Inter-netseite, vergibt Jahreskarten, die zu kostenlosen Busfahrten bis in Ortsteile berechtigen, verkauft in Verbindung mit 47 Geschäften Gutscheine und ist in den sozialen Medien aktiv. Volkhardts Informationen waren beeindruckend, auch glaubhaft, weil sie mit Zahlen untersetzt waren. Deutlich wurde aber auch, dass es ohne gutes Personal und eine ordentliche Bezahlung nicht geht und dass diese vielen Aufgaben nicht durch Ehrenamtliche erledigt werden können – was den anwesenden Bürgermeister zu der Schlussfolgerung veranlasste, eine ähnliche Struktur in den nächsten Jahren in der Kaiserstadt schaffen zu wollen.

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