Umweltministerin Claudia Dalbert stellt Hochwasserschutzprojekte vor

„Eine Aufgabe für Generationen“

Umweltministerin Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen) möchte die Betroffenen frühzeitig in die Diskussion einbinden.

Tangermünde. Sachsen-Anhalts Flüsse sollen wieder mehr Raum erhalten, um im Falle eines Hochwassers besser standzuhalten. „Das ist eine Aufgabe für Generationen“, sagte Umweltministerin Claudia Dalbert (Bündnis 90/Grüne) bei einer Informationsveranstaltung in Tangermünde.

Rund 60 Interessenten, meist Bürgermeister und Verbandsvertreter, wollten sich darüber informieren, was in der Region in Sachen Hochwasserschutz für die Zukunft geplant ist.

Die Ministerin wies darauf hin, dass bereits seit 2002 am „Hochwasserschutzkonzept 2020“ des Landes gearbeitet wird. Bisher ging es dabei in erster Linie um die Deichsanierung. Nun werde das Konzept um ein Programm „Mehr Raum für die Flüsse“ ergänzt, das Deichrückverlegungen und die Schaffung von Retentionsflächen vorsieht. Genau 27 Flächen an Elbe, Saale und Weißer Elster wurden für solche Hochwasserschutzmaßnahmen auserkoren. Aus der Altmark sind acht potenzielle Projekte mit dabei.

Damit sollen die „Sünden“ unserer Altvorderen rückgängig gemacht werden. Durch Flussbegradigungen verlor allein die Elbe 80 Kilometer von ihrem Lauf. Das hatte nicht nur Auswirkungen auf die angrenzenden Biotope, sondern erhöhte auch die Fließgeschwindigkeit, was wiederum zu stärkerer Erosion führe, erläuterte Burghard Henning, Direktor des Landesbetriebes für Hochwasserschutz.

Würden alle Maßnahmen (19 Deichrückverlegungen und neun Polder) umgesetzt, erhielten die Flüsse 12 500 Hektar ihres natürlichen Retentionsraumes (die Fläche, in dem sich das Wasser ungehindert ausbreiten kann) zurück. Das entspricht rund fünf Prozent von einst 2 300 Quadratkilometern. Fünf Vorhaben, darunter der Tangerpolder bei Tangermünde und die Deichrückverlegung Werben Süd, sind in eine niedrige Priorität eingestuft. Ob wirklich alle umgesetzt werden, darauf wollte sich die Ministerin nicht festlegen.

Es gebe noch keine genauen Planungen. Bevor diese erarbeitet werden, solle das Thema ausführlich mit den Betroffenen diskutiert und diese in den Prozess mit eingebunden werden. Dazu diente auch die Informations-Veranstaltung in Tangermünde. Es war nach Halle und Dessau die Dritte ihrer Art. Einen genauen Zeitplan und Kostenrahmen konnte die Ministerin nicht nennen. Schätzungsweise werde eine halbe Milliarde Euro aus Bundes- und EU-Töpfen benötigt. Die ersten Projekte könnten voraussichtlich in zehn, die weiteren in 20 bis 30 Jahren umgesetzt werden.

Von Christian Wohlt

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