Vollsperrung der Elbbrücke Tangermünde bringt den ADFC auf den Plan

„Ein unglaubliches Versagen“

+
B 188: Fahrbahn-Verbot für Radfahrer. Der Fahrradclub ist wegen der achtwöchigen Sperrung der Elbbrücke auf den Barrikaden. Er fordert eine „umgehende Lösung, die den Radverkehr nicht benachteiligt und ausschließt“.

mei Tangermünde. Die Elbbrücke Tangemünde ist mitten in der Hochsaison acht Wochen für Radfahrer gesperrt. Das bringt den Allgemeinden Deutschen Fahrradclub (ADFC) auf den Plan, der diese Vollsperrung für ein „unglaubliches Versagen jeglicher Koordinierung“ hält.

„Über den Stau ärgert sich manch Autofahrer. Doch Autofahrer haben einen Vorteil, sie kommen irgendwann am anderen Elbufer unter Nutzung der Brücke an“, resümiert Mario Peine, Vize-Landesvorsitzender des ADFC Sachsen-Anhalt. Hingegen sei die Brücke für Radfahrende offiziell für die acht Wochen Bauzeit komplett gesperrt. „Mit einem intelligent angepassten Bauablauf“, so glaubt Peine, „wäre eine gute Lösung möglich gewesen“.

Der ADFC hatte sich im Juni intensiv um eine radfahrfreundliche Lösung bei der Landesstraßenbauverwaltung und beim Landkreis bemüht. „Es sah zunächst nach einer möglichen Lösung aus. Am Ende verweigerten alle amtlich Beteiligten einen Kompromiss“, so Peine weiter. Die Verkündung des Nein sei symbolträchtig an dem Tag erfolgt, als in Berlin das Abgeordnetenhaus ein Gesetz beschloss, dass künftig bei allen Bauprojekten in Berlin dem Fahrrad Vorrang eingeräumt wird.

Offiziell wird der Radverkehr an den Fähren Arneburg und Grieben mit Schildern zum Queren der Elbe aufgefordert. „Damit dachten die Ämter, ihrer Sorgfaltspflicht Genüge zu tun, doch das offenbart ein generell halbherziges Herangehen an den Radverkehr“, findet der ADFC. Denn Radverkehr sei nicht nur Elberadweg und Tourismus, sondern auch Alltags- und Berufsverkehr.

Und genau diese Radfahrer seien komplett ignoriert worden. Menschen, die von Fischbeck oder Wust nach Stendal zur Arbeit ganz bewusst mit dem Fahrrad fahren, können nicht über eine der empfohlenen Elbfähren fahren. Sie erhalten auch keinen Hinweis darauf. Erst an den Brückenzufahrten stehen die Sperrbaken. Zudem ist die Fahrbahn seit Errichtung der Brücke für den Radverkehr durch Verkehrszeichen gesperrt, obwohl das Befahren der Bundesstraße weiter östlich Richtung Rathenow für Radfahrende plötzlich erlaubt ist, schildert Mario Peine weiter.

Der ADFC habe einen Bauablauf vorgeschlagen, bei dem die Sanierung des Radweges zeitlich von der Straßenbaustelle getrennt wird. Peine: „Dann könnte in einem zweiten Schritt eine Radspur auf der dann fertigen Fahrbahn zeitweilig und deutlich abgetrennt werden.“ Als letzten Kompromiss hatte der ADFC die Regelnutzung der Fahrbahn gemäß § 2 StVO auch für Radfahrende vorgeschlagen.

Der ADFC fragt sich, warum es bei analogen Arbeiten an der Elbbrücke der B189 bei Wittenberge anders läuft. Dort sei stets der Radverkehr zulässig, obwohl es dort keinen Radweg gibt. Dem ADFC ist auch klar, dass nur diejenigen Radfahrer die Brücke auf der Fahrbahn fahren werden, die sich dies auch sicher zutrauen. Aber letztlich gibt es auch für Radfahrende das Grundrecht auf Verkehr.

Abschließend beklagt der ADFC, dass er bei den Planungen dieser folgenreichen Baumaßnahme nicht einbezogen wurde. Peine: „Wir fordern eine umgehende Lösung, die den umweltfreundlichen und gesundheitsfördernden Radverkehr nicht benachteiligt und ausschließt“, heißt es in einer Presseerklärung des ADFC weiter.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare