Tiefbauarbeiten fördern mittelalterliche Knochenfunde in der Grete-Minde-Straße zutage

Drei Skelette und viel „Beiwerk“

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Bei den Tiefbauarbeiten in der Grete-Minde-Straße wurden zahlreiche Knochenreste entdeckt: Oberschenkelknochen, Schädel und Unterkiefer sind nur einige der Funde. Ein Wunder ist es nicht, schließlich befand sich dort vormals ein Friedhof.

Tangermünde. Wo heute ein Gebäude steht oder eine Straße verläuft, ist es nur schwer vorstellbar, was sich dort früher einmal befunden haben mag. So sind es Tiefbauarbeiten, wie die in der Grete-Minde-Straße, welche so manch schauriges Vermächtnis in Erinnerung rufen.

Denn in der Vergangenheit befand sich im Bereich der Notpforte parallel zur Stadtmauer bis zur Grete-Minde-Straße ein Friedhof. Dass die derzeitigen Bauarbeiten Skelette und Knochenüberreste zutage gebracht haben, ist also kaum verwunderlich.

Immer mit dabei, um die Funde schnell zu bergen und die Baufirma nicht länger als nötig aufzuhalten, ist Torsten Müller. Der Archäologe aus Berlin und seine Zeichnerin Sofia Streißenberger arbeiten Hand in Hand mit der Baufirma. Diese gibt auch vor, wo genau der Archäologe Hand anlegen darf. „Nur in der Höhe und Tiefe, wo auch gegraben wird.“

Doch der Bereich war ausreichend, um mehrere größere Funde zu machen. Drei „relativ komplette“ Skelette konnten seit Beginn ihrer Arbeiten geborgen werden, sowie beinahe sechs Bananenkisten voll „schmückendem Beiwerk“, wie Müller es nennt. Damit meint er Oberschenkelknochen, Schädelreste, Kieferkochen und einzelne Wirbel. Bereits jetzt kann der Berliner grobe Schätzungen für das Alter der Funde vornehmen. „Wahrscheinlich Spätes Mittelalter, frühe Neuzeit“, erklärt er fachmännisch. Aus dem gebürtigen Altmärker sprechen 30 Jahre Berufserfahrung. „Es gab keine Beigaben, wie Schwerter oder Münzfibeln. Die Sargreste waren sehr fragil.“

Die Knochenfunde würde man nun vorsichtig mit einer Bürste und ohne Wasser von den Lehmresten befreien. Es folge die genaue Dokumentation der Gebeine, durch Fotografien, Zeichnungen und ausführliche Beschreibungen der Größe, Farbe und Konsistenz.

In der kurzen Zeit hätten sie bereits viel geschafft, erklärt Müller im AZ-Gespräch. Wenn alles gut geht, sollen die Tiefbauarbeiten bis zum 25. Mai fertig sein.

Von Laura Kühn

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