Tourismus in Tangermünde

Kreative Köpfe sind gefragt

Mehrere Baudenkmale aus rotem Backstein bilden ein harmonisches Gebäude-Ensemble.
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Das Neustädter Tor wird gegenwärtig für eine Nutzung vorbereitet.
  • VonGünther Krach
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Wie kann Tangermünde attraktiver werden? Mit dieser zentralen Frage beschäftigte sich am Montag Abend der Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Tourismus. Für ihre Beantwortung hatte das Gremium Stephanie Kroll eingeladen. Sie ist Geschäftsführerin der Agentur „Kreativköpfe“ und in Tangermünde keine Unbekannte, denn sie wirkte bereits maßgeblich an der Gestaltung des Sozialpädagogischen Bildungszentrums (SoBiZ) im Erdgeschoss der Stadtverwaltung mit. So war der Name ihrer Agentur Programm und erläuterte die Potsdamerin auf Wunsch der Stadtverwaltung ihre Vorstellungen zur besseren touristischen Erschließung der alten Türme in der Kaiserstadt.

Der Wasserturm an der Karlstraße könnte zum Kletterparadies werden.

Tangermünde – „Tangermünde ist eine schöne Stadt, auch wegen der vielen alten Türme und Tore“, begann sie ihren Vortrag. Von den vielen Denkmalen benannte sie zwölf, die man „besser nutzen könnte.“ Sie widmete sich altbekannten „Klassikern“ wie der St.-Stephanskirche, dem Neustädter Tor, dem Kapitelturm, der Roßfurt, dem Gefängnis- und dem Eulenturm, den Putinnen und dem Schrotturm. Aber auch auf die beiden Wassertürme der Stadt, also die Ruine an der Kirschallee und den noch genutzten Turm an der Karlstraße, ging sie ein. Für jeden Bau unterbreitete sie einen Nutzungsvorschlag. Bei einigen, der Stadt gehörenden Gebäuden brachte sie einen Verkauf an private Investoren ins Gespräch, doch diese Variante ist derzeit in Tangermünde kein Thema. „Tafelsilber verkauft man nicht“, meinten denn auch anwesende Stadtführer. Bereits bestehende touristische Nutzungen einiger Gebäude begrüßte sie, sieht dabei aber noch Potenzial. „Für die Kirche, den Kapitelturm, das Neustädter Tor und weitere Bauwerke eigne sich zum Beispiel die Integration in eine so genannte „Stadtrallye“, schlug die Beraterin vor. Neben der privaten Nutzung des aufgegebenen Wasserturms in der Kirschallee, der eine Pension, ein Café oder eine große Wohnung werden könnte, könne sie sich vorstellen, dass der noch intakte Wasserturm nach seiner geplanten Stilllegung in ein paar Jahren ein Kletterturm wird. Der so genannte Eulenturm könnte im Erdgeschoss einen Fahrrad-Service mit Ladestation für Elektro-Fahrräder oder sogar für Pkw aufnehmen, „weil es dort bereits einen Elektroanschluss gibt“, schlug sie vor. Im Kapitelturm wären Ausstellungen auf allen drei Etagen vorstellbar. Den Anbau des Gefängnisturms würde ein Wein- oder Schokoladenverkauf (Nährstange) aufwerten. Und die ehemaligen Zellen im Gefängnisturm, in denen noch alte muslimische Inschriften zu sehen sind, wären sicherlich als Studienprojekt interessant.

Nicht gerade ein Postkartenmotiv ist der alte Wasserturm an der Kirschallee. Doch er hat Potenzial. In ihm könnten ein Café oder eine Wohnung entstehen.

Für eine allgemeine Nutzung schlug Stephanie Kroll noch szenische Stadtspaziergänge als Event in passender Bekleidung vor, wie es die Touristinfo mit einem Nachtwächter bereits vormacht. „Fassadenprojektionen wie in Stendal eigneten sich auch für Tangermünde, genau wie weitere kleine Bronzefiguren wie Grete Minde am Rathaus und die Pinguine am Grete-Minde-Haus (Beispiel Brandenburg). Mit „Türme-Rallye“ beschrieb die Agenturchefin eine Art Schnitzeljagd oder ein Sightseeing per App, die die Gebäude beschreibt, ihre Geschichte erzählt, vielleicht sogar ein Rätsel enthält. „Zielgruppen für alle diese Dinge sind neben den Einheimischen vor allem Touristen, die je nach Alter, verfügbarer Zeit und Interessenlage über verschiedene Touren geführt werden. Abschließend ging die Referentin noch auf Grundlagen wie Werbung, Vertrieb, Genehmigungen und die Finanzierung ein. Das alles koste natürlich Geld. Die Ausgaben würden jedoch durch höhere Einnahmen aus dem Tourismus, die Ansiedlung von Handwerk und Gewerbe sowie möglicherweise durch eine Steigerung der Einwohnerzahl bald wieder hereinkommen. Mehrere Ausschuss-Mitglie-der und Gäste bescheinigten Kroll einen gelungenen Vortrag, der nicht nur interessant, sondern auch inspirierend war für neue Vorhaben. Es gab aber auch kritische Stimmen, die nicht an eine Realisierung glaubten, „weil dazu das notwendige Personal und die finanziellen Mittel bei der Stadtverwaltung fehlen. Sie erinnerten an ebenfalls gute Konzepte, ja Beschlüsse, die bereits „in der Schublade liegen“, aber aus den genannten Gründen nicht realisiert werden konnten, schon gar nicht in der Pandemie-Zeit.

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