Silvester in Tangermünde

Ein ruhiger Jahresausklang

Ein hell erleuchteter Glühweinstand, dessen Lichter sich auf dem Straßenpflaster spiegeln.
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Die bunten Lichter der wenigen geöffneten Marktstände spiegeln sich auf dem nassen Pflaster neben dem Rathaus. Vor allem junge Leute trafen sich dort auf einen Glühwein.
  • VonGünther Krach
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Seit fast zwei Jahren begleitet uns inzwischen die Corona-Pandemie, nun hat sie auch wieder den Jahreswechsel bestimmt. Ein Blick in die Altstadt am Freitagabend hat das bestätigt. Die City war fast menschenleer.

Fast schon künstlerisch: Raketen waren zum Jahreswechsel am Himmel von Tangermünde nur wenige zu sehen.

Tangermünde – Lediglich auf dem Marktplatz, wo seit einigen Tagen warme alkoholische Getränke ausgeschenkt werden, hatten sich etliche Menschen, vor allem Jugendliche, eingefunden, die es zu Hause wohl nicht mehr ausgehalten haben. Einige suchten wohl noch einen Platz in einer Gaststätte, denn es regnete ein wenig. Feuerwerk war in der Altstadt verboten, nicht vorrangig wegen der Corona-Pandemie, sondern wegen der vielen historischen Bauwerke, für die Tangermünde so bekannt ist. Wo sich früher viele Menschen trafen, vor allem in den Gaststätten, herrschte gegen 22 Uhr große Stille. Einige Gaststätten waren gar nicht geöffnet, in manchen wartete nur das Personal, in anderen saßen kleine Grüppchen an weit voneinander entfernten Tischen. Einige trugen Schutzmasken und waren sicher geimpft, genesen oder getestet. Musik und Tanz waren nicht zu hören oder zu sehen. In einer „Taverne“ tanzte das Personal nach griechischer Musik.

Ein Blick in das Kirchenschiff der Kirche St. Stephan mit den Gästen des Orgelkonzertes und dem Weihnachtsschmuck.

Gut besucht war, wie in jedem Jahr, gegen 22 Uhr die St.-Stephanskirche. Pfarrer Jürgen Weinert hatte wieder zum Orgelkonzert, das aus zwei Teilen bestand und dessen Pause er mit Gedanken zum neuen Jahr ausfüllte, eingeladen. Die Orgelvesper war gut besucht, weil sie nicht nur von Tangermündern, sondern auch wieder von den meisten Gästen des „Schlosshotels“ besucht wurde. Das gehört zu den Traditionen des Hotels, zumal es in diesem Jahr keine Tanzveranstaltung im nobelsten „Haus“ der Stadt gab. Dass auch am Freitagabend, wie schon zur Christvesper, nur 130 Personen in die Kirche durften, wurde wieder mit dem Vorverkauf eines farbigen Papierarmbands geregelt. Den ersten Teil des Orgelkonzertes spielte der ehemalige Kantor Christoph Lehmann. Stücke von Heinrich Scheidemann (1596-1663), Georg Böhm (1661-1733) und Nicolaus Bruhns (1665-1697) waren zu hören. Den zweiten Teil auf der Orgel, 1624 von Hans Scherer dem Jüngeren erbaut, gestaltete Dietrich Kollmannsperger aus Stendal. Er spielte Stücke von Nicolaus Bruhns (von Kollmannsperger bearbeitet), sowie von Johann Sebastian Bach (1686-1750). Für beide Gast-Organisten und für die Erhaltung der Orgel selbst, wurde abschließend um eine Spende gebeten.

Auch nach 22 Uhr hatten einige Gaststätten noch geöffnet und luden die Nachtschwärmer zur Einkehr ein.

Die Gedanken Pfarrer Weinerts drehten sich um den Spruch „Der Mensch denkt. Gott lenkt“. Dass Gott noch immer Seuchen und neuerdings auch Naturkatastrophen, wie im Ahrtal zulässt, dafür hatte auch Weinert keine Erklärung parat. „Dagegen ist auch Gott ohnmächtig“, sagte er. „Gott kann auch Wind und Wellen nicht verhindern, aber die Menschen wissen, wie man die Segel setzen und das Ruder stellen muss“, gab er noch zu bedenken. Im abschließenden Gebet forderte er mehr Zuversicht der Menschen.

Pfarrer Jürgen Weinert sprach das geistliche Wort zwischen den beiden Konzertteilen.

Von den Politikern wünschte er sich eine nachhaltige Friedenspolitik, mehr Gerechtigkeit auch gegenüber anderen Völkern, für Verfolgte und Kranke und eine sichere Zukunft für unsere Kinder.

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