AZ-Leser Paul Ernst ärgert sich über die Wasserpreiserhöhung der Tangermünder Stadtwerke

„Das muss doch rückgängig gemacht werden können“

Paul Ernst ärgert sich über die Preissteigerung der Stadtwerke Tangermünde. Bei einem jährlichen Verbrauch von circa 100 Kubikmetern rechnet er mit Mehrkosten von 24 Euro. Fotos (3): Wagner

Tangermünde. Sie surrt so vor sich hin, die Wasseruhr. Das tut sie immer. Sie läuft auch nicht schneller. Aber trotzdem erinnert das Surren den Tangermünder Peter Ernst daran, dass seine nächste Wasserabrechnung der Stadtwerke Tangermünde teurer ausfallen wird.

„Das muss doch rückgängig gemacht werden können“, beschwert sich der 52-Jährige im Gespräch mit der AZ. Er meint die Erhöhung des Wasserpreises, der nun seit dem 1. Januar in der alten Kaiser- und Hansestadt gilt. Der Stadtrat beschloss während seiner Sitzung am 30. Oktober vergangenen Jahres einstimmig die Erhöhung, die auf einer Kalkulation der Stadtwerke basiert. Mit dem Beginn des neuen Jahres stieg der Wasserpreis je Kubikmeter von 1,40 Euro auf 1,75 Euro. Begründet wurde diese Preissteigerung mit der Minderung der Wasserabnahme durch einen Großbetrieb. Der Abwasserpreis fiel hingegen von 2,83 Euro auf 2,72 Euro je Kubikmeter. Die Differenz ergibt Mehrkosten in Höhe von 24 Cent je Kubikmeter.

Nicht nur Ernst ärgert sich über die angehobenen Preise. Auch Gerhard Bertram (68) und Lutz Klipp (61) zeigen sich unzufrieden. „Und wir sind nicht die einzigen Tangermünder, die sich darüber aufregen“, versichert Bertram. Klipp bringt den Kern ihres Wutes auf den Punkt: „Die Sachlage, wenn der Betrieb wie jetzt doch bleibt, muss geklärt werden. Machen wir uns doch nichts vor, jeder weiß, dass es um den Müslihersteller geht.“ Dass die Stadt während der Insolvenz ein Minus gemacht hat, bezweifle keiner der drei Herren. „Aber seit dem 1. Januar läuft doch alles wieder, die produzieren doch sogar wieder mehr als vorher“, ergänzt Klipp.

Die Wasser- und Abwassergebühren müssen regelmäßig kalkuliert werden. Gesetzlich sind Zeiträume von ein bis drei Jahren vorgeschrieben. Auch die Tangermünder Stadtwerke kalkulieren also in regelmäßigen Abständen neu. In der Vergangenheit wurden die Preise für einen Zeitraum von zwei Jahren kalkuliert, so lange galten die vom Stadtrat beschlossenen Gebühren dann auch. Gerade wegen der Unsicherheiten bezüglich des Fortbestandes des Großabnehmers im Industriegebiet, beläuft sich die aktuelle Kalkulation und damit auch der Beschluss auf lediglich ein Jahr.

„Die Mindermenge wirkt sich auf den Wasserpreis aus“, erklärt Dietmar Schiess, Betriebseiter der Tangermünder Stadtwerke, auf Nachfrage der AZ. „Der Bürger hat jahrelang von der großen Abnahmemenge im Industriegebiet partizipiert“, ergänzt Schiess seine Begründung. Da im Industriegebiet besonders im zweiten Halbjahr des vergangenen Jahres weniger Trinkwasser verbraucht wurde, hat sich der Preis nach der Kalkulation nun geändert. „Aus Sicherheitsgründen haben wir nicht wie üblich gleich für zwei Jahre, sondern nur für ein Jahr kalkuliert“, erklärt der Betriebsleiter. Nun, da sich ein neuer Eigentümer für das Cerealienwerk gefunden hat, „wird der Mehrverbrauch in die nächste Kalkulation einfließen.“

Eine Neuberechnung für die Wasserpreise gibt es erst wieder im Sommer. Dann wird geschaut, wie sich die Entwicklung in Tangermünde abzeichnet. Mengen, die rein und raus gehen und auch die Perspektiven des Industriegebietes werden dann näher betrachtet. Eventuell schreitet die Kalkulation so zügig voran, dass die Stadträte bereits im Oktober die Beschlussvorlagen für die Wasserpreise, die ab 2014 gelten, beschließen können. Der Wirkungszeitraum für die aktuellen Preise bleibt bis zum Ende des Jahres bestehen.

Von Berit Wagner

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare