„Mercedes der Rampen“

Bauausschuss stimmt gegen Lift an der Friedhofskapelle

+
Architekt Jörg Jensen zeigt Ausschussvorsitzender Reinhild Häusler, wo die Rampe hin soll.

Tangermünde –  Eigentlich sollte schon im Dezember entschieden werden: Die Frage, welche Form von barrierefreiem Zugang die Friedhofskapelle bekommt. Fünf Monate später bleibt das Problem das Gleiche und auch an der Lösung scheint sich nichts geändert zu haben.

Nach der Vorort-Begehung am Dienstagabend stimmt der Bauausschuss bei einer Stimmenthaltung mehrheitlich für die bauliche Lösung mit einer Rampe.

Architekt Jörg Jensen, der mit dem Projekt betraut ist, lehnt auch nach der vom Hauptausschuss gewünschten Überprüfung eine technische Umsetzung ab. Ein Lift sei nicht unbedingt sparsamer, macht er deutlich. „Im Sommer ist das kein Problem“, sagt der Christdemokrat, „aber im Winter bei Eis und Schnee kann das problematisch werden.“ Auch Wartungskosten seien mit einer Liftanlage verbunden. In der Anschaffung würde dieser „nur“ 10 000 Euro kosten, hatte Christine Pfaff (SPD) im Dezember recherchiert, wohingegen für die Rampe laut Beschlussvorlage 30 000 Euro veranschlagt wurden.

Von einer mobilen Rampe ist der Architekt wenig überzeugt. Denn diese müsste immer im Bedarfsfall ausgelegt werden und könnte nicht permanent an Ort und Stelle verbleiben. „Sonst wird sie zu mobil“, scherzt Bauausschussvorsitzende Reinhild Häusler (CDU). Für Betroffene, welche auf den Zuweg zur Kapelle angewiesen sind, wäre dies stets mit einer Wartezeit verbunden.

Auch die dritte technische Lösung, die er geprüft habe, lehnt Jensen ab. Eine Zuwegung wäre unter der Treppe versenkbar und der „Mercedes unter den Rampen“, jedoch auch sehr empfindlich.

Mitglieder der Interessengruppe „Stammtisch für ein barrierefreies Tangermünde“ schließen sich der Sitzung am Dienstag ebenfalls an und sprechen sich dabei ganz klar für die fest installierte Rampe aus. Nicht nur Rollstuhlfahrer würden davon profitieren, auch für Gehbehinderte, die einfach zu Fuß nicht mehr so fit wären, sei diese Variante ein klarer Vorteil, betont Rainer Winkler (Sachkundiger Anwohner). „Das ist eine bauliche Veränderung, die auch nicht übersehbar ist“, kann Häusler nicht dementieren, „aber so simpel sie in ihrer Art ist, so zuverlässig ist sie auch.“

Im Zuge des Umbaus müsste die oberste Stufe des Podests vor der Kapelle angehoben werden. Die Rampe würde dann nach links wegführend angelegt. Das Projekt ist im Haushalt der Stadt für das laufende Jahr eingeplant. Am Mittwoch wurde die Thematik im Hauptausschuss besprochen und sollte bei positiver Abstimmung vom Stadtrat beraten werden.

VON LAURA KÜHN

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare