Tag des offenen Denkmals in Tangermünde

Exklusive Einblicke 

Mehrere Menschen stehen in einer Kirchenhalle und warten auf Zutritt durch eine gotische Holztür.
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Großer Andrang herrscht vor dem Treppenhaus ins Gewölbe der Kirche St. Stephan.
  • VonGünther Krach
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Seit 1993 gibt es den „Tag des Offenen Denkmals“, organisiert von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz – und die Kaiserstadt mit ihren vielen Denkmalen war bislang immer dabei. Und das war am vergangenen Sonntag nicht anders.

Der „Radioclub“ vor dem Schrotturm (v.r.): G. Lucklum als ältestes Mitglied, B. Wiedenhöver, Harald Klemm und Dirk Hausner.

Tangermünde – Immer geöffnet ist das größte Denkmal der Stadt und wohl auch der Altmark, die evangelische dreischiffige Hallenkirche St. Stephan. Ihr fast 90 Meter hoher Turm ist der höchste in der Altmark. Bereits im 12. Jahrhundert soll der Bau als Domstiftkirche begonnen worden sein, weil Graf Heinrich von Gardelegen, ein Enkel des Markgrafen Albrecht der Bär, in Tangermünde ein Bistum gründen wollte. Er gründete dann aber in Stendal ein Kollegiatstift und ließ danach den Dom bauen, dem die Tangermünder Kirche trotz ihres hohen Turms, der eigentlich eine Doppelturmanlage werden sollte, unterstellt wurde. Exklusiv zum Tag des offenen Denkmals konnten der imposante Dachstuhl über dem riesigen Gewölbe sowie die Glocken besichtigt werden. Gleich nach dem Gottesdienst standen die Menschen in einer Schlange vor der Tür, wurden dann in kleinen Gruppen eingelassen und auf das Gewölbe sowie die Glockenebene geführt. Der Andrang riss bis in den späten Nachmittag nicht ab, auch weil wieder viele Touristen in der Stadt waren.

Der Kultur- und Museumsverein überrascht die zum Teil von weither angereisten Denkmalfreunde vor dem Kapitelturm mit Kaffee und Kuchen.

Andrang herrschte auch vor dem Schrotturm in der Mauerstraße, dem nordwestlichen Eckturm der Stadtbefestigung. Er heißt so, weil nach seiner Erhöhung auf 47 Meter und damit doppelt so hoch, ab dem Jahr 1825 in ihm Schrotkugeln gegossen wurden. Für die Schrotgießerei mussten damals die fünf alten Gewölbedecken aus dem Mittelalter herausgebrochen werden, die noch heute fehlen. Durch ein Sieb wurde flüssiges Blei, vermischt mit Arsen, gegossen, das sich im Fallen zu einer Kugel formte, die sich dann im untenstehenden Wasserbecken abkühlte. Um die obere Plattform erreichen zu können, wurde später eine Holztreppe eingebaut, die auch am Sonntag genutzt wurde. Begehbar ist der Turm, weil in seinem Anbau die Mitglieder des Deutschen Amateur-Radioclubs ihr Domizil haben, auf dem Turm ihre Antennen stehen und sie immer zum Tag des offenen Denkmals ihre Türen öffnen. Die Amateurfunker existieren zwar schon seit mehr als 70 Jahren, am und auf dem Turm pflegen sie ihr Hobby – wegen der günstigen Antennen-Bedingungen – jedoch erst seit der politischen Wende. Den Vereinsmitgliedern ist es auch zu verdanken, dass der Turm noch immer begehbar sowie vor Regen und Taubenkot geschützt ist. Stolz präsentierten sie am Sonntag Einheimischen und zum Teil weitgereisten Urlaubern ihre Funkstation.

Samira Post von den „Jungen Stadtführern“ zeigt ihr Talent am Spinnrad.

Auch der Kapitelturm weckte reges Interesse, obwohl er eigentlich das ganze Jahr über zugänglich ist. Er wird so genannt, weil er lange als Getreidespeicher des Berliner Domkapitels ge-nutzt wurde. Gegen 12.30 Uhr hatten bereits 50 Personen die Aussichtsplattform in rund 30 Meter Höhe erklommen, der Bergfried ist insgesamt fast 50 Meter hoch und hat fünf Geschosse aus Holzbalkendecken. Das oberste Geschoss wurde 1903 nach einem Kupferstich von Merian wieder hergestellt, obwohl der Turm früher wohl eine Plattform ohne Dach besaß. Gekommen waren die vielen Gäste sicher auch, weil der Blick von oben auf die Elbe mit Schiffen und seine Auen schon etwas besonderes ist, was auch schon der Kaiser genutzt haben soll. Der Kultur- und Museumsverein bot sogar Kaffee und Kuchen an und Samira Post von den „Jungen Stadtführern“ zeigte ihr Talent am Spinnrad. Durch die regelmäßige Nutzung des Kapitelturms, unter anderem auch für Ausstellungen, befindet sich das Denkmal in einem vorbildlichen Zustand.

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