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Bürgermeisterwahl: Kaiserstadt Tangermünde vergibt Zepter neu

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Von: Marco Hertzfeld

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Brücke über die Roßfurt, Tangermünde
Gut 1000 Jahre Geschichte kommen in Tangermünde zusammen. Wer als Sieger der Bürgermeisterwahl in die altmärkische Touristenstadt einzieht, muss sich zeigen. Um den Posten bewerben sich drei Einheimische. © imageBROKER/Lothar Steiner

Tangermünde – Sieben Jahre Amtszeit, sieben Fragen, die die AZ allen drei Kandidaten gestellt hat. Fest steht bereits: Tangermünde bekommt einen gänzlich neuen Bürgermeister. Und: Es wird erneut ein Mann.

Pascal Dobberkau, Björn Malycha und Steffen Schilm leben in der Gegend und wollen jeder auf seine Weise beim Wähler punkten. Um das Zepter der altmärkischen Kaiserstadt geht es am 27. März. Der Countdown läuft.

Warum sind Sie der richtige Mann für das Tangermünder Rathaus?

Dobberkau: Der jetzige Bürgermeister war sieben Jahre ein Verwalter, was die Einheitsgemeinde Tangermünde nicht weiter vorangebracht hat. Also ist es an der Zeit, einen Mann wie mich zu wählen, der aus der Wirtschaft kommt.

Malycha: Ich bin Tangermünder und kenne die Stadt und die Menschen von klein auf. Ich verfüge über Führungserfahrungen, da ich beruflich seit vielen Jahren eine leitende Position in der Landesverwaltung bekleide. Außerdem bin ich seit 2014 Mitglied des Stadtrats und kenne die aktuellen Themen der Tangermünder Lokalpolitik.

Schilm: Ich stehe für eine parteiübergreifende, offene und ehrliche Arbeit zum Wohle der Tangermünder Bürger. Die dafür notwendige Kompetenz konnte ich in mehr als 20 Jahren Tätigkeit als Dienstleister für den Bürger bereits unter Beweis stellen.

Ein Mann mit Vollbart und rundem Gesicht schaut den Betrachter an.
Pascal Dobberkau ist 35 Jahre alt und in Stendal geboren. Er arbeitet als Warenannahmeleiter in einem Baumarkt, ist ledig und hat keine Kinder. Er konfessionslos, parteilos und gibt als Hobbys Freunde, Fußball und Volleyball an. © Privat

Was kann Tangermünde außer Tourismus und wie?


Dobberkau: Durch die politischen Maßnahmen hatten wir kein Tourismus mehr in Tangermünde in den letzten zwei Jahren. Dieser muss erst mal wiederbelebt werden. In Hinsicht auf die Fertigstellung der A 14 sollten wir versuchen, Industrie in der Einheitsgemeinde Tangermünde anzusiedeln. Damit will ich Tangermünde und seine Gemeinden stärken.

Malycha: Tangermünde kann Heimat. Tangermünde ist eine lebenswerte Stadt und attraktiver Wohnort. Hier ziehen mehr Menschen hin als weg. Eingebettet in eine wunderschöne Naturlandschaft verfügt Tangermünde über eine gute Infrastruktur, ein lebendiges Kultur- und Vereinsleben. Dies verdankt sie der Heimatliebe und dem Engagement ihrer Bürgerinnen und Bürger.

Schilm: Tangermünde ist für mehr als 10 500 Einwohner der Lebensmittelpunkt. Statistische Prognosen der Vergangenheit haben Tangermünde eine negative Bevölkerungsprognose bescheinigt. Der Zusammenhalt der Tangermünder Bürger und deren Verbundenheit zu ihrem „Lieblingsplatz“ haben dafür gesorgt, dass diese negative Prognosen nicht eintraten. Zur Fortsetzung dieses Trends gilt es, in den kommenden Jahren weitere Bauplätze auszuweisen, Infrastruktur wie Kitaplätze zu schaffen, die örtliche Wirtschaft zu stärken und Tangermünde so lebens- und liebenswert zu erhalten.

Ein Mann mit Seitenscheitel und Brille lächelt in die Kamera.
Björn Malycha ist 49 Jahre alt und in Rathenow geboren. Er arbeitet als Referatsleiter im Sozialministerium. Er ist verheiratet und hat drei Söhne (12, 16, 18). Er ist evangelisch, gehört der SPD an und gibt als Hobbys Fußball, Lesen und Radfahren an. © Freier Mitarbeiter

Was sollte wie in den nächsten sieben Jahren unbedingt angepackt werden?

Dobberkau: Durch energetische Engpässe, die in naher Zukunft auf uns zukommen könnten, liegt mein Augenmerk in dieser Richtung darauf, vorbereitet zu sein.

Malycha: Es gibt viele intensiv erarbeitete Konzepte, die darauf warten, umgesetzt zu werden, zum Beispiel die Handlungsempfehlungen zum Bauhof oder das Marketingkonzept zur besseren Ausschöpfung der touristischen Potenziale. Hier wird unter anderem die Gründung einer Marketinggesellschaft empfohlen. Darüber hinaus muss die weitere Entwicklung des Hafenareals angepackt werden, und die damit verbundene Beseitigung des Hafenschlamms. Ansonsten sind es unsere „Klassiker“, die auch in den nächsten Jahren im Fokus stehen: Altstadtsanierung, Straßensanierung, Infrastrukturentwicklung, bedarfsgerechte Jugend- und Seniorenarbeit, ausreichend Kita- und Hortplätze, bauliche Unterhaltung und solide Haushaltsführung.

Schilm: Bereits laufende Projekte wie die Beseitigung der Hafensedimente und die touristische Weiterentwicklung der Promenade müssen zum Abschluss gebracht werden. Ich strebe eine dauerhafte Lösung für eine touristische Vermarktung außerhalb der Verwaltung von Tangermünde an. Die Unterhaltung unserer in die Jahre gekommenen Straßen bedarf zukünftig besonderer Beachtung. Für unsere ältere Bevölkerung sowie für Einwohner mit Handicap ist die barrierefreie Erreichbarkeit der Innenstadt von wesentlicher Bedeutung.

Ein älterer Mann mit dunklem Haar und graumelierten Schläfen schaut in die Kamera.
Steffen Schilm ist 42 Jahre alt und in Berlin geboren. Er arbeitet als Verwaltungsfachwirt, ist verheiratet und hat drei Jungs. Er ist konfessions- und parteilos und gibt als Hobby Heimwerken an. © Freier Mitarbeiter

Wovon sollte Tangermünde die kommenden sieben Jahre zwingend die Finger lassen?

Dobberkau: Wirtschaftlich erging es Tangermünde in den letzten Jahrzehnten sehr gut. Daher sollten wir Bewährtes beibehalten.

Malycha: Grundsätzlich vertrete ich den Standpunkt, dass es keine Denkverbote gibt. Mit sachbezogener Offenheit sowie fachlicher Risikoabwägung kann man über vieles diskutieren und dann entscheiden, wovon man zwingend die Finger lässt.

Schilm: Natürlich sind neue Ideen und Vorhaben immer willkommen und wünschenswert. Jede Chance auf Weiterentwicklung sollte genutzt werden. Allerdings sollte man sich von Experimenten, deren Erfolgsaussichten unkalkulierbar und risikobehaftet sind, abwenden.

Inwieweit kann die Stadt ein Vorreiter in der Altmark für Klimaschutz sein?

Dobberkau: Durch erneuerbare Energie (Förderung durch den Staat) sollten wir auch dieses für die Stadt und die Gemeinden intensivieren.

Malycha: Tangermünde bemüht sich seit Längerem, energieeffizienter zu wirtschaften und durch Investitionen die Betriebskosten zu senken, zum Beispiel wird die Straßenbeleuchtung auf LED umgestellt. Auch gibt es erste Ladesäulen für mehr E-Mobilität, dies gilt es weiter auszubauen. Großveranstaltungen wie das Burgfest sollen durch Nutzung von Mehrwegverpackungen und -geschirr Müll vermeiden. Perspektivisch kann Tangermünde vor allem dadurch Vorreiter werden, dass es uns gelingt, die Interessen des Denkmalschutzes mit den Möglichkeiten des energetischen Bauens und der Nutzung regenerativer Energien, zum Beispiel durch Solardächer, in Einklang zu bringen.

Schilm: Kommunale Einrichtungen müssen verstärkt auf die Nutzung von erneuerbaren Energien umgestellt werden. Durch die Anpassung von örtlich gebundenen Regularien erhalten Wohneigentümer im Erhaltungsgebiet unbürokratisch die Möglichkeit, regenerative Energien nutzen zu können. Die Anschaffung von wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen für den städtischen Fuhrpark könnte einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Hier existieren bereits erste Lösungen, die nun auf kommunale Bedürfnisse angeglichen werden müssen. Weiterhin strebe ich die Entwicklung eines zentrumsnahen Naturerholungsgebietes für alle Altersgruppen mit Freizeitmöglichkeiten an.

Wie sollte die Wirtschaftsförderung organisiert und aufgestellt sein?

Dobberkau: Ich möchte keine speziellen Wirtschaftsförderungen vergeben. Vielmehr stelle ich mir eine Erweiterung des Handels- und Gestaltungsspielraums der Gemeinde Tangermünde vor.

Malycha: Tangermünde als Stadt hat vor allem die Möglichkeit, die sogenannten weichen Standortfaktoren zu fördern, um als Ort attraktiv zu sein für die Ansiedlung junger kreativer Unternehmen. Für die Ansiedlung von produzierendem Gewerbe und Industrie fehlen uns aktuell die dafür notwendigen Flächen, diese müssen erst erschlossen werden. Mit Blick auf die vielen handwerklichen Betriebe sollte die Stadt Kampagnen der Handwerkskammer unterstützen, um junge Menschen dafür zu gewinnen, einen handwerklichen Beruf zu erlernen.

Schilm: Kommunikativ. Vernetzt. Praxisnah. Unterstützend.

Wo sehen Sie Tangermünde und wo sehen Sie sich im Jahr 2029?

Dobberkau: Tangermünde hat historische, wunderbare Bauwerke und die Menschen haben diese sehr liebevoll restauriert. Diese Bauwerke weiterhin zu erhalten und gleichzeitig die umliegenden Gemeinden nicht zu vernachlässigen und dies bei weiter sinkenden finanziellen Mitteln, wird schon eine riesige Aufgabe werden. Meine Vision ist es, durch eine bürgernahe Verwaltung die hier lebenden Menschen mit ihren tollen und sehr kreativen Ideen zu unterstützen und den digitalen Fortschritt mit dem historischen Tangermünde zu verbinden.

Malycha: Ich sehe Tangermünde auf einem guten Weg, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Mich sehe ich im Bürgermeisteramt mit viel Zuspruch von den Bürgerinnen und Bürgern für eine zweite Amtszeit.

Schilm: Tangermünde: Einwohnerzahl konstant auf 10.700 gewachsen. Gestiegene Gästezahl – Verweildauer von 1,8 auf 2,1 erhöht. Der Tourismus belebt nicht nur die Innenstadt. Das Marketing der Stadt trägt sich allein. Die örtliche Unternehmerschaft verzeichnet wirtschaftliche Erfolge und steht in regelmäßigem Austausch mit dem Bürgermeister. Ich persönlich befinde mich aktiv im Wahlkampf zur zweiten Amtszeit.

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