Weiterer Vollsortimenter: Innenstadt-Händler haben Angst um ihre Existenz

Zweiter Investor vorhanden

Tangerhütte. Die Neuordnung des Grundstücksareals Otto-Nuschke-Straße/Neustädter Ring in Tangerhütte, besser bekannt als der Bau neuer Pflegeplätze in Kombination mit 3000 Quadratmetern Verkaufsfläche (AZ berichtete), erhitzte während der Sitzung des Hauptausschusses am Mittwochabend in vielerlei Hinsicht die Gemüter der Stadträte.

Thomas Kruse (Pro Tanger)

Vor allem als Stadtrat Thomas Kruse (WG Pro Region Tanger) das Wort ergriff und mitteilte, dass es bereits seit dem Sommer 2011 einen potenziellen Investor für das Grundstück gebe, der dort ausschließlich Pflegeplätze schaffen wollen würde. „Dieser Investor trat an mich ran, ich möchte ihn aber nicht nennen. Er sagte mir, dass die Anträge beim Landkreis Stendal vorliegen würden, anscheinend unbeachtet. Es gibt also Alternativen“, unterrichtete Kruse weiter. Für Hans-Dieter Sturm von der Kommunalaufsicht des Landkreises, der sich zu Beginn der Sitzung vorstellte und angab, dass er die Arbeit der Bürgermeisterin Birgit Schäfer (SPD) und der Stadträte unterstützen will, waren dies neue Informationen. „Ich wusste davon auch nichts“, gab Schäfer an.

Birgit Schäfer (SPD)

Auch die Händler der Innenstadt haben Angst um ihre Geschäfte und machen dies in einer Stellungnahme deutlich, die von 31 Gewerbetreibenden unterstützt wird. „Wer in Gedanken mal die Bismarckstraße abgeht, wird feststellen, dass das nahezu alle sind“, bekräftigt Kruse. Die Investition für die Errichtung zusätzlicher, altersgerechter Wohnungen wird von den Einzelhändlern, der Bürgermeisterin und den Stadträten begrüßt, wohlwissend um die Situation bezüglich des demografischen Wandels. Doch das „Erschaffen einer Einzelhandelsverkaufsfläche von 3000 Quadratmetern, aufgegliedert in Lebensmittelhändler und weitere „nicht innenstadtrelevante“ Fachmärkte“ wird für fragwürdig erklärt, da damit laut der Innenstadthändler der achte Vollsortimenter entstehen würde. „Märkte, die inzwischen neben ihrem Kerngeschäft vieles anbieten, was dem Einzelhandel vor Ort die Existenz nimmt“, heißt es in der Stellungnahme. Als Folge, mahnen die Händler, würden irgendwann Geschäftsräume leerstehen, die Ladenlokale in Büroräume umgewandelt werden und es somit keine Innenstadt mehr geben, die Passanten zum Bummeln einlädt.

„Als Unterzeichner fordern wir die Mitglieder des Stadtrates und die Verwaltung der Einheitsgemeinde auf, einer Bebauung in dieser Form nicht zuzustimmen“, schließen die Händler einig die Stellungnahme. Bei einer Enthaltung entschloss sich die Mehrheit dazu, auch dem zweiten Investor eine Möglichkeit zum Vorstellen seiner Pläne, die keine Kombination mit einem Vollsortimenter vorsehen, zu geben.

Von Berit Wagner

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