Für Zukunft gerüstet sein

Dem demografischen Wandel möglichst aktiv begegnen und so lebenswerte Zukunft gestalten – mit diesem Thema befassten sich annähernd 30 Einwohner aus Tangerhütte um Umgebung. Ende der Workshop-Reihe war Sonnabend.

Tangerhütte - Von Berit Boetzer. Tangerhütte mit Vorbildcharakter – die Stadt ist als Modellkommune ausgewählt worden zu testen, ob für Ostdeutschland entwickelte Workshops hilfreich sind, womöglich Wege aus der prognostizierten demografischen Misere aufzuzeigen.

„Ich mache mir wieder Gedanken um meine Heimatstadt“, sagte Hermann Glaser und brachte das Ansinnen gleich auf den Punkt. Er war einer von annähernd 30 Teilnehmern, die sich während eines dreiteiligen Workshops mit der Zukunft Tangerhüttes auseinander setzten. Initiiert von der Bertelsmann Stiftung und in Kooperation mit dem Land Sachsen-Anhalt trafen sich die Beteiligten im Februar und März sowie zum Finale am Sonnabend im Kulturhaus.

Jeder vierte Einwohner Tangerhüttes wird 2025 zwischen 65 und 79 Jahre alt sein. Insgesamt schrumpft und altert die Tangerstadt deutlich stärker als Landkreis und Land. Keine rosigen Aussichten also und dennoch liegt darin eine gewisse Chance. Die Stadt ist als Modellkommune ausgewählt worden zu testen, ob speziell für Ostdeutschland entwickelte Workshops hilfreich sind, womöglich Wege aus der prognostizierten Misere aufzuzeigen. Denn das erklärte Ziel ist und bleibt: dem demografischen Wandel möglichst aktiv begegnen und lebenswert Zukunft gestalten.

Ein Trio der Bertelsmann Stiftung, Dr. Winfried Kösters, Wolfgang Wähnke, Ingo Neumann, betonte, dass Demografie viel mehr bedeutet, als leer stehende Wohnungen abzureißen. Wie werden wir in einer alternden Gesellschaft mit weniger Menschen und mehr Singles leben, wie sichern wir eine möglichst hohe Lebensqualität, wo müssen Prioritäten in der kommunalen Entwicklung gesetzt werden? Fragen wie diese regten zum Diskutieren an.

Bürgermeister Gerhard Borstell konnte für die Workshops Einwohner gewinnen, die viele Bereiche widerspiegeln. Ihre Ideen zur Zukunft Tangerhüttes waren gefragt. „Wir werden weniger, älter und bunter“, nannte Dr. Kösters demografische und soziale Trends. An diesem Satz das Positive zu sehen, sei die Devise und heiße schlichtweg, sich auf „bunt“ zu freuen. „Mein Baum für Tangerhütte“, ein Jugendstadtrat und andere Vorschläge gilt es nun, auf ihre Machbarkeit hin zu prüfen und gegebenenfalls in die Praxis umzusetzen, so Borstell. Doch das könne nicht an Verwaltung oder Stadtrat hängen bleiben, vielmehr müssen alle, die gesamte Stadt, an einem Strang ziehen. So haben die Workshop-Teilnehmer bekundet, sich auch weiterhin treffen zu wollen. Marcus Graubner hatte sich bereits Gedanken gemacht: parteiübergreifend agieren, vorhandene Potenziale stärker vernetzen, um so für den demografischen Wandel gerüstet zu sein. Kurzum: „Gemeinsam die Stadt stärker und schöner machen“.

Für Steffi Kraemer ist es wichtig, dabei den Blick über den Tellerrand zu wagen. Nicht nur an die Stadt selbst zu denken, sondern auch an das Umland. Zukünftige Investitionen müssten sich zudem an den Bedürfnissen Älterer orientieren. Andrea Osinsky aus Mahlpfuhl sieht das ähnlich und meinte recht anschaulich: Wunderschön gepflasterte Wege und Plätze fügen sich meist hübsch ins Stadtbild. Doch leider können Senioren mit Rollator diese dann überhaupt nicht nutzen.

„Sehr fruchtbar“, resümierte Bürgermeister Borstell mit Blick auf den Ideen-Pool. Allerdings: „Jetzt sprudelt alles, doch nun kommt der Alltag hinterher“. Während der Arbeitstreffen seien die Anwesenden für das Thema zusätzlich sensibilisiert worden. Nun sei natürlich „Nachhaltigkeit“ wichtig. Schließlich machen 2025 in Tangerhütte die 80-Jährigen rund 13 Prozent der Einwohner aus, während es im Jahr 2008 lediglich fünf Prozent waren.

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