Verlust droht – und das kurz nach erfolgreicher Doppelschau

Zuchtverein in Tangerhütte kämpft ums Überleben

Leidenschaft seit Kindheitstagen: Peter Komnick hat einen seiner Siegertypen aus dessen Box geholt. Der Briester züchtet die Rasse seit mehr als vier Jahrzehnten.
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Leidenschaft seit Kindheitstagen: Peter Komnick hat einen seiner Siegertypen aus dessen Box geholt. Der Briester züchtet die Rasse seit mehr als vier Jahrzehnten.

Tangerhütte – Dem Rassekaninchenverein Tangerhütte droht das Aus. Gerade einmal eine Handvoll Züchter zählt der Zusammenschluss noch, in Hochzeiten waren es mehr als 40. Interne Misstöne und Streitereien über Organisation und Ausrichtung machten es auch nicht leichter.

Und ja, natürlich, die Coronakrise setze ihnen auch zu, wenngleich der Verein zur Monatswende die Kreisschau und die Altmarkschau durchaus erfolgreich auf die Beine gestellt habe.

„Es ist fünf vor zwölf“, sagt Peter Komnick, der Vorsitzende. „Es ist noch nicht zu spät, wir kämpfen, doch das machen wir eigentlich schon seit Jahren. Wenn nicht bald ein Ruck durch den Verein geht, ergibt es keinen Sinn, noch weiterzumachen. “.

Der Verein ist 1908 aus der Taufe gehoben worden, ein Stück Lokalgeschichte. Komnick, Jahrgang 1961, züchtete schon als 17-Jähriger Rote Neuseeländer, eine mittelgroße, auffallend blockige Kaninchenrasse. Genauso lange ist er auch Mitglied im Verein, ein Stück Lebensgeschichte. Seit vier Jahren führt er das Zepter im Rassekaninchenzüchterverein G 262 Tangerhütte, eine Geflügelabteilung gehört auch dazu. Schon einmal hatte er das Sagen, von kurz nach der politischen Wende in Ostdeutschland bis 2008. Dass das allgemeine Interesse an der Zucht spürbar weniger geworden ist, macht den Briester regelrecht traurig. „Ein Patentrezept aus der Misere gibt es nicht, wir müssen sehen.“

Sussex-Hühner stammen, wie der Name schon vermuten lässt, aus England. Komnick züchtet sie.

Vielleicht finde ja doch der eine oder andere Altmärker wieder oder gänzlich neu zu ihnen. Womöglich helfe es, noch mehr über den eigenen Tellerrand zu schauen, in Osterburg beispielsweise existiere eine Gemeinschaftsanlage quasi mitten in einer großen Gartensparte. „Kleingärten gibt es auch bei uns, wir könnten zumindest dort stärker auftreten und uns zeigen.“ Eine Fusion mit einem anderen Kleintierzuchtverein kommt für den 58-Jährigen nicht so ohne Weiteres infrage. „Wenn überhaupt, dann mit jenem in Groß Schwarzlosen und Umgebung.“ Dieser Rassegeflügelverein sei ziemlich schlagkräftig und eben auch noch in der Einheitsgemeinde Tangerhütte angesiedelt. „Darüber nachdenken kann man.“

Um einen Verein zu erhalten, brauche es natürlich Einnahmen, Ausstellungen lohnten sich auch deshalb, betont Komnick im Gespräch mit der AZ. Die Doppelschau an zwei Tagen kürzlich sei für den Verein eine große Herausforderung gewesen. Ohne die tatkräftige Unterstützung des örtlichen Automobilclubs, des Bürgerschützenvereins und des Fördervereins der Feuerwehr gerade bei Transport und Aufbau der Käfige wäre vieles wohl nicht möglich gewesen. Auch die Familie packten mit an. Ortsbürgermeister Gerhard Borstell (SPD) eröffnete die zweitägige Ausstellung in einer Raiffeisen-Halle in Tangerhütte, dessen Parteifreund und Landrat Patrick Puhlmann war Schirmherr des Stelldicheins.

Mehr als 60 Kaninchenzüchter präsentierten insgesamt mehr als 340 Tiere in über 40 Rassen. Ein halbes dutzend Geflügelzüchter zeigten an die 70 Exemplare und 13 Rassen. Komnick selbst züchtet neben besagtem Kaninchen auch Sussex weiß-schwarzcolumbia, ein größeres Huhn, und die weiße Warzenente. Angereist waren Züchter aus der gesamten Altmark, auch beispielsweise aus dem Jerichower Land, der Börde und dem Land Brandenburg. Diverse Auszeichnungen wurden vergeben, eine Auswahl ist im Infokasten aufgeführt. „Wenn man Tiere entsprechend den Standards verpaart und dann sieht, dass mehr Schönheit und mehr Leistung herauskommen, ist das einfach faszinierend.“

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