Keine kurzfristige Lösung für Ruine am Neustädter Ring in Aussicht

Was wird aus dem Gymnasium?

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Heute macht die frühere Bildungseinrichtung einen traurigen Eindruck.

Tangerhütte. „Was wird aus dem alten Gymnasium?“ Diese Frage bewegte einen Einwohner auf der jüngsten Bürgerversammlung in Tangerhütte. Das Gebäude steht nun seit rund zwölf Jahren leer und verfällt zusehends.

Auch das Gelände verwildert und sorgt für einen schlechten Eindruck mitten in der Stadt. Bürgermeister Andreas Brohm (parteilos) kennt das Problem.

Er möchte das Areal gern als Wohngebiet erschließen, denn inzwischen würden der Stadt die Bauplätze für Eigenheime knapp, sagte er. Problem: Die Immobilie gehört dem Landkreis. Der will sie am liebsten loswerden und an die Stadt übertragen. Allerdings müsste Tangerhütte dann den Abriss übernehmen, was bei so einem Objekt nicht ganz billig ist. Ein Investor, der die Kosten trägt, sei nicht in Aussicht. Das Thema, so Brohm, bleibe aber auf dem Schirm.

Vor Jahren hatte es einen Interessenten und bereits Pläne zur Erschließung der Fläche gegeben. Auf dem Gelände sollten ein Wohnprojekt für Senioren, nebst Handelseinrichtung entstehen. Wegen der befürchteten Konkurrenz zu den innerstädtischen Geschäften lehnte der Stadtrat dieses Konzept damals ab.

Nur 26 Jahre lang erfüllte das Haus den Zweck, für den es gebaut worden war. Es war im Frühjahr 1981, als auch in Tangerhütte die Bautrupps des Wohnungsbaukombinates anrückten und an der Westtangente ein Plattenbaugebiet aus dem Boden stampften. Die aufstrebende Kreisstadt zählte damals rund 8000 Einwohner, darunter viele Kinder. Nicht nur Wohnraum war knapp. Die beiden Polytechnischen Oberschulen (POS) platzen aus den Nähten. Insbesondere die Wilhelm-Wundt-Schule hatte mit über 700 Schülern ihre Kapazitätsgrenze längst überschritten.

So entstand auf der grünen Wiese mit dem Neubaugebiet ein Schulneubau. Beide wurden nach einem DDR-Politiker benannt, der lange Zeit als potenzieller Nachfolger von Staats- und Parteichef Erich Honecker galt. Werner Lamberz war 1978 bei einem Flugzeugabsturz in Libyen ums Leben gekommen. Im September 1981 zogen die ersten Klassen in die neue Werner-Lamberz-Schule ein. Schnell mauserte sie sich zu größten Bildungseinrichtung des Kreises. Im Jahr 1985 wurden hier 475 Schüler in 22 Klassen von 35 Lehrern unterrichtet. Der Kreis Tangerhütte wurde 1988 aufgelöst und seit 1990 sind auch die DDR und ihr Schulsystem Geschichte.

Doch das Schulgebäude erlebte nach der Wende eine Blütezeit. Noch immer prangt der Name „Altmärkisches Gymnasium“ an der Fassade. 1992 zog die Einrichtung hier ein. Mit der Einwohnerzahl der Region sank auch die Schülerzahl in den Nachwendejahren. Das Tangerhütter Gymnasium wurde zum Auslaufmodell. Im Jahr 2007 kam das endgültige Aus. Seitdem steht das Gebäude leer.

Von Christian Wohlt

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