Schiff verbindet die südliche Altmark mit dem Jerichower Land

Bei Wind und Wetter auf der Brücke der Elbe-Fähre Rogätz

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Marko Knuth lebt seit 1996 seinen Traum als selbstständiger Fährmann.

Rogätz – „Hallo. Wie geht´s? Lange nicht gesehen?“ Auf der Elbe-Fähre Rogätz, die den Landkreis Börde mit dem Jerichower Land verbindet, geht es persönlich zu. Fährmann Marko Knuth hat für seine Kunden stets ein freundliches Wort parat.

Rund die Hälfte von ihnen sind Pendler.

Seit neun Jahren nutzt Johanna Kunz diese Verbindung zwischen ihrem Wohnort bei Burg und dem Arbeitsplatz im altmärkischen Tangerhütte. Im Vergleich zur Alternativstrecke über die Autobahn 2 spart sie knapp 30 Kilometer. Zeitlich und finanziell mache das zwar nicht viel aus, aber: „Der Vorteil ist die Ruhe und die Gelegenheit zum Abschalten“, sagt die Pädagogin.

Die Überfahrt mit der Fähre dauert nur knapp fünf Minuten. In der Sommersaison setzt diese bis zu 80-mal am Tag über die Elbe.

Wenn auf der A2 nach Unfällen oder an Baustellen nichts mehr geht, ist es mit der Ruhe am Rogätzer Fähranleger allerdings auch vorbei. Viele Autofahrer, die versuchen, das Schlupfloch zu nutzen, stehen dann in einer Warteschlange und müssen Geduld mitbringen. Deren Frust bekommen die Fährleute zu spüren. Das komme zum Glück nur selten vor, sagt Knuth. Acht Pkw oder sechs Kleintransporter sind das Maximum pro Tour. Knapp fünf Minuten dauert die Überfahrt. Bis zu 80 Mal setzt die Fähre täglich über (in der Sommersaison).

Dann nutzen viele Fahrradtouristen, die auf dem Elberadweg unterwegs sind, die „schwimmende Straße“. Sie bringen wichtigen Umsatz. Denn das einzige private Unternehmen unter den 13 landesbedeutsamen Fähren Sachsen-Anhalts muss allein von den Einnahmen leben. Die anderen der insgesamt 14 Elbe- und zehn Saalefähren werden von Kommunen betrieben. Lediglich für die alle fünf Jahre fällige Hauptrevision (eine Art TÜV) übernimmt das Land die Hälfte der Kosten. Zwischen 2002 und 2018 floss so rund eine Million Euro in den Fährbetrieb. Künftig soll der Anteil 90 Prozent betragen. Die Parlamentsentscheidung dafür steht aber noch aus.

Für den Unternehmer zählt jeder Euro. Noch komme er geschäftlich zurecht. Doch die Kosten seien in den zurückliegenden Jahren enorm gestiegen. Das 1998 gebaute Schiff komme jetzt in die Jahre. Reparaturen schlügen meist gleich mit hohen vierstelligen Beträgen zu Buche, berichtet Kurth. Längere Ausfallzeiten, wie bei den Hochwasserkatastrophen 2002 und 2013, seien ebenfalls Gift für die Bilanz.

Seit 1996 lebt der gelernte Binnenschiffer als selbstständiger Fährmann seinen Traum. Er steht auch dann noch bei Wind und Wetter auf der Brücke, wenn andere Fähren den Betrieb längst eingestellt haben. Auch beim extremen Niedrigwasser 2018 setzte er, wenn auch mit geringerer Last, zuverlässig über. Eisgang gebe es selten. „Und für Nebel haben wir Radar“, schmunzelt er.

VON CHRISTIAN WOHLT

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