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Wildpark Weißewarte unter neuer Regie

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Von: Christian Wohlt

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Drei Rehe stehen auf schneebedecktem Boden in einem umzäunten Gehege.
Die weitläufigen Anlagen bieten beste Bedingungen, damit sich die Tiere wohlfühlen. Für die Betreuung der verschiedenen Arten ist ein gehöriges Maß an Fachkunde erforderlich. © ct-press (Christian Wohlt)

Ein Wintertag im Wildpark Weißewarte: Nur wenige Besucher verlieren sich auf den weiten Wegen. Idylle pur und eine herrliche Ruhe, die auch die Tiere offenkundig genießen.

Eine Frau und ein Mann halten Möhren in den Händen und füttern damit Schweine.
Besonders wenn es frisches Futter aus der Hand von Melanie Laufing und Justin Lindemann gibt, fühlen sich die Wollschweine im wahrsten Wortsinn sauwohl. © ct-press (Christian Wohlt)

Tangerhütte/Weißewarte – Nur Maskottchen Gustav Gans und Gemahlin Anneliese melden sich mit lautem Geschnatter regelmäßig zu Wort. Als wollten sie über die Menschen schimpfen, die in den letzten Monaten mit Zank und Streit ihr Zuhause in die Negativschlagzeilen brachten. Nun soll endlich Ruhe einkehren.

Ein Neustart mit einer eigens zu gründenden Betriebsgesellschaft ist ab dem 1. Februar geplant. Bis dahin hat der Förderverein die Bewirtschaftung übernommen. Das Ziel ist sportlich und es ist nicht sicher, ob der Termin zu halten ist. Was passiert, wenn es wider Erwarten unvorhersehbare Probleme gibt? „Dann würden wir vorerst weiter machen“, sagt Michael Grupe.

Der Vorsitzende des Fördervereins hat gemeinsam mit der kommissarischen Betriebsleiterin Victoria Alex jetzt im Wildpark das Sagen. Die junge Tierärztin hat lange in Kanada gelebt. In Deutschland sammelte sie bereits einige Jahre Berufserfahrung, unter anderem im Magdeburger Zoo. Der Wildpark ist für die gebürtige Hannoveranerin eine spannende Herausforderung, der sie sich künftig und auch gerne in der neuen Betriebsgesellschaft widmen würde, für die derzeit noch weitere Mitarbeiter gesucht werden. Die bisher in der Tierbetreuung Beschäftigten hätten das Angebot erhalten, weiter zu machen, versichert sie.

Mehrere Gänse und Hühner watscheln auf der Suche nach Futter durch ihr Gehege.
Gemütlich erkunden Wildpark-Maskottchen Gustav Gans (8) nebst Gemahlin Anneliese (12, li.) ihr „Anwesen“. © ct-press (Christian Wohlt)

Zu tun gäbe es einiges. Derzeit gehe es darum, die Auflagen abzuarbeiten, die Ende November zur Schließung des Parks führten. „Wir sehen das Veterinäramt dabei als Partner, nicht als Gegner“, sagt Grupe. Schließlich gehe es um das Tierwohl und um die Sicherheit der Besucher. Saubere Tröge und sauberes Wasser seien vorher nicht selbstverständlich gewesen, ebenso wenig wie dass vor jedes Gehege ein solides Schloss gehört, nennt er Beispiele. Sie habe zunächst neue Futterpläne erstellt, berichtet Alex. Das Verfüttern von Abfällen, mariniertem Fleisch oder Joghurt sei nun tabu. Dabei blieben Futterspenden durchaus gefragt. Wer Obst oder Gemüse übrig hat, könne es gern abgeben. „Aber kein Brot, Verdorbenes oder Fertigprodukte“, bittet die Betriebsleiterin. Das Tierparkteam freut sich auch über Geldspenden (siehe Beitrag unten) und auf möglichst zahlreiche Besucher. Für die soll auch künftig einiges geboten werden. Dazu sollen natürlich die üblichen Veranstaltungen gehören, etwa Feste und Flohmärkte. Darüber hinaus soll es Programme für Schulen oder Familien geben, wie zum Beispiel die Organisation von Kindergeburtstagen. Schließlich habe jede zoologische Einrichtung auch einen Bildungsauftrag, so Alex.

Ein in eine rote Jacke gehüllter Mann bückt sich und stellt, beobachtet von drei Schafen, einen Futtertrog aus Metall an den Zaun eines Geheges.
Es gibt viel zu tun: Neugierig beäugt, installiert Wildpark-Mitarbeiter Andreas Witaszak einen neuen Futtertrog. © ct-press (Christian Wohlt)

Als erste Veranstaltung ist für den 1. Januar, 12 Uhr, ein geführter Neujahrsspaziergang durch den Park geplant. Dabei können die Teilnehmer den Tieren besonders nahekommen und die ein oder andere Geschichten erfahren. Zum Aufwärmen gibt es Würstchen und Glühwein. Solche thematischen Führungen soll es dann monatlich geben. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Erhalt des Wildparks dauerhaft gesichert werden kann. Im Moment wird die Öffnung durch den Landkreis Stendal als Aufsichtsbehörde weiterhin nur geduldet. Mit der geplanten gemeinnützigen Betriebsgesellschaft könnte endlich eine tragfähige Lösung gefunden worden sein. Doch die muss erstmal gegründet werden. Für den Übergang sei aber inzwischen eine tatkräftige Hilfe gefunden wurden, verrät Grupe. Jan Bauer, Leiter des Tierparks in Dessau, habe fachliche und personelle Unterstützung zugesagt.

Ein Reh und ein Hirsch beschnuppern sich gegenseitig in einem Gehege.
Die verschiedenen Hirscharten sind die „Stars“ bei kleinen und großen Besuchern des Parks. © ct-press (Christian Wohlt)

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