Aus dem Frühlingserwachen wurde Herbstmelancholie / Querelen und Personalmangel

Wie weiter im Wildpark Weißewarte?

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Auch Ministerpräsident Reiner Haseloff (rechts) und Ehefrau Gabriele (hier mit Ex-Ortsbürgermeister Detlef Radke) sind Fans des Wildparks Weißewarte.

Weißewarte – Das Jahr begann für die Einheitsgemeinde Tangerhütte euphorisch. Die Stadt gewann das MDR „Frühlingserwachen“ und damit überregional an Aufmerksamkeit.

Im Mittelpunkt stand der Wildpark Weißewarte, der dank des Engagements hunderter fleißiger Helfer aufpoliert wurde. Eine tolle Show auf dem Rathausplatz und eine Geldprämie waren der Preis. Von der Aufbruchstimmung ist wenig geblieben. Im Wildpark herrscht Herbstmelancholie.

Die neue Leiterin hat nach nicht mal einem Jahr im Amt gekündigt. Stadtverwaltung und Förderverein liegen über Kreuz. Gegenseitige Vorwürfe stehen im Raum. Hinzu kommen Personalmangel und steigende Kosten. Die Zukunft des Wildparks steht auf der Kippe. Wie soll es weiter gehen? Diese Frage stellen sich viele. Bürgermeister Andreas Brohm (parteilos) hat dazu für den 5. November, 18.30 Uhr, eine Einwohnerversammlung einberufen, die wegen des erwarteten großen Interesses vom Dorfgemeinschaftshaus ins Kulturhaus Tangerhütte verlegt ist. Er nennt es Dialoggespräch.

Vorab hat das Stadtoberhaupt über soziale Medien einige ihm wichtige Informationen kundgetan. „Seit über vier Jahren arbeiten wir an einem tragfähigen Konzept für den Wildpark“, schreibt er und bilanziert: „Die Umsetzung ist uns bislang nicht geglückt.“ Die Strukturen hätten bislang auf viel Ehrenamt, eine Vermischung von Haupt- und Ehrenamt und kleine, unkomplizierte Lösungen, die immer ein Weitermachen sicherstellten, gesetzt. Als Beispiel nennt Brohm die Kinder-Eisenbahn, die fahrtüchtig gehalten aber ohne TÜV betrieben worden sei. Im Zuge des Generationswechsels seien Veränderungen notwendig gewesen. Zum Streit um das Café betont Brohm: „Wir sind nicht Verpächter des Imbisses gewesen und haben auch nicht das Geschäft beeinträchtig.“ Positiv vermerkt er, dass die jährliche Kontrolle des Veterinäramtes am vergangenen Dienstag keine Versäumnisse festgestellt habe. Der Tierbestand sei im Vergleich zum Vorjahr unverändert und Futter ausreichend vorhanden. Nun müsse umgehend eine neue Zoogenehmigung beantragt werden.

Der rund 15 Hektar große Wildpark Weißewarte ist mit seinen rund 400 Tieren und einem attraktiven Spielplatz einer der größten Besuchermagnete der Einheitsgemeinde. Im Jahr 1973 wurde mit der Aufzucht von Puten und Hühnern und dem Halten von Wildschweinen begonnen. Zu DDR-Zeiten entwickelte sich daraus ein Damwild-Park. Bei den Hochwasserkatastrophen 2002 und 2013 war das Gelände stark betroffen. Dank Fördermitteln und des Engagements vieler Helfer konnte die Anlage unter hohem Aufwand wiederhergerichtet und neu eröffnet werden.

VON CHRISTIAN WOHLT

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